Euro-Krise Inflation niedriger, Euro im freien Fall

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Es wird Anleihekäufe geben

Experten erwarten, dass Draghi am Donnerstag weitere Details zu den geplanten Käufen von Pfandbriefen und gebündelten Kreditpapieren bekanntgeben wird. Zuletzt bliebe noch der Kauf von Staatsanleihen der Euro-Länder, das sogenannte Quantitative Easing (QE). In den vergangenen Jahren hatte die US-Notenbank Fed massiv auf QE gesetzt. Ein solches Programm ist allerdings nicht nur rechtlich umstritten, sondern scheiterte bislang auch am Widerstand der Bundesbank. Doch am Ende dürfte beides nicht mehr viel zählen.

„Die heutigen Daten werden die Spekulationen auf breit angelegte Anleihekäufe der EZB weiter befeuern, die es am Ende auch geben dürfte“, sagt Christoph Weil von der Commerzbank. Nach Meinung des Experten könnte die Inflationsrate ihren Tiefpunkt zwar erreicht haben, wegen der weiterhin schwachen Konjunktur werde sie aber „nur sehr langsam nach oben kriechen“.

Das bedeutet auch, dass der Euro noch über längere Zeit schwach bleiben wird – was von der EZB durchaus beabsichtigt ist. „Diese Euroschwäche basiert auf einer gezielten Draghi-Politik“, sagt John J. Hardy, Währungsexperte bei der Saxo Bank. Die aktuelle Maßnahmen der EZB schwächten den Euro auf zwei Arten. „Einerseits bläht die EZB zum ersten Mal seit 2011 ihre Bilanzen mit neuen Langzeitkrediten (TLTRO) und dem Aufkauf von Kreditverbriefungen (ABS) auf. Andererseits müssen nun Unternehmen aufgrund der Leitzinssenkung der EZB auf ihr bei Banken aufbewahrtes Geld Gebühren zahlen“, sagt Hardy.

Eine schwache Währung hilft Krisenstaaten, im internationalen Wettbewerb mitzuhalten, da sie billiger exportieren können. Die Regierungen in Frankreich und Italien hatten immer wieder eine gezielte Abwertung der Währung gefordert. Sie kommen ihrem Ziel zumindest näher: Allein in diesem Quartal ist der Euro gegenüber dem Dollar um acht Prozent gefallen. Die europäische Währung ist inzwischen nicht mehr weit von ihrem Fünf-Jahres-Tief knapp unter 1,20 Dollar entfernt.

Die Abwertung sei „die richtige Reaktion angesichts der Schritte, die vorgenommen wurden”, sagte EZB-Ratsmitglied und Italiens Notenbankgouverneur Ignazio Visco kürzlich in einem Interview mit Bloomberg News.

Mit Material von Reuters/Bloomberg

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88 Kommentare zu "Euro-Krise: Inflation niedriger, Euro im freien Fall"

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  • Der Euro ist ein Kandidat für den Abstieg. Vor allem gegen den Dollar. Denn die US-Notenbank wird früher oder später aus dem Gelddrucken aussteigen, die USA sind wirtschaftlich weit agiler und reformfähiger als Europa.De facto hat ein Putsch stattgefunden: Die EZB ist eine südeuropäische Inflationsmaschine geworden, die Bundesbank ist entmachtet.Die EZB ist im Grunde nichts anderes als eine italienische Zentralbank. Eine Geldschwemme soll die Wirtschaft im Süden der Eurozone ankurbeln, Schuldenmachen geht vor Konsolidierung der Staatsfinanzen.Spanien wurde mit billigem Geld überschwemmt. Die Folge: Es wurden Investments getätigt, die man bei normalen Zinsen nicht umgesetzt hätte. Heute stehen an Spaniens Küsten unzählige Bauruinen und es ist nachhaltig nicht ein Arbeitsplatz entstanden.Der Club Med hat beim – meist erschummelten – Eintritt in den Euro-Raum eine Scheinblüte durch die günstigen Zinsen erlebt – und einen kurzen Boom bei Immobilien. Die Folgen des Bankrotts vieler Häuslebauer und Banken trägt die EZB – und damit zu einem Großteil der deutsche Steuerzahler.Der Wert unseres Geldes, unser Vermögen und unsere Wirtschaft stehen auf dem Spiel. Die Notenbanken der Welt haben sich zu Geiseln der Politik degradieren lassen.
    Bürger, Steuerzahler und Sparer sind die Leittragenden: Der anhaltende Niedrigzins frisst ihr Erspartes auf, die Flut billigen Zentralbank-Geldes führt zu immer neuen gefährlichen Blasen, die Rettungsaktionen für marode Banken übersteigen jedes Maß.Paris, Madrid, Athem wollen keine Reformen, also wird weiter Geld reingepumpt und der Euro wird weiter an Wert verlieren. Otto Normalverbraucher wird in die Röhre gucken. Flucht in die Sachwerte: Wer einmal auf der Besichtigung einer Altbau-Wohnung war, die in Frankfurt oder gar in der hässlichen Provinz-Metropole Darmstadt angeboten wird, der darf sich mit Dutzenden Interessenten kabbeln. In den gesuchten Uni- und Wirtschafts-Standorten sind die Preise explodiert. Alternavlos? No, thanxx!

  • Sie können das Märchen mit dem "Retten der Südstaaten" gerne weiter glauben, dadurch wird es nicht wahrer. Es wurden keine Länder, sondern Banken in diesen Ländern gerettet. Und der Grossteil des Vermögens war aus den Nordstaaten (Pensions&Rentenfonds, Lebensversicherungen, usw.) sowie von reichen Investoren aus allen möglichen Ländern wie z.B. USA, Deutschland, Russland aber auch teils der Vermögenden aus den betroffenen Ländern selbst. Das ist leider sehr intransparent (es wird sich ja bis heute nach einer unabhängigen Analyse gestreubt, wessen und was für Vermögen da eigentlich "gerettet" wurde), dennoch haben sich manche Blogger oder kleine Lokalzeitungen daran gemacht zu versuchen dort Analysen aus z.B. dem Target System und Bilanzen rauszuziehen.

    Ihnen ist schon bewusst, dass die EZB kaum was dafür kann, wenn andere Staaten den EURO gegenüber ihrer eigenen Währung auf- oder abwerten oder? Für den Nullzins können Sie auch nix. Wenn kaum jemand investiert (weder Staat noch private Unternehmen), die Sparqoute hoch ist und der Konsum niedrig. Woher soll dann Umsatz kommen, wo man auch Zinsen rausziehen kann? Es gibt kein Recht auf Zinsen! Befassen Sie sich bitte mal bitte mit Geldpolitik und wie ein Wirtschaftskreislauf funktioniert.

    Zum Automobilmarkt. Es gibt genug Studien und unabhängige Berichte, dass der Markt in Deutschland seit über 10 Jahren gesättigt ist, also das Angebot grösser als die Nachfrage. Das liegt zum einem am Verfall der Löhne in den letzten 20 Jahren (wobei im Luxusbereich ab 100k die Verkäufe sogar gestiegen sind, aber schliesslich sind ja auch die Vermögen teils explodiert) und zum anderen auch an unrealistischen Annahmen der Industrie, wo man sich quasi jetzt nicht alle 7-8, sondern 3-4 Jahre ein Neuwagen holen soll.

    Aber ich stimme Ihnen zu, Deutschland sollte den Euro verlassen. Wenn dann alle die "neue DM" aufwerten und gegenüber Deutschland mit Zöllen daherkommen, wie schnell dann unser Import/Export zum Erliegen kommt.

  • Was heißt hier eigentlich deflation?
    meines Wissens haben wir noch eine positive Preisentwicklung,
    Obwohl die Kranken EU Länder ihre überhöhten Preise abgesenkt
    Haben, wozu auch von allen Experten geraten wurde.
    Die ultralose Geldpolitik der EZB wird es auch nicht schaffen, den
    Verkrusteten und trägen Mittelmeerstaaten Dynamik zu verschaffen!
    Dafür gibt es wieder Blasenbildungen im worst Case zu Lasten der Steuerzahler!,

  • Was heißt hier eigentlich deflation?
    meines Wissens haben wir noch eine positive Preisentwicklung,
    Obwohl die Kranken EU Länder ihre überhöhten Preise abgesenkt
    Haben, wozu auch von allen Experten geraten wurde.
    Die ultralose Geldpolitik der EZB wird es auch nicht schaffen, den
    Verkrusteten und trägen Mittelmeerstaaten Dynamik zu verschaffen!
    Dafür gibt es wieder Blasenbildungen im worst Case zu Lasten der Steuerzahler!,

  • Woher wissen all diese Experten, die meistens nur Beamte sind, überhaupt, daß Inflation gut und Deflation schlecht sei? Sie wissen es schlicht nicht!! Aber Inflation ist gut für die Schuldner und Faulenzer und Deflation ist gut für die Fleißigen und Sparsamen. Dumm nur, daß die Welt der Politiker die der Schuldner und Trickser ist. Und die sollen begünstigt werden! Das ist das ganze Szenario!
    Unausrottbar auch der naive Irrglaube, daß Steuern Investitionen dienten. 80% der Steuereinnahmen fließen Löhne, Gehälter und Pensionen im Öffentlichen Dienst. Der Rest wird nicht etwa investiert, sondern dient der Schuldentilgung! Bis vor 3 Jahren erreichte die Investionsquote noch nicht einmal die Schuldenneueaufnahme und in den letzten 30 Jahren erreichte die Investitionsquote meistens noch nicht einmal die HÄLFTE der Schuldenneuaufnahme des Bundes, weswegen über viele Jahre der Bundeshaushalt schlicht verfassungswidrig war, ohne daß sich je ein Verfassungsgericht darum geschert hätte. Ist aber klar; denn dieses ist mit willfährigen Politkollegen besetzt und in den Rundfunkanstalten, die das aufdecken könnten herrschen auch die Parteien! Was hat das noch mit Demokratie zu tun? Wir leben in einem oligarchischen Parteien-Beamtenstaat. Keine öffentliche Einrichtung die nicht von dieser Oligarchie zwecks eigener Vorteilsnahme mißbraucht wird. Das ist die traurige Wirklichkeit. Und jetzt machet dieses Gesocks den Bürgern weiß, daß Deflation schlecht sei. Und es wird scheinbar auch noch geglaubt.

  • @Michael Hagesand


    Wir sind den Gezeitenkräften nicht so sehr ausgeliefert wie wir es ohne die EU wären, da wir uns in den EU-Gremien mit anderen solidarisieren können oder für unsere Sache Mehrheiten organisieren und so mit einer gemeinsamen Haltung auftreten können. Alles das hätten wir nicht.

    Sie schreiben hier an vielen Stellen von ihren Träumen.
    OK, wenn sie solche haben.

    Leider sieht die Entwicklung der Euro Staaten und des Euro in den letzten 4 Jahren ganz anders aus.
    Die Euromanie in der Politik sollte man realistisch betrachten.
    Die Realität sieht so aus:
    Es werden immer mehr und größere Bazookas gebraucht um diese Fehlgeburt Euro am Leben zu erhalten. Größtenteils auf deutsche Kosten. Da helfen Träume nicht mehr weiter. Der Punkt fürs sanfte Reißleine ziehen ist dank deutscher, politischer Weitsicht überschritten. Es kann nicht gut gehen, sondern es wird umso heftiger, je länger wir den Kopf in den Sand stecken.

    Schönen realistischen Abend noch.

  • "Als ob die Interessen fremder Mächte nicht schon jetzt durchgesetzt würden. Die Geldpolitik ist unter Goldman Sachs Mann Mario Drucki durchamerikansiert bis zum letzten Falschgeldschein und die Aussenpolitik wird gerade auf Linie gebracht, die US-Interessen zu vertreten
    ...

    Eine auf diesem Niveau vereinheitlichte EU macht es den äußeren Mächten sogar viel leichter ganz Europa zum übernehmen, da man nur noch die korrupten Wichtigtuer in Brüssel korrumpieren muss, um auch das letzte widerspenstige gallische Dorf auf Linie zu bringen. "
    Sehe ich auch so. Je zentralisierter ein (politsches) Gebilde ist je leichter ist es angreifbar. Heute koennen sich Lobbyisten oder fremde Maechte auf ein paar Politkasper in Bruessel beschraenken um ihren Interessen Nachdruck zu verleihen. Ein dezentralisiertes System ist wesentlich schwerer zu korumpieren.

  • "Deutschland ist in der EU ein mächtiges, influssreiches Schwergewicht"

    In der EZB ist Deutschland mit seiner nicht Amerika-konformen souveränen Geldpolitik mittlerweile isoliert und hat praktisch nichts mehr zu sagen. Mario Drucki macht was er will. Und wie an anderer Stelle schon angemerkt dominieren die Amerikaner auch die europäische Aussenpolitik und macht sie zum Handlanger ihrer Interessen. So eine EU kann mir gestohlen bleiben.

  • "Und dass man es den USA, Russland oder China recht einfach macht, jeden einzelnen europäischen Staat gegeneinander auszuspielen"

    Als ob die Interessen fremder Mächte nicht schon jetzt durchgesetzt würden. Die Geldpolitik ist unter Goldman Sachs Mann Mario Drucki durchamerikansiert bis zum letzten Falschgeldschein und die Aussenpolitik wird gerade auf Linie gebracht, die US-Interessen zu vertreten. Jedenfalls sehe ich nicht wie die von den Amis in der Ukraine betriebene Spaltung der Ukraine & Europas europäischen Interessen dienen würde.

    Eine auf diesem Niveau vereinheitlichte EU macht es den äußeren Mächten sogar viel leichter ganz Europa zum übernehmen, da man nur noch die korrupten Wichtigtuer in Brüssel korrumpieren muss, um auch das letzte widerspenstige gallische Dorf auf Linie zu bringen. Auch China wird sich über ein latainamerikanisiertes planwirtschaftlich-bankensozialistisch schwaches Europa der Bananenrepubliken freuen. Das lässt sich viel leichter kaufen.

  • "Wenn wir demokratisch Aastimmen, sind wir Nordkorea?"

    Das habe ich nicht gesagt. Wir sind ohne EU/NATO/Euro genau so isoliert wie Nordkorea... ein einzelner Staat gegen den Rest der Welt, der es mit EU, USA, Russland und China aufnehmen muss... ;)

    Ausstieg von allem wäre ziemlich dumm...

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