Euro-Wechselkurs
Der gute Riecher von Goldman Sachs

Seit mehr als einem Jahr sagt die US-Bank die Parität vom Euro zum Dollar voraus – und galt mit dieser Position lange als wagemutig. Doch Goldman könnte schon bald Recht bekommen.

FrankfurtDevisenanalysten tun sich üblicherweise schwer mit Prognosen. In der Regel sagen sie speziell für das Verhältnis von Euro zu Dollar auf Sicht von einem oder einem halben Jahr stets Kurse voraus, die sich eng am aktuellen Stand des Währungspaares orientieren. Nicht so Robin Brooks. Der Chef-Währungsstratege der US-Bank Goldman Sachs prognostizierte schon im September vergangenen Jahres, dass im Jahr 2017 der Euro zum Dollar die Parität erreichen, also genau einen Dollar kosten könnte. Damals kostete ein Euro 1,31 Dollar. Kurze Zeit später erwartete auch die Deutsche Bank die Euro-Dollar-Parität für Ende 2017.

Im Handelsblatt-Interview legte Goldman-Chefvolkswirt Jan Hatzius im April dieses Jahres nach: Schon im Jahr 2015 werde es soweit sein. Jetzt sieht es so aus als ob Brooks, Hatzius und die Deutsche Bank früher bald Recht bekommen. Der Euro ist in dieser Woche auf nur noch gut 1,06 Dollar gefallen. Im August hatte er noch bei über 1,17 Dollar gestanden, seither geht es erneut abwärts.

Und deshalb legt Goldman-Stratege Brooks jetzt noch einen drauf und konkretisiert seine Prognose so deutlich wie kein anderer Währungsanalyst: Am 3. Dezember dürfte der Euro um weitere ein bis zwei Cent sinken und anschließend um weitere zwei Cent fallen, so Brooks in einer aktuellen Analyse. Bis zum Jahresende werde der Euro dann die Parität zum Dollar erreichen. Damit würde der Euro dann so wenig kosten wie zuletzt im Dezember 2002.

Das genaue Datum, das Brooks für einen weiteren Euro-Rutsch nennt, ist alles andere als aus der Luft gegriffen. Am 3. Dezember steht schließlich die nächste Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Und für diese hat EZB-Chef Mario Draghi schon vor einem Monat mehr oder weniger unverhohlen weitere entscheidende Schritte im Kampf der Notenbank gegen die sinkende Inflationsdynamik angekündigt. Die EZB werde im Dezember, wenn sie neue Wachstums- und Inflationsprognosen vorlegt, überprüfen, ob die Geldpolitik nicht noch expansiver werden muss. Dabei könne kein geldpolitisches Instrument ausgeschlossen werden, betonte Draghi.

Analysten und Investoren werten das als klaren Hinweis darauf, dass die EZB bei der Lockerung der Geldpolitik noch einmal nachlegen wird. Im Gespräch sind eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den September 2016 hinaus und beziehungsweise oder eine Erhöhung der monatlichen Kaufvolumina von aktuell 60 Milliarden Euro im Monat. Selbst eine mögliche Senkung des jetzt schon mit minus 0,2 Prozent negativen Einlagenzinssatzes, zu dem Banken bei der EZB kurzfristig Geld parken können, erwähnte Draghi explizit. Die Erwartung der Investoren auf diese noch lockerere Geldpolitik der EZB ist es, die den Euro in den vergangenen vier Wochen noch einmal deutlich um sieben Cent zum Dollar gedrückt hat.

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EZB und Fed bestimmen den Devisenmarkt

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