Euro-Krise
Die Zeit für Griechenland läuft ab

Die Griechen haben sich bei der Wahl für den Euro entschieden. Ob sie ihn tatsächlich behalten werden, wird allerdings immer ungewisser. Experten geben den Südeuropäern nur noch wenige Monate Zeit.
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DüsseldorfDie Griechen haben gewählt. Und sie haben sich für den Euro entschieden, indem sie mehrheitlich für Antonis Samaras und seine konservative Partei, die Nea Dimokratia stimmten. Die Investoren sind zunächst erleichtert. In Tokio steigen die Aktienkurse, in Frankfurt, London oder Paris auch. An der Börse in Athen legt der ASE-Index um beinahe fünf Prozent zu. Der Euro klettert im asiatischen Handel auf 1,2747 Dollar – und ist damit so teuer wie zuletzt vor einem Monat.

In den vergangenen zwölf Monaten hatte die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Greenback fast zwölf Prozent verloren. Auch zu anderen Währungen, dem japanischen Yen etwa oder der norwegischen Krone, wertete der Euro in dieser Zeit deutlich ab.

Die Erleichterung über die Wahlergebnisse währt allerdings nur kurz. Die Aktiengewinne bröckeln im Handelsverlauf, der Preis des Euro auch. Viele Investoren fürchten, dass sich durch die Wahl nichts geändert hat an der Misere am Mittelmeer. „Das Wahlergebnis zeigt ein klares Bekenntnis der Griechen zum Euro“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung. Um mittelfristig ein gutes Umfeld für die Finanzmärkte zu erzielen kommt es darauf an, dass die mögliche Koalition und die europäischen Partner in den anstehenden Verhandlungen in ihren Vorstellungen deutlich annähern.

Ob Griechenland tatsächlich in der Euro-Zone bleibt, ist weiterhin ungewiss. Zwar werde es die Gemeinschaftswährung in fünf Jahren noch geben, sagt Alfred Roelli, Chefanlagestratege bei Pictet. Ob Griechenland dabei ist, sei allerdings alles andere als sicher. Im Gegenteil: Das Risiko, dass Athen den Euro verlässt, bleibe hoch, meint Roelli.

Viele Finanzexperten gehen davon aus, dass die neue griechische Regierung, egal wie sie letztlich aussehen wird, sich nicht an die strengen Sparvorgaben der Europäischen Kommission in Brüssel halten wird. „Griechenland dürfte selbst gelockerte Auflagen nicht erfüllen“, prognostiziert Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. „Will sie ihre Glaubwürdigkeit nicht vollständig verlieren, wird die Staatengemeinschaft irgendwann gezwungen sein, Griechenland den Geldhahn zuzudrehen. Der griechische Staat wäre dann rasch pleite“, meint der Ökonom.

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  • "Die Gemeinschaftswährung werde überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen."
    Demnach hätte das 3. Reich ja ewig bestehen müssen, oder die DDR usw.
    Der Spruch ist so dumm wie falsch, "Ein Flugzeug kann nicht abstürzen weil ja die Insassen alle tot wären" im Kindergarten mag ja sowas durchgehen, aber sonst?

    So lange es den Oiro gibt mögen vielleicht die politischen und wirtschaftlichen Eliten überleben....aber dann, naja.

  • Die Spannung, die Spannung! ich werde langsam von den ganzen Krisen- und Rettungsgeschichten völlig ausgelaugt. Politiker, es gibt nur 2 Möglichkeiten:

    1) Auftrennen des Euros in ein Nordo & Südo (bzw. Neuro & Seuro).

    oder

    2) ESM eine Banklizenz geben, und dadurch Geld wie Heu drucken, um die Schulden weg zu inflationieren.

    Politiker, bitte wählt eine Lösung und macht.
    danke!

  • "Die Gemeinschaftswährung werde überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen."

    Bingo!
    Es geht überhaupt nicht um die Bevölkerung. Es geht um die Elite und ihren Zugang zu den Fleischtöpfen.

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