Europa sucht neue Bezugsquellen
Erdgas-Importe nehmen zu

Der Gasabsatz hat sich im vergangenen Jahr in der Europäischen Union (EU) kaum verändert. Längerfristig ist jedoch von einer nachhaltigen Verbrauchsdynamik auszugehen. Bei der EU-Kommission steht daher die Diversifizierung der Bezugsquellen im Vordergrund.

DÜSSELDORF. Gute Chancen werden dem Aufbau von Handelsketten mit verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) eingeräumt. Zudem wird in Südosteuropa ein neues Gaspipeline-Netz geplant, das Alternativen zu den Lieferungen des russischen Gaskonzerns Gazprom bieten soll. Die Produzenten diskutieren derweil über eine Gründung einer „Gas-Opec“: eine internationale Allianz der nicht-privatwirtschaftlich organisierten Exporteure.

Nach vorläufigen Berechnungen des europäischen Gaswirtschaftsverbands Eurogas ist der Gasverbrauch in der EU 2006 um 1,1 Prozent auf 486 Mrd. Kubikmeter zurückgegangen. Gründe dafür waren das mildere Wetter und die Tatsache, dass wegen der hohen Gaspreise viele Kraftwerke von Gas zur Kohle als Brennstoff gewechselt sind. Längerfristig ist jedoch Erdgas weiter auf dem Vormarsch.

Nach aktuellen Prognosen könnte Europas Erdgasverbrauch bis zum Jahr 2020 auf rund 640 Mrd. Kubikmeter klettern. Gleichzeitig zeichnet sich ein deutlicher Rückgang der Eigenproduktion ab. Europas Importabhängigkeit wird daher massiv zunehmen. Nach vorsichtigen Schätzungen könnte im Jahr 2020 in der EU eine Versorgungslücke von rund 140 Mrd. Kubikmeter nach Auswertung der schon getätigten Abschlüsse drohen, heißt es bei Eon Ruhrgas in Essen. Zur Schließung dieser Lücke sei die Beschaffung zusätzlicher Erdgasmengen aus neuen Importprojekten unumgänglich.

Physische Vorräte existieren in ausreichendem Umfang; doch ist die Anbieterkonzentration beträchtlich. Durch die Abhängigkeit Europas von einem global agierenden Produzentenoligopol und den härter werdenden internationalen Beschaffungswettbewerb um Erdgas wachsen daher die Preisrisiken. Dies gilt vor allem dann, wenn am deutschen Ausstiegsbeschluss aus der Kernenergie festgehalten werden sollte. Unter Berücksichtigung der Klimaschutzvorsorge wird dann das CO2-arme Erdgas eine wesentliche Substitutionsrolle spielen müssen. „Wenn wir in Deutschland allein alle Kernkraftwerke durch Gas- und Dampfturbinenkraftwerke ersetzen würden, würde unser Gasverbrauch um etwa ein Drittel steigen“, prognostiziert RWE-Chef Harry Roels.

„Knappheitsbedingte Gaspreissteigerungen und extreme Preisausschläge durch das Vordringen von Spotmärkten sind auf mittlere Sicht große Herausforderungen“, sagte der Kölner Energieprofessor Dieter Schmitt. Den wachsenden Ungleichgewichten könnte noch am ehesten durch das Zusammenwirken langfristiger Erdgasimportverträge und offener Handelsplätze begegnet werden. Gerade die Erfahrungen in den letzten Jahren mit Europas wichtigstem Gaslieferanten Russland haben deutlich gemacht, dass weitere Diversifizierungsmöglichkeiten der Erdgasversorgung mit Nachdruck entwickelt werden müssen.

Laut Heino Elfert, Herausgeber des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst (EID), hat sich der Handel mit LNG in den vergangenen 40 Jahren in zwei getrennten Märkten entwickelt: zum einen die atlantische Region mit Europa und der Ostküste der USA einschließlich Karibik, die von Algerien, Libyen, Nigeria, Trinidad und Tobago sowie Ägypten versorgt werde, sowie die asiatisch-pazifische Region mit Japan, Südkorea, Taiwan und Indien, die LNG aus Südasien und dem Nahen Osten beziehe. Einen Weltmarkt für Gas gibt es bislang noch nicht.

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