Experten sehen Dubai-Erklärung als Wendepunkt in der Devisenpolitik
Japan stemmt sich gegen den Dollar-Fall

Zehn Tage nach der Erklärung von Dubai hat die Bank von Japan gestern erstmals wieder am Devisenmarkt zu Gunsten des Dollars interveniert. Bis zum späten Nachmittag europäischer Zeit gelang es der Notenbank auf diese Weise, trotz sehr enttäuschender US-Wachstumsindikatoren ein Abrutschen des Dollars unter die Marke von 110 Yen zu verhindern.

FRANKFURT/M. In Dubai hatten die sieben führenden Industrieländer (G7) für flexiblere Wechselkurse und damit im Umkehrschluss gegen Notenbank-Interventionen plädiert.

Bereits im dünnen Tokioter-Vormittagshandel schoss der Dollarkurs plötzlich um mehr als ein Prozent auf über 112 Yen nach oben, wobei Händler überzeugt waren, dass Dollarkäufe der Bank von Japan dahinter standen. Der Dollar gab seine Gewinne jedoch wieder ab, als kurz danach überraschend positive japanische Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wurden. Nachdem 15 Stunden später in den USA das Absacken des Verbrauchervertrauens gemeldet wurde, trat die japanische Notenbank mit Hilfe der US-Notenbank erneut auf den Plan und trieb den Dollarkurs vom Tief bei knapp über 110 Yen wieder auf fast 112 Yen hoch. Der Euro-Kurs, der im Schlepptau des Yens über 1,17 Dollar gestiegen war, wurde dann durch die Notenbankinterventionen mit nach unten gedrückt. Die Bank von Japan hatte in den ersten neun Tagen nach der Erklärung von Dubai nach Einschätzung der Devisenhändler gänzlich auf Interventionen verzichtet, obwohl der Dollar gegenüber dem Yen weit unter die zuvor verteidigte Marke von 115 Yen gefallen war.

Devisenhändler gehen davon aus, dass die Bank von Japan, die im Auftrag des Finanzministeriums handelt, versucht, 110 Yen als neue Untergrenze für den Dollarkurs zu etablieren. Stephen Jen von Morgan Stanley findet diese Annahme plausibel, schätzt aber nicht, dass dies der Notenbank auf Dauer gelingen werde. „100 Yen je Dollar ist die einzige Grenze, vor der ich wirklich Respekt habe“ , sagt Jen. Dagegen bezweifelt Nick Parson von der Commerzbank, dass die Japaner eine konkrete Untergrenze haben. Das Finanzministerium werde sich vor allem danach richten, wie viel Yen-Aufwertung Wirtschaft und Aktienmarkt verkraften können. Ein teurer Yen vermindert die Exportchancen der japanischen Industrie.

Trotz solcher Auffassungsunterschiede sind sich die Währungsstrategen weitgehend einig, dass der Euro und auch der Yen weiter gegenüber dem Dollar aufwerten werden.

Die starken Devisenkursbewegungen sind nach Ansicht von Devisenstrategen Folgewirkungen der Erklärung von Dubai. Die Strategen sind sich einig, dass mit Dubai ein Regimewechsel in der internationalen Wechselkurspolitik stattgefunden hat. In der heiß diskutierten Frage, ob Dubai als „Plaza II“ einzustufen ist, gehen die Meinungen aber auseinander. In dem so genannten Plaza-Abkommen hatten die Industrieländer 1985 eine Schwächung des Dollars vereinbart.

„Dubai ist nicht mit Plaza zu vergleichen, weil die Wechselkurse heute bei weitem nicht so weitab von den Fundamentaldaten liegen wie damals“, meint Joe Prendergast, der für das Devisenresearch der Investmentbank CSFB verantwortlich ist. Vor dem Plaza-Abkommen hatte der Wechselkurs des Dollars einen Spitzenwert von über 3,40 DM erreicht, was einem Euro-Kurs von rund 60 US-Cent entspräche. Unbeirrt davon überschreibt die Rentenstrategin von Morgan Stanley, Amy Falls, einen Research-Bericht mit „Plaza II - Folgerungen aus einem schwächeren Dollar“. Nick Parson, Leiter des Devisenresearchs der Commerzbank in London, stimmt zu: „Je mehr man die Erklärung von Dubai betrachtet, desto mehr fällt einem die Ähnlichkeit mit Plaza ins Auge.“ Für Parson ist klar, dass ein schwächerer Dollar gemeint ist, wenn mehr Wechselkursflexibilität gefordert wird.

Dagegen beharrt Morgan Stanleys Devisenstratege Jen darauf, dass Dubai kein „Mini-Plaza“ oder „Plaza II“ sei: „Der Kern von Plaza war die Vorgabe einer Richtung für die Wechselkurse, diesmal geht es um die Flexibilität der Wechselkurse“. Auch Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill sieht die große Bedeutung von Dubai darin, dass die G7 erstmals größere Wechselkursschwankungen gefordert habe.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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