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Euro-Stärke schürt Konjunkturangst - Institute zweifeln Prognosen an

Der ungebremste Anstieg des Euro schürt die Angst vor weiteren Konjunktur-Rückschlägen für Deutschland und Europa. Mit dem Hwwa zweifelt ein weiteres der sechs führenden deutschen Wirtschaftsinstitute seine bisherige Konjunkturprognose an.

dpa-afx HAMBURG. Der ungebremste Anstieg des Euro schürt die Angst vor weiteren Konjunktur-Rückschlägen für Deutschland und Europa. Mit dem Hwwa zweifelt ein weiteres der sechs führenden deutschen Wirtschaftsinstitute seine bisherige Konjunkturprognose an. Experten warnen vor Milliardeneinbußen für deutsche Unternehmen bei einer anhaltenden Dollar-Schwäche. DGB-Chef Michael Sommer forderte von der EZB ein Gegenlenken und von der Bundesregierung ein Konjunkturprogramm. Der Euro notierte zum Wochenende wieder nahe der Rekordmarke von 1,30 Dollar.

"In diesem Jahr kommen wir nur noch auf 1,7 Prozent Wachstum, für 2005 schließe ich ein Absinken in die Richtung von einem Prozent nicht aus", sagte Konjunkturexperte Jörg Hinze vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (Hwwa), dem "Tagesspiegel am Sonntag". Noch vor gut drei Wochen hatte das Hwwa zusammen mit fünf anderen Instituten im Herbstgutachten Wachstumsraten von 1,8 Prozent für 2004 und 1,5 Prozent für 2005 vorhergesagt. Zuvor hatte bereits das Institut für Weltwirtschaft in Kiel die Gemeinschaftsprognose als zu optimistisch in Frage gestellt.

NUR 30 Prozent Abgesichert

"Der Ölpreisschock hemmt die Dynamik - auch in den Ländern, in die Deutschland exportiert", sagte Hinze zur Begründung. Hinzu komme der Euro, der so teuer ist wie nie zuvor. Die Ölpreise sind nach den jüngsten Rekordwerten zwar auf wieder auf dem Rückzug, mit mehr als 40 Dollar je Barrel (159 Liter) ist der Rohstoff aber immer noch deutlich teurer als in den vergangenen Jahren.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sind bei deutschen Unternehmen nur etwa 30 Prozent der Fremdwährungsforderungen gegen Kursschwankungen versichert. Besonders betroffen sei der Mittelstand. "Für viele ist die Absicherung gegen Währungsrisiken ein Fremdwort", sagte BDI-Konjunkturexperte Reinhard Kudiß dem "Tagesspiegel am Sonntag". Unter anderem der VW-Konzern musste in den vergangenen Jahren in seinem US-Geschäft hohe Einbußen wegen der sinkenden Dollar-Kurse hinnehmen.

DGB-Chef Sommer rief die Europäische Zentralbank (EZB) und Berlin dazu auf, sich ein Beispiel an der US-Regierung zu nehmen, die eine "konjunkturgerechte Geldpolitik" betreibe. Die EZB müsse schnell dafür Sorgen, den Euro zum Dollar in eine "vernünftige Balance" zu bringen.

Mahnung AN USA

Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser warf der US-Regierung dagegen vor, die Dollar-Schwäche durch das hohe Defizit in Haushalt und Leistungsbilanz zu verursachen. Das US-Doppeldefizit beunruhige die Märkte, was die Schwäche des Dollar und die Stärke des Euro zur Folge habe, sagte Koch-Weser dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Wir brauchen eine mittelfristige, nachhaltige Haushaltskonsolidierung in den USA."

Der Euro hatte vor wenigen Tagen ein Rekordhoch mit 1,3 005 Dollar erreicht. Zum Wochenende notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,2 973 Dollar. Die EZB hatte sich bisher auf verbale Interventionen beschränkt, um den Anstieg des Euro abzubremsen. Ein hoher Euro-Kurs verteuert die Waren aus der Euro- Zone, deren Wirtschaft stark von den Exporten abhängig ist. Auch in Deutschland ist der Export seit Jahren die wichtigste Stütze der Konjunktur.

Sinn Contra Bofinger

Deutsche Ökonomen sind unterdessen weiterhin uneins über die Wege zu mehr Wirtschaftswachstum. Der Chef des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn sprach sich erneut für längere Arbeitszeiten aus. Für einen spürbaren Nachfrageanstieg müssten dabei alle ihre Arbeitszeit gleichzeitig ausdehnen, schrieb Sinn in der "Welt am Sonntag". Auch die Mehrzahl des Sachverständigenrates der "fünf Weisen" dringe auf längere Arbeitszeit, Etatkürzungen und eine moderate Lohnpolitik, schrieb der "Spiegel". Dagegen kritisiere dies der Würzburger Ökonom Peter Bofinger als Einschnitte in die Kaufkraft. Einer jüngsten Umfrage im Auftrag der dpa betrachten 63 Prozent in Deutschland eine 40-Stunden-Woche als geeignetes Mittel, um die Wirtschaft anzukurbeln.

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