Euro international
Der Euro verliert als Reservewährung

Der internationale Vormarsch des Euro ist gestoppt, sein Anteil im vierten Quartal 2007 ging gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr zurück. Der Dollar bleibt im internationalen Geschäft die unumstrittene Nummer eins.

FRANKFURT.Der Euro hat seinen internationalen Vormarsch nicht fortsetzen können. Im Gegenteil: Als internationale Reservewährung fiel sein Anteil im vierten Quartal 2007 gegenüber dem vierten Quartal 2006 von 27,1 Prozent auf 26,5 Prozent zurück. Das zeigt die jüngste Ausgabe der jährlichen Publikation der Europäischen Zentralbank (EZB) mit dem Titel "Die internationale Rolle des Euros".

Das Ergebnis der EZB steht im Gegensatz zu den Zahlen, die der Internationale Währungsfonds (IWF) unlängst veröffentlicht hat. Danach ist der Anteil des Euros an den Weltwährungsreserven weiter gestiegen. Allerdings gibt der IWF die Anteile der einzelnen Währungen zu Marktpreisen an, die EZB dagegen wechselkursbereinigt. Allein vom vierten Quartal 2007 auf das erste Quartal 2008 stieg nach der IWF-Methode der Anteil des Euros um 0,4 Prozent; zu konstanten Wechelkursen ging er dagegen um 0,9 Prozent zurück.

Als Grund nennt die EZB-Studie unter anderem Absicherungsgeschäfte zahlreicher asiatischer, lateinamerikanischer und ölproduzierender Länder. Sie hätten sich mit Dollar eingedeckt, um im Fall eines weltweiten Abschwungs über Reserven in der US-Währung zu verfügen, die sie zuvor billig eingekauft hätten. Der Euro hat sich dagegen seit Anfang 2007 um etwa 30 US-Cent verteuert. Gestern kostete die Gemeinschaftswährung am Devisenmarkt rund 1,57 Dollar.

Die Deutsche Bank war noch im Frühjahr 2007 davon ausgegangen, dass der Anteil des Euros an den Weltdevisenreserven bis 2010 auf 30 bis 40 Prozent steigen werde. Eine ganze Reihe der aufstrebenden asiatischen Staaten und der ölexportierenden Länder hatten in der Vergangenheit immer wieder betont, ihre Währungsreserven zugunsten des Euros umschichten zu wollen. Dass offenbar lediglich Russland dieser Ankündigung Folge geleistet habe, reiche nicht aus, um die Einbußen des Euros in anderen Portfolios auszugleichen, heißt es.

Abschläge musste der Euro auch als internationale Anleihe-Währung hinnehmen. Hier fiel sein Anteil der Studie zufolge zwischen Ende 2006 und Ende 2007 von 33,5 auf 32,2 Prozent. Möglicherweise wegen der niedrigeren Dollarzinsen hätten viele Emittenten sich lieber in Dollar verschuldet. Die EZB hat ihren Leitzins vergangene Woche auf 4,25 Prozent erhöht, in den USA liegt der Leitzins nach sieben Zinssenkungen nur noch bei zwei Prozent.

Auch der Anteil grenzüberschreitender Einlagen in Euro gingen im Berichtszeitraum zurück - von 22,8 auf 21,0 Prozent. Im Devisenhandel entfielen auf den Euro nur noch 37,8 Prozent - nach 39,1 Prozent im Jahr zuvor.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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