Experten erwarten auch 2005 Preissteigerungen
Rohstoffe verlieren ihr Exoten-Image

Lange Zeit standen Investments in Rohstoffe im Schatten herkömmlicher Anlageformen wie Anleihen oder Aktien. Diese Situation hat sich in den zurückliegenden Monaten jedoch völlig geändert. Experten gehen sogar soweit und sprechen bereits von einer "Renaissance der Rohstoffe".

HB DÜSSELDORF. Aus Anlegersicht gelten Anlagen in Rohstoffe als eine Absicherungsmöglichkeit des Depots gegen Terrorfolgen und Inflation, zudem besteht kaum Abhängigkeit etwa zu den Aktienmärkten. Das Interesse wird daher durch kurzfristige Preisturbulenzen allenfalls leicht gedämpft.

Im Vordergrund der Betrachtungen stehen üblicherweise die Energie- und die Edelmetallmärkte. Immerhin hat sich Rohöl in diesem Jahr in der Spitze um über 80 Prozent verteuert. Inzwischen ist der Preis für das europäische Brentöl zwar gefallen, liegt aber immer noch deutlich über den rund 30 Dollar von Anfang des Jahres.Ähnlich sieht es bei den Edelmetallen aus. Die Feinunze (entspricht 31,01 Gramm) Gold etwa kostet über zehn Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Doch auch anderen Rohstoffklassen wie die Industrierohmaterialien verzeichnen in diesem Jahr kräftige Preissteigerungen. Zu den Industrierohstoffen zählen etwa die Nicht-Eisen-Metalle (NE-Metalle) wie Kupfer, Aluminium, Zink und Zinn. Eine nachhaltige Entspannung des Marktes ist - ungeachtet der jüngster Rückschläge - angesichts der hohen Nachfrage bei begrenztem Angebot nach Einschätzung der meisten Experten noch nicht in Sicht.

Asien im Blickpunkt

Bei den Prognosen für die weitere Entwicklung der Märkte steht vor allem das zukünftige Wirtschaftswachstum in China und der Region Südost-Asien im Mittelpunkt. Denn der immense Rohstoffhunger der Volksrepublik ist in den vergangenen Monaten zum entscheidenden Faktor auf der Nachfrageseite geworden. "Chinas Bedeutung ist in diesem Zusammenhang wichtiger denn je", urteilten zum Beispiel die Analysten von Morgan Stanley zur Bedeutung des Landes für den Rohstoffbereich.

Nach oben getrieben wurde die Nachfrage - und damit die Preise - aber auch durch die konjukturelle Erholung weltweit. Die Vereinigung Europäischer Konjunkturinstitute (AIECE) prognostizierte vor kurzem eine leichte Entspannung. Für das Jahr 2005 wird eine "moderate Verlangsamung der Weltwirtschaft" erwartet. Dabei werde sich die langsamere Zunahme der Nachfrage dämpfend auf die Preise auswirken. Dies gelte auch für Rohstoffe wie Metalle, wo China eine wichtige Rolle spielt. Die Fachleute verwiesen auf Versuche der Regierung in Peking, die Wirtschaft abzukühlen.

Stabil hohe Nachfrage

Andere Experten sind diesbezüglich skeptischer. So sagt etwa Ingrid Sternby von Barclays Capital voraus: "Das anhaltend robuste Wachstum der Weltwirtschaft, schrumpfende Vorräte und der schier unersättliche Bedarf Chinas werden auch im Jahr 2005 für hohe Preise an den Metallmärkten sorgen."Die Londoner Rohstoffexpertin begründet ihre Ansicht mit dem kräftigen Anstieg der Frachtraten seit Anfang November. Dies sei ein untrügliches Zeichen für den erneut wachsenden Importbedarf Chinas an Rohstoffen und vor allem Metallen.

Das Rohstoffteam von ABN Amro hat in China noch großen Bedarf in der verarbeitenden Industrie und bei den Konsumenten beobachtet. Dieser sichere, so ihre Schlussfolgerung, die stabil hohe Nachfrage nach Basismetallen in absehbarer Zukunft ab. Nach Berechnung der australischen Macquarie Bank wird Chinas Bedarf zwar unter den durchschnittlichen Wachstumsraten der vergangenen Jahren von 20 bis 25 Prozent liegen. Die Nachfrage wird 2005 aber immer noch satte zehn bis 15 Prozent höher liegen als in diesem Jahr.

Vorräte auf niedrigem Niveau

Das Problem dabei ist, dass das Angebot demgegenüber vergleichsweise gering ist. Dazu ein Beispiel: Die Kupfervorräte der Londoner Metallbörse (LME) liegen auf dem niedrigsten Niveau seit Mai 1990. Insgesamt sind die Kupferbestände in diesem Jahr um mehr als 85 Prozent geschrumpft.

Die Entwicklung der Rohstoffe lässt sich an zwei wichtigen Barometern ablesen. Der Goldman Sachs Commodity-Index (GSCI) spiegelt die Entwicklung 25 wichtiger Rohstoffe und Waren wider. Sie werden gewichtet nach der Welthandelsproduktion der letzten fünf Jahre. Im GSCI ist die Energie mit über 70 Prozent stark vertreten. Der CRB-Index des Informationsdienstes Commodity Research Bureau enthält 17 Komponenten, darunter Weizen, Kaffee, Zucker, Gold, Rohöl und Kupfer. Anfang Dezember erklomm der CRB ein 23-Jahreshoch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%