European Energy Exchange
Energiebörse setzt auf Gas

Die Leipziger EEX reagiert auf den wachsenden weltweiten Bedarf. Im Herbst will die European Energy Exchange mit dem Handel von Erdgas beginnen.

FRANKFURT. Die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig schaut positiv in die Zukunft: „Wir werden unsere Wertschöpfungskette ausbauen“, sagt EEX-Vorstand Hans-Bernd Menzel. Die Strombörse wolle durch neue Produkte, eine breitere regionale Ausrichtung und neue Serviceleistungen für Dritte expandieren. Als großen Vorteil sieht Menzel dabei die zentrale Lage der Börse im Herzen Europas. Diese biete zahlreiche Möglichkeiten für grenzüberschreitende Aktivitäten.

Ein weiterer Vorteil liege in diesem Kontext in der breiten Eignerstruktur mit 56 Aktionären aus 13 Ländern. „Praktisch die gesamte europäische Energiewirtschaft ist bei uns vertreten“, sagt Menzel. Im Gespräch mit dem Handelsblatt kündigte er an, im Herbst mit dem Handel von Erdgas beginnen und so die derzeit auf Strom, CO2-Emissionsrechte und Kohle fokussierte Produktpalette ergänzen zu wollen.

Dass die EEX dem Energiehandel in Europa neue Chancen eröffnet, hat sie zuletzt am Kohlemarkt demonstriert, wo sie seit dem 2. Mai als erste europäische Börse nicht nur den Handel mit Kohle-Futures, sondern gleichzeitig auch das Clearing außerbörslich – also im OTC-Handel – abgeschlossener Kohlegeschäfte offeriert. Hiermit löse man ein drängendes Problem am Kohlemarkt, denn die bilateralen Kreditlinien der Händler seien angesichts rasch wachsender globaler Handelsvolumina immer stärker ausgeschöpft. Der Handel über die Börse reduziert das Bonitätsrisiko im Kohlehandel, und das Clearing schafft größere Freiräume und sorgt für eine sichere Abwicklung der Geschäfte.

Schätzungen von Experten zufolge wird der internationale Handel mit Kraftwerkskohle im Jahr 2006 ein Volumen von 500 Mill. Tonnen erreichen. Der Handel mit Kohle-Swaps wird auf mehr als 750 Mill. Tonnen im Wert von mehr als 80 Mrd. US-Dollar geschätzt. Die International Energy Agency erwartet, dass der weltweite Energiebedarf bis 2030 um die Hälfte steigt. Mehr als 60 Prozent des Anstiegs dürften auf Öl und Gas entfallen. In Deutschland stehe die Erdgaswirtschaft daher vor großen Herausforderungen, sagt Michael G. Feist, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft.

Zuletzt hatten sich die Diskussionen in der Öffentlichkeit um stark gestiegene Strom- und Gaspreise gedreht. Die Branche sieht die Ursachen hierfür nicht auf ihrer Seite, sondern in steigenden Beschaffungskosten auf den Weltmärkten, im wachsenden globalen Energiehunger, steigenden Erdgasimporten und einem knapperen Weltmarktangebot für Gas. Mit dem Börsenhandel von Gas will die EEX für mehr Transparenz bei der Preisbildung sorgen. Nicht zuletzt daher schätzt Menzel die Chancen für den Gashandel über die Börse als beachtlich ein. Banken begrüßen die Initiative, mahnen jedoch gleichzeitig weitere Fortschritte im Liberalisierungsprozess des europäischen Gasmarktes an. „Wir sehen einen großen Bedarf für einen Börsenhandel in Gas“, heißt es bei der Bayerischen Landesbank.

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