Euro-Krise
Inflation niedriger, Euro im freien Fall

Die Inflationsrate in der Euro-Zone erreicht den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Es droht eine Deflation. Die EZB wird wohl größere Geschütze auffahren. Die letzten Hemmungen könnten fallen – genauso wie der Euro.
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FrankfurtDiese Zahl ist der deutlichste Beleg dafür, dass wir ein ernstes Problem haben: Die Inflationsrate in der Euro-Zone ist auf 0,3 Prozent gefallen, wie die Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit fast fünf Jahren. Damit sind die Euro-Länder nicht mehr weit von einer gefährlichen Deflation entfernt – einer Phase, in der die Preise fallen, Unternehmen ihre Investitionen einstellen und die Konjunktur einbricht. „Deflation bleibt eine ernste Gefahr“, sagt Ökonomin Jennifer McKeown von Capital Economics.

Die Finanzmärkte reagierten schnell auf die Nachricht: Der Euro fiel am Dienstag erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 1,26 US-Dollar. Investoren fürchten, dass der Euro-Zone eine Dauerkrise droht wie sie Japan seit Jahren durchlebt. Im frühen Handel hatte der Euro noch über der Marke von 1,27 Dollar notiert. Zuletzt erholte er sich ein wenig und wurde am späten Nachmittag mit 1,2630 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,2583 (Montag: 1,2701) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7947 (0,7873) Euro.

Wie aus den Eurostat-Zahlen hervorgeht, sind vor allem die Energiepreise erneut stark gefallen. Im Jahresvergleich sanken sie im September um 2,4 Prozent. Bis auf die Preise für Dienstleistungen, die um 1,1 Prozent stiegen, blieb nennenswerter Inflationsdruck aus. Die Preise für Nahrungsmittel und Industriegüter erhöhten sich nur geringfügig.

Damit wächst auch der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB). Erst im vergangenen Monat hatte die Notenbank die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Außerdem pumpte sie Milliarden an billigem Geld in die Wirtschaft. Den Verfall der Preise konnte sie dennoch nicht stoppen. Am Donnerstag dieser Woche treffen sich die Währungshüter in Neapel - sie könnten gezwungen sein, größere Geschütze aufzufahren. Die Notenbank strebt eigentlich eine Inflationsrate von zwei Prozent an.

„Es wird wohl noch länger dauern, bis die Inflation wieder in diesen Bereich zurückkehrt“, sagt Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. „Das rechtfertigt die Aktionen der EZB.“

EZB-Chef Mario Draghi hat bereits mehr als deutlich gemacht, dass er weitere Maßnahmen ergreifen will, um die Gefahr der Deflation in den Griff zu bekommen. Nur wie könnten weitere Maßnahmen aussehen? Die Zentralbank hat schon fast alle Mittel ausgeschöpft.

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Es wird Anleihekäufe geben

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  • Der Euro ist ein Kandidat für den Abstieg. Vor allem gegen den Dollar. Denn die US-Notenbank wird früher oder später aus dem Gelddrucken aussteigen, die USA sind wirtschaftlich weit agiler und reformfähiger als Europa.De facto hat ein Putsch stattgefunden: Die EZB ist eine südeuropäische Inflationsmaschine geworden, die Bundesbank ist entmachtet.Die EZB ist im Grunde nichts anderes als eine italienische Zentralbank. Eine Geldschwemme soll die Wirtschaft im Süden der Eurozone ankurbeln, Schuldenmachen geht vor Konsolidierung der Staatsfinanzen.Spanien wurde mit billigem Geld überschwemmt. Die Folge: Es wurden Investments getätigt, die man bei normalen Zinsen nicht umgesetzt hätte. Heute stehen an Spaniens Küsten unzählige Bauruinen und es ist nachhaltig nicht ein Arbeitsplatz entstanden.Der Club Med hat beim – meist erschummelten – Eintritt in den Euro-Raum eine Scheinblüte durch die günstigen Zinsen erlebt – und einen kurzen Boom bei Immobilien. Die Folgen des Bankrotts vieler Häuslebauer und Banken trägt die EZB – und damit zu einem Großteil der deutsche Steuerzahler.Der Wert unseres Geldes, unser Vermögen und unsere Wirtschaft stehen auf dem Spiel. Die Notenbanken der Welt haben sich zu Geiseln der Politik degradieren lassen.
    Bürger, Steuerzahler und Sparer sind die Leittragenden: Der anhaltende Niedrigzins frisst ihr Erspartes auf, die Flut billigen Zentralbank-Geldes führt zu immer neuen gefährlichen Blasen, die Rettungsaktionen für marode Banken übersteigen jedes Maß.Paris, Madrid, Athem wollen keine Reformen, also wird weiter Geld reingepumpt und der Euro wird weiter an Wert verlieren. Otto Normalverbraucher wird in die Röhre gucken. Flucht in die Sachwerte: Wer einmal auf der Besichtigung einer Altbau-Wohnung war, die in Frankfurt oder gar in der hässlichen Provinz-Metropole Darmstadt angeboten wird, der darf sich mit Dutzenden Interessenten kabbeln. In den gesuchten Uni- und Wirtschafts-Standorten sind die Preise explodiert. Alternavlos? No, thanxx!

  • Sie können das Märchen mit dem "Retten der Südstaaten" gerne weiter glauben, dadurch wird es nicht wahrer. Es wurden keine Länder, sondern Banken in diesen Ländern gerettet. Und der Grossteil des Vermögens war aus den Nordstaaten (Pensions&Rentenfonds, Lebensversicherungen, usw.) sowie von reichen Investoren aus allen möglichen Ländern wie z.B. USA, Deutschland, Russland aber auch teils der Vermögenden aus den betroffenen Ländern selbst. Das ist leider sehr intransparent (es wird sich ja bis heute nach einer unabhängigen Analyse gestreubt, wessen und was für Vermögen da eigentlich "gerettet" wurde), dennoch haben sich manche Blogger oder kleine Lokalzeitungen daran gemacht zu versuchen dort Analysen aus z.B. dem Target System und Bilanzen rauszuziehen.

    Ihnen ist schon bewusst, dass die EZB kaum was dafür kann, wenn andere Staaten den EURO gegenüber ihrer eigenen Währung auf- oder abwerten oder? Für den Nullzins können Sie auch nix. Wenn kaum jemand investiert (weder Staat noch private Unternehmen), die Sparqoute hoch ist und der Konsum niedrig. Woher soll dann Umsatz kommen, wo man auch Zinsen rausziehen kann? Es gibt kein Recht auf Zinsen! Befassen Sie sich bitte mal bitte mit Geldpolitik und wie ein Wirtschaftskreislauf funktioniert.

    Zum Automobilmarkt. Es gibt genug Studien und unabhängige Berichte, dass der Markt in Deutschland seit über 10 Jahren gesättigt ist, also das Angebot grösser als die Nachfrage. Das liegt zum einem am Verfall der Löhne in den letzten 20 Jahren (wobei im Luxusbereich ab 100k die Verkäufe sogar gestiegen sind, aber schliesslich sind ja auch die Vermögen teils explodiert) und zum anderen auch an unrealistischen Annahmen der Industrie, wo man sich quasi jetzt nicht alle 7-8, sondern 3-4 Jahre ein Neuwagen holen soll.

    Aber ich stimme Ihnen zu, Deutschland sollte den Euro verlassen. Wenn dann alle die "neue DM" aufwerten und gegenüber Deutschland mit Zöllen daherkommen, wie schnell dann unser Import/Export zum Erliegen kommt.

  • Was heißt hier eigentlich deflation?
    meines Wissens haben wir noch eine positive Preisentwicklung,
    Obwohl die Kranken EU Länder ihre überhöhten Preise abgesenkt
    Haben, wozu auch von allen Experten geraten wurde.
    Die ultralose Geldpolitik der EZB wird es auch nicht schaffen, den
    Verkrusteten und trägen Mittelmeerstaaten Dynamik zu verschaffen!
    Dafür gibt es wieder Blasenbildungen im worst Case zu Lasten der Steuerzahler!,

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