Experten erwarten weiteren Kursanstieg
Zinsdifferenz treibt Euro

Am gestrigen Dienstag sprang der Euro auf den höchsten Stand seit seiner Einführung 1999. Experten rechnen schon bald mit einem Anstieg bis zur Marke von 1,40 Dollar. Als ein entscheidender Faktor für die aktuelle Schwäche des Dollars gelten die abnehmenden Zinsdifferenzen zwischen den Währungsräumen. Unternehmen sehen dies bisher noch gelassen.

DÜSSELDORF. Der Euro ist am Dienstag erstmals über die Marke von 1,37 Dollar gestiegen. Am Nachmittag, noch vor der mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke zum Thema Inflation, sprang er auf 1,3725 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit seiner Einführung 1999. Das nun überbotene Rekordhoch hatte der Euro Ende April mit 1,3682 Dollar erreicht.

„Die Dollar-Korrektur war überfällig“, zeigte sich Christian Pohl, Chef des Researchs bei der FXdirekt Bank wenig überrascht durch den Ausbruch des Euros nach oben. „Nun werden wir bis zur Marke von 1,40 Dollar laufen“, glaubt er. Dieses Kursziel werde spätestens zum dritten Quartal erreicht. Auf diesem Niveau erwartet der FXdirekt-Stratege dann – zumindest „verbale“ – Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB), um den Euro zu bremsen.

Im nächsten Jahr rechnet Pohl im Zuge von Zinssenkungen in den USA mit einer weiteren Abschwächung des Dollars. Für ihn steht dann das Allzeittief zum Test an, das die amerikanische Währung im September 1992 gegenüber der D-Mark markiert hatte. Umgerechnet würde dies einem Euro-Kurs von 1,4570 Dollar entsprechen.

Als ein entscheidender Faktor für die aktuelle Schwäche des Dollars gelten die abnehmenden Zinsdifferenzen zwischen den Währungsräumen. Im Nachbarland Kanada hat die Notenbank beispielsweise erst am Dienstag ihre Zinsen erneut angehoben; der kanadische Dollar notierte zur US-Devise auf dem höchsten Stand seit 30 Jahren. „Solche Unterschiede belasten den Dollar zusätzlich“, sagt Antje Praefcke, Devisenexpertin der Commerzbank. Dabei sei der Markt ohnehin schon negativ für den Dollar gestimmt gewesen. „Es ist eine Dollar-Schwäche“, erklärt Praefcke den Kursanstieg des Euros. Die US-Devise gebe gegen alle Währungen nach, aus einem „ganzen Mix verschiedener Gründe“.

Belastet wird der Greenback unverändert von den Sorgen um Hypotheken minderer Qualität (subprime mortgages) in den USA. Aktuell kamen die Gewinnwarnungen des Einzelhändlers Sears und der größten US-Baumarktkette Home Depot hinzu. Dies verunsichere die Investoren, so Praefcke. „Bei den Anlegern werden Zweifel an einer starken Erholung der amerikanischen Wirtschaft geweckt“, bestätigt Pohl.

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