Experten machen starken Dollar für Preiseinbruch verantwortlich – Mittelfristig halten sie Erholung für wahrscheinlich
Spekulanten drücken den Goldpreis

Der Goldpreis ist durch heftige Verluste wieder in den Fokus der Anleger gerückt. Noch Anfang April zahlten Käufer für bis Juni laufende Terminkontrakte 433 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) – beinahe so viel wie zuletzt vor 15 Jahren. Jedoch stürzte das als sicherer Hafen geltende Edelmetall am Dienstag und Mittwoch um insgesamt 23 Dollar bis unter 400 Dollar ab. Nach Ansicht von Experten kam der Rückschlag nicht unerwartet.

HB KAPSTADT/DÜSSELDORF. Zuletzt hatten vor allem Hedge-Fonds Gold als Reaktion auf die Terroranschläge in Madrid und die Eskalation der Gewalt in Irak zu neuen Höchstständen verholfen. Dass es jetzt in die andere Richtung geht, begründet Mike Schröder, Forschungschef beim britisch-südafrikanischen Vermögensverwalter Old Mutual in Kapstadt, mit dem wieder steigenden Dollar. Die US-Währung und der Goldpreis bewegten sich gewöhnlich in entgegengesetzter Richtung. Beispielhaft für diese Tendenz war die Entwicklung am Dienstag. Überraschend stark gestiegene US-Einzelhandelsumsätze verhalfen dem Dollar zu Kurssprüngen, während der Goldpreis einknickte. „Angebot und Nachfrage aus der Industrie haben derzeit kaum Auswirkungen auf den Preis. Viel wichtiger ist die Entwicklung des Dollars“, bestätigt auch der südafrikanische Analyst eines Hedge Fonds, der nicht namentlich genannt werden wollte. In den kommenden Tagen werde viel von der Reaktion des Dollars auf die Veröffentlichung der US-Arbeitslosenzahlen am Donnerstag abhängen.

Ein Johannesburger Goldhändler erklärt die heftigen Verluste binnen zwei Tagen zudem mit dem Bruch wichtiger Unterstützungsmarken. Nachdem Gold die Stopp-Loss-Marken bei 415 und 411 Dollar durchbrochen hatte, hätten automatische Programme zahlreiche Verkäufe ausgelöst. Noch am Mittwoch Morgen hatte der Händler Kurse unter 407 Dollar als unwahrscheinlich bezeichnet. Am Nachmittag fiel der Preis aber bereits unter die Marke von 400 Dollar. Die hohen Schwankungen wären auch eine Folge der geringen Liquidität des Goldmarktes, so der Händler. Größere Verkäufe, wie sie beispielsweise im Zuge von Gewinnmitnahmen durch spekulative Hedge Fonds immer wieder vorkommen, würden dadurch schnell den Markt bewegen.

Alexander Zumpfe, Edelmetallhändler bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, sieht den Preissturz des Goldes mit der jüngsten Bewegung noch nicht beendet: „Wir haben am Mittwoch unter 400 Dollar zwar großes Kaufinteresse von Fonds gesehen. Die Frage ist aber, wie nachhaltig das ist. In den nächsten Wochen können wir uns einen weiteren Rückgang bis auf 385 Dollar vorstellen. Der Euro könnte zum Dollar noch bis auf 1,15 fallen.“

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