Euro unter Druck
Neue Spekulation um Griechenland-Pleite

Die Spekulationen um eine Umschuldung Griechenlands erhalten neue Nahrung. Grund dafür sind Aussagen eines deutschen Staatssekretärs. Der Euro gerät daraufhin unter Druck.
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FrankfurtAussagen des deutschen Außenstaatssekretärs Werner Hoyer haben am Freitagmittag Spekulationen um eine Umschuldung Griechenlands neue Nahrung gegeben. Der Euro fiel daraufhin auf ein Tagestief von 1,4406 Dollar. Hoyer sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg, es sei offen, ob bisherige Maßnahmen Griechenlands ausreichend seien. Eine Umschuldung des Landes „wäre keine Katastrophe“. Der Renditeaufschlag für zehnjährige griechische Staatsanleihen zur Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit erreichte ein Rekordhoch von 1036,9 Basispunkten.

Nach Einschätzung von Währungsstratege Paul Robson von RBS Global Banking bleibt die Lage in den hoch verschuldeten Staaten der Eurozone ein Risiko für die Gemeinschaftswährung. "Solange sich aber die Spekulationen über eine Rekapitalisierung der spanischen Banken und eine Restrukturierung der griechischen Schulden nicht zuspitzen, sollte der Euro von den Zinsdifferenzen unterstützt werden."

Die Ratingagentur Moody's senkte am Freitag den Daumen über der Bonitätseinschätzung des bereits unter den europäischen Rettungsschirm geflohenen Irland und nahm ihre Einschätzung auf "Baa3" von bislang "Baa1" zurück. Damit setzte sich eine Reihe von Herabstufungen fort. Einige Anleger hätten das zum Anlass für Gewinnmitnahmen genommen, sagte Klaus Gölitz, Leiter des Devisen-Eigenhandels von MM Warburg. "Letztlich hält sich der Euro aber in seiner jüngsten Handelsspanne, der Zinsvorteil gegenüber dem Dollar spricht aber dafür, dass er weiter steigt." Während die Europäische Zentralbank (EZB) vergangene Woche die Zinswende einleitete, rechnen Experten für deren US-Pendant Fed in den nächsten Monaten nicht mit einem entsprechenden Schritt.

Die Erwartung steigender Zinsen in der Euro-Zone wurde laut Händlern von neuen Inflationsdaten untermauert. Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone stiegen im März um 2,7 Prozent und damit stärker als Analysten prognostiziert hatten.

EZB-Vizepräsident Vitor Constancio sagte, der Inflationsdruck sei ein Grund zur Sorge. Stabile Preise sieht die EZB mittelfristig bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Am Rentenmarkt standen Irland und Griechenland im Fokus, nachdem sich die fünfjährigen Kreditausfallversicherungen (CDS) - ein Maßstab für das Misstrauen des Marktes - weiter verteuerten. Griechenland hatte angekündigt, mit Privatisierungen und weiteren Einsparungen eine Umschuldung zu vermeiden. Nach Ostern sollen die Reformen konkretisiert werden.

Die Kreditderivate zur Absicherung eines fünf Jahre laufenden Kredites an Griechenland verteuerten sich laut dem Datenanbieter Markit um 15 auf 1105 Basispunkte. Die irischen fünfjährigen CDS kletterten um zehn auf 555 Basispunkte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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