Experten erwarten weiteren Anstieg
Sturm in der Karibik treibt Ölpreis auf Rekordhoch

Der immer stärker werdende Karibik-Sturm „Chris“, die Sorgen um das Atom-Programm in Iran und der Libanon-Konflikt haben den Ölpreis gestern auf ein Rekordhoch steigen lassen.

DÜSSELDORF. Der immer stärker werdende Karibik-Sturm „Chris“, die Sorgen um das Atom-Programm in Iran und der Libanon-Konflikt haben den Ölpreis gestern auf ein Rekordhoch steigen lassen. Ein Barrel (159 Liter) Brent-Öl kostete am Nachmittag rund 76,50 Dollar und damit fast 50 Cent mehr als am Vortag. Zumindest kurzfristig erwarten die Experten keine Erholung, obwohl bereits das aktuelle Preisniveau aus ihrer Sicht fundamental nicht mehr zu begründen ist.

Vor allem der Sturm in der Karibik,der spätestens heute Hurrikan-Niveau erreichen soll, sorgte gestern für Unruhe an den Märkten. Dabei sind bisher keine wichtigen Bohrplattformen, Raffinerien oder Pipelines bedroht. „Da die Metereologen aber mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es in diesem Jahr wieder zu einer überdurchschnittlich starken Hurrikan-Saison kommen wird, reagieren die Märkte besonders sensibel“, sagt Dennis Nacken, Öl-Experte bei Helaba-Trust.

Jede Nachricht über „Chris“ führe zu spekulativen Käufen, sagte auch Naohiro Niimura, leitender Rohstoffanalyst bei der Mizuho Corporate Bank in Tokio, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Immerhin haben die 15 schweren Wirbelstürme im vergangenen Jahr – insbesondere die beiden Katastrophen-Stürme „Katrina“ und „Rita“ – fast im gesamten Golf von Mexiko Plattformen und andere Anlagen zerstört und damit rund ein Drittel der amerikanischen Ölproduktion zeitweise lahm gelegt.

Erst vor gut zwei Wochen hatte der Ölpreis angesichts der Eskalation im Nahen Osten das letzte Rekordhoch erreicht. Die führende Nordsee-Ölsorte Brent kostete damals 76,29 Dollar je Barrel. Und noch ist trotz der zwischenzeitlichen leichten Erholung kein Ende des Anstiegs in Sicht. In den kommenden Monaten seien sogar Werte deutlich über diesem Niveau durchaus möglich, sagen viele Rohstoff-Analysten. Angesichts der aktuellen Situation hält Stefan Schilbe, Chefvolkswirt der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt, Preise zwischen 80 und 85 Dollar für möglich. „Darüber hinaus sollte es aber nur gehen, falls es zu einschneidenden Ereignissen kommt“, sagt Schilbe. Hierzu zählen entweder größere Zerstörungen an den Öl-Produktionsanlagen in den USA oder eben mögliche Exportausfälle aus Iran.

Nacken sieht bei derartigen Szenarien sogar Preise jenseits der 100-Dollar-Marke in Reichweite. „Die rein fundamentale Prognose zählt nur, solange größere Katastrophen ausbleiben“, sagt er. Andernfalls wäre sicherlich mit neuen Spitzenpreisen zu rechnen. Rein aus fundamentaler Sicht müsste der Ölpreis seiner Meinung nach unter 70 Dollar sinken. Die Ölkonzerne hätten in den vergangenen Jahren fast in allen Regionen kräftig in neue Förderanlagen investiert. Gleichzeitig sollte sich ein etwas schwächeres konjunkturelles Umfeld entspannend auf die Nachfrage auswirken. „Zusammen sprechen diese beiden Faktoren für einen niedrigeren Preis“, sagt Nacken.

Eigentlich teilen auch die Volkswirte der Commerzbank diese Sicht. Sie rechnen zum Ende des kommenden Jahres mit einem Preis von 63 Dollar je Barrel. Allerdings haben sie ihre Ölpreisprognose wegen der sich zuspitzenden geopolitischen Lage erst vor wenigen Tagen für die Zwischenzeit wieder erhöht.

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