Experten erwarten weiteren Höhenflug
Wirtschaft sieht Euro-Kursanstieg gelassen

Der Euro ist so teuer wie nie zuvor. Und mit dem Allzeithoch vom heutigen Freitrag nach Expertenmeinung noch nicht das Ende des Euro-Höhenfluges erreicht. Dass die starke Gemeinschaftswährung die gute Konjunkturlage nachhaltig trüben könnte, wird aber von Ökonomen und Wirtschaftsverbänden gegenwärtig nicht erwartet.

HB/hz/jojo/som DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Euro ist so teuer wie nie zuvor: 1,3682 Dollar kostete die Gemeinschaftswährung am Freitag zeitweise, ein Rekordwert in der noch jungen Geschichte des Euros. Umgekehrt ist damit natürlich auch der Dollar für die Menschen aus Euro-Ländern so günstig wie nie: Für einen Dollar sind weniger als 0,74 Euro zu zahlen.

Mit dem Allzeithoch ist nach Expertenmeinung aber noch nicht das Ende des Euro-Höhenfluges erreicht: So gehen die Währungsfachleute der Commerzbank jetzt davon aus, dass eine vor allem „spekulativ getriebene weitere Aufwertung des Euros wahrscheinlich sei“.

Das bisherige Allzeithoch der europäischen Gemeinschaftswährung von 1,3667 Dollar wurde im Dezember 2004 erreicht, der tiefste Stand war im Oktober 2000 mit 82 US-Cent zu verzeichnen. Auf die am Freitag genommene neue Rekordmarke hatte der Euro schon seit geraumer Zeit Kurs genommen. Jetzt trieben neue Wirtschaftsdaten aus den USA die europäische Währung auf den Spitzenwert: Die US-Konjunktur hat sich merklich abgekühlt, mit einem Wachstum von nur noch 1,3 Prozent im ersten Quartal ist die größte Volkswirtschaft der Erde auf den niedrigsten Wert seit vier Jahren zurückgefallen.

Den Commerzbank-Analysten zufolge spricht - nach dem Durchbrechen des Allzeithochs - auch die technische Situation für eine kurzfristig anhaltende Eurostärke, denn „der Weg für eine weitere Aufwertung gegenüber dem Dollar“ sei nun frei. Gegen eine deutliche Aufwertung spreche aber, dass der Euro gemessen an einem längerfristigen Modell aktuell schon sehr teuer sei. „Gegen eine deutlichere Aufwertung spricht auch, dass dies vermutlich Einfluss auf die EZB-Zinspolitik hätte.“ Bisher wird auf EZB-Zinserhöhungen spekuliert.

Dass eine starke Währung die gute Konjunkturlage nachhaltig trüben könnte, wird von Ökonomen und Wirtschaftsverbänden gegenwärtig jedoch nicht erwartet. So erklärte die BayernLB jüngst, die bisher schon starke Gemeinschaftswährung habe bis jetzt keine Bremseffekte auf die Konjunktur in Deutschland. Die Unternehmen hätten sich daran ebenso wie an den hohen Ölpreis gewöhnt und darauf eingestellt. Sogar wenn der Euro auf den Preis von 1,40 Dollar zusteuere, dürfte sich das kaum bemerkbar machen - es sei denn, es käme zu abrupten Kursbewegungen.

Auch die Import-Exportbranche zeigte sich in dieser Woche trotz des steigenden Kurses entspannt; der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, nannte den Anstieg wenig überraschend. „Von daher war jeder Profi gut beraten, sich frühzeitig abzusichern und muss diese Entwicklung nicht scheuen“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Ähnlich äußerte sich auch Konjunkturexperte Matthias Krämer vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Ausschlaggebend sei neben der guten wirtschaftlichen Entwicklung, dass sich viele Unternehmen gegen Währungsrisiken abgesichert hätten. „Da der Großteil der Exporte deutscher Firmen in das eigene Währungsgebiet fließt, sind die Effekte bisher gesamtwirtschaftlich geringer als oft befürchtet.“

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