Experten erwarten Korrektur
Kupferpreis steigt und steigt

Der Kupferpreis steigt und steigt und steigt: Seit Jahresbeginn hat sich das Industriemetall bereits um rund 50 Prozent auf bis zu 4 900 Dollar je Tonne verteuert. So teuer war es zuletzt vor sechs Monaten. Vielen Marktteilnehmern ist der fulminante Preisanstieg nicht mehr geheuer. Denn die Weltkonjunktur bietet bislang nur wenige Anzeichen einer Erholung.

LONDON. Der Hauptgrund für den steilen Preisanstieg liegt in China, das Land stockt seine strategische Kupferreserve massiv auf. Außerdem leiden die Hütten weltweit unter extrem niedrigen Anlieferungen von Schrott und schränken ihre Produktion von raffiniertem Kupfer ein.

Trotzdem dominierten auf der Weltkupferkonferenz Cesco 2009 in Chile unter den Delegierten die Pessimisten. Sie überboten mit düsteren Szenarien für den Fall, dass China seine Reservekäufe demnächst abschließt. "Mit den Käufen hat das Land praktisch den gesamten Angebotsüberhang des Jahres 2008 aufgekauft", beschreiben die Experten der Unicredit die Größenordnung der chinesischen Käufe. Spekulanten in New York wetten daher bereits auf eine baldige Preiskorrektur nach unten.

Auch Kevin Norrish von Barclays Capital in London mahnt zur Vorsicht: "Sobald die temporären Preistreiber abgeklungen sind, wird der Preis empfindlich einbrechen." Michael Lewis von der Deutschen Bank glaubt bereits Anzeichen einer Verlangsamung der chinesischen Reservekäufe zu erkennen. Seine Bank ist überdies der Meinung, dass Kupfer und die übrigen Industriemetalle erst dann wieder nachhaltig im Preis zulegen werden, wenn die weltweiten Aktienmärkte mit steigenden Kursen eine Wiederbelebung der Weltwirtschaft signalisieren.

Für das laufende Jahr rechnet Lewis nur mit einem durchschnittlichen Kupferpreis von 2 811 Dollar je Tonne. Im kommenden Jahr soll der Preis dann aber im Jahresdurchschnitt wieder auf mehr als 4 700 Dollar steigen. Dann werde sich nämlich ein knapperes Angebot am Weltmarkt bemerkbar machen. Expansionsaufschübe, nicht zuletzt wegen der Welt-Finanzkrise, ließen vorläufig nämlich keine wesentlichen Kapazitätserweiterungen erwarten.

Im vergangenen Jahr stagnierte die Weltkupferproduktion bereits mit etwa 15,4 Mio Tonnen. Dies lässt sich laut Unicredit nur teilweise mit Minenschließungen erklären. Die Bergbauhäuser hatten ihr Angebot gekappt, nachdem die Kupferpreise von dem Rekordstand bei 8 920 Dollar im Juni 2008 auf weniger als 3 000 Dollar abgerutscht waren. Ein wesentlicher Grund für die stagnierende Produktion sei vielmehr auch der sinkende Erzgehalt in den Minen Chiles, des größten Kupferproduzenten der Welt. Die staatliche Codelco besitzt fast 20 Prozent der globalen Kupferreserven, alle Minen zusammen produzieren mehr als 30 Prozent des weltweiten Aufkommens. Codelco will jetzt mit Investitionen von zwei Mrd. Dollar einen seit vier Jahren andauernden Produktionsrückgang stoppen. Doch selbst chilenische Experten gehen für die nächsten zwei Jahre von einer weiteren Stagnation der Kupferproduktion des Landes aus.

Spekulanten, die deshalb schon heute auf steigende Preise setzen, brauchen daher starke Nerven. Keine Geringeren als die Experten der alteingesessenen Londoner Beratungsfirma CRU lehrten die Haussiers auf der Cesco das Fürchten, als sie vor einem Absturz des Kupferpreises auf nur noch 2 200 Dollar warnten, wenn die Chinesen ihre Reservekäufe abgeschlossen hätten. Immerhin veranschlagt die CRU den Nachfrageeinbruch am Weltkupfermarkt für 2009 auf 15 bis 20 Prozent.

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