Euro profitiert von enttäuschenden US-Konjunkturdaten – Indizien für Trendwende
Zinsspekulationen setzen Dollar massiv unter Druck

Der Euro-Kurs ist aus charttechnischer Sicht aus seiner bisherigen Spanne nach oben ausgebrochen. Bereits am späten Donnerstag stieg der Kurs zum ersten Mal seit Ende Mai auf über 1,25 Dollar. An Freitag schien zeitweise sogar die Marke von 1,26 Dollar in greifbarer Nähe. Es mehren sich damit die Anzeichen, dass der Trend bei Euro und Dollar nicht nur kurzfristig gedreht hat.

DÜSSELDORF. Die amerikanische Währung ist gleich von mehreren Seiten unter Druck gekommen. Bereits am Mittwoch und Donnerstag hatten die enttäuschenden Zahlen des Chicagoer Konjunkturindex und des ISM Einkaufsmanagerindex Zweifel an der wirtschaftlichen Situation der USA genährt. Am Freitag lagen dann noch die Arbeitsmarktdaten leicht unter den Erwartungen.

Überlagert werden die enttäuschenden Konjunkturdaten durch die Folgen des Hurrikans „Katrina“. Die unübersehbaren Schäden durch den Sturm haben Diskussionen ausgelöst, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen nicht – wie bisher erwartet – weiter anheben wird. Zusätzlich angeheizt wurden die Spekulationen durch ein Treffen von Präsident George W. Bush mit Fed-Chef Alan Greenspan.

„Dies reicht aus, um den Dollar auf breiter Front massiv unter Druck zu setzen“, sagt Carsten Fritsch, Devisenexperte der Commerzbank. Ausgelöst wurden die Spekulationen durch den Hurrikan, der zu einem starken Anstieg der Rohöl- und den Benzinpreise geführt hat. „Es wird befürchtet, „dass die Wachstumsdynamik in den USA dadurch erheblich beeinträchtigt werden könnte“, sagt Fritsch. Vor diesem Hintergrund gebe es aus Sicht des Marktes nur wenig Gründe für weitere Zinserhöhungen. Der wachsende Abstand zwischen den Zinsen in den USA und denen der Euro-Zone hatte dem Kurs des Dollars immer wieder Auftrieb gegeben. Durch die Zinsdifferenz waren Anlagen im Dollar-Raum für Investoren attraktiver.

Michael Klawitter, Devisenstratege der WestLB, blickt vor allem auf den sprunghaften Anstieg der Benzinpreise. „Ein schneller Anstieg hat einen größeren Einfluss auf das Konsumentenvertrauen als eine langsame Verteuerung“, sagt Klawitter. Entsprechend rechnet er mit einem negativen Einfluss auf das US-Wirtschaftswachstum. Aus Sicht der Marktakteure stiegen daher die Chancen, dass die Fed schon im September mit ihren Zinserhöhungsschritten pausieren könnte.

Noch erwartet Klawitter, dass der nächste Zinsschritt in den USA am 20. September kommt. David Rosenberg, Chef-Ökonom für Nordamerika bei Merrill Lynch erwartet hingegen, dass die Fed von einer Zinserhöhung absehen wird. „Die Federal Reserve wird sich am 20. September zurückhalten, aber nicht signalisieren, dass sie mit den Zinserhöhungen fertig ist“, sagte Rosenberg im Interview mit Bloomberg News. Sie werde erst abschätzen wollen, welche Auswirkungen die Hurrikan-Schäden auf die US-Wirtschaft hätten.

Doch selbst wenn die Fed die Zinsen noch anheben sollte, scheint laut UBS „das Ende des Zinserhöhungszyklus in Sicht“. Wie bereits in einem Teil der Auflage berichtet, hat die Bank ihre Ein- und Dreimonatsprognose für den Euro nach oben korrigiert und erwartet nun Kurse von 1,27 (zuvor 1,23) Dollar bzw. 1,29 (1,25) Dollar. Die Commerzbank sieht den Euro Ende 2005 unverändert bei 1,25 Dollar. Die WestLB rechnet in drei bzw. sechs Monaten weiterhin mit 1,24 bzw. 1,30 Dollar.

Klawitter warnt aber noch vor einem weiteren Risiko für den Dollar. Anders als etwa nach den Terroranschlägen 2001 könne die US-Wirtschaft kaum mit fiskalpolitischen Maßnahmen unterstützt werden. Es sei daher möglich, dass die US-Regierung aktiv mit Blick auf die Wahl 2006 „einen schwächeren Dollar als Konjunkturprogramm nutzt“.

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