Devisen + Rohstoffe
Experten sehen in Ölpreisrückgang noch keinen Richtungsentscheid

Der Richtungsentscheid an den internationalen Rohölmärkten ist auch am dritten Tag nachgebender Notierungen nach Einschätzung von Experten noch nicht gefallen.

dpa-afx FRANKFURT. Der Richtungsentscheid an den internationalen Rohölmärkten ist auch am dritten Tag nachgebender Notierungen nach Einschätzung von Experten noch nicht gefallen. "Der Knackpunkt bleibt die psychologisch wichtige Barriere von 50 Dollar je Barrel bei WTI-Öl", sagte Ölexperte Philipp Nimmermann von der ING-BHF Bank am Freitag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Unmittelbar vor der US-Präsidentschaftswahl hielten sich viele Marktteilnehmer zurück.

Die 50-Dollar-Marke je Barrel (159 Liter) hat WTI-Öl bisher trotz eines Rückgangs der Notierung von gut fünf Dollar im Wochenverlauf noch nicht unterschritten. Der Abstand zum Rekordhoch von 55,67 Dollar ist aber stetig gewachsen. Am Freitag kostete ein Barrel zeitweise 50,47 Dollar. Nimmermann sieht in der Entwicklung noch kein abschließendes Signal für ein Ende des Höhenfluges. "Das ist eine Entspannung auf hohem Niveau", sagte der Experte.

Gründe FÜR Marktberuhigung

Auslöser für die Marktberuhigung waren neben gestiegenen Rohöl-Lagerbeständen in den USA auch die überraschende Leitzinserhöhung der chinesischen Notenbank. China will sein rasantes Wirtschaftswachstum bremsen. Ein entscheidender Faktor für die kräftig steigende Ölnachfrage ist der Boom in China.

"Entscheidend ist, dass erstmals Nachrichten aus dem fundamentalen Bereich für die niedrigeren Notierungen verantwortlich sind", sagte Ölexpertin Melanie Fischinger von der Commerzbank. Das stimme zuversichtlich. Gleichwohl sei noch nicht eindeutig geklärt, ob damit bereits ein Umschwung eingeleitet worden sei. "Vielleicht holt der Markt auch nur Luft für einen neuen Anlauf", sagte Fischinger. So erwarte die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) 2005 ein etwas geringeres Nachfragewachstum als bisher unterstellt.

'Hysterie AM Ölmarkt Ungebrochen'

Auch für Ölexperte Andreas Rees von der HVB Group ist die Frage nach der kurzfristigen Richtung des Ölpreises nach wie vor offen. "Die Hysterie am Markt ist ungebrochen", sagte Rees. Die Risikoprämie sei zwar inzwischen von 10 Dollar je Barrel am Dienstag auf 7 Dollar gesunken. Gleichwohl sei die Prämie in den vergangenen zwölf Jahren noch nie so hoch gewesen. Fundamental gerechtfertigt hält der Experte für Brent-Öl einen Preis von 45 Dollar je Barrel. Dieses Niveau dürfte in den kommenden drei Monaten erreicht werden. Derzeit liegt der Preis bei 48,40 Dollar.

Mit der an diesem Dienstag anstehenden Entscheidung über den künftigen Präsidenten der größten Volkswirtschaft der Welt dürfte nach Einschätzung von ING-BHF-Experte Nimmermann die Angst vor Anschlägen zurückgehen und damit die Risikoprämie deutlich sinken. Dies sei unabhängig vom Wahlausgang zu erwarten. Bereits in der laufenden Woche sei ein leichter Stimmungsumschwung festzustellen. So registriere der Markt nicht mehr ausschließlich die negativen Aspekte von Nachrichten. "Der Markt nimmt wie bei den Rohöl-Lagerbestandsdaten auch wieder positive Aspekte war", sagte Nimmermann.

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