Experten-Streit

Was aus dem Euro wird

Die Experten streiten über die Zukunft des Euros. Während einer das Auseinanderbrechen prophezeit, glaubt ein anderer, Europa gehe gestärkt aus der Krise hervor. Nur in einem Punkt sind die Experten einig.
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Spanien in der Klemme: Für das angeschlagene Euroland wird es immer teurer, Kapital aufzunehmen. Quelle: dpa

Spanien in der Klemme: Für das angeschlagene Euroland wird es immer teurer, Kapital aufzunehmen.

(Foto: dpa)

Kaum eine Frage ist unter Anlagestrategen so umstritten: Was wird aus dem Euro? Wie weit die Meinungen auseinandergehen zeigen zwei fast zeitgleich veröffentlichte Kommentare hochrangiger Experten.

Da wäre zum einen Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco. Er geht davon aus, dass die Euro-Staaten die Schuldenkrise überwinden und gestärkt daraus hervorgehen werden. „Die gestärkte Euro-Zone ist wahrscheinlicher als eine fragmentierte“, sagte Pimco-Chef der Financial Times. Voraussetzung sei jedoch, dass die Politik ihre Erstarrung überwinde und handele. Die Notenbanken hätten mit ihren Maßnahmen Brücken gebaut. „Aber diese muss die Politik nun nutzen, sonst enden sie im Nirgendwo“, sagte El-Erian. Er schlug eine europäische Solidaritätsabgabe nach deutschem Vorbild vor.

Zu einer komplett anderen Einschätzung kommt Mark Burgess, Leiter Anlagestrategie bei Threadneedle Investments. Seiner Meinung nach wird die Euro-Zone auseinanderfallen. „Unser Szenario in der Endphase geht von einer Reihe von Austritten aus“, sagte Mark Burgess, Leiter Anlagestrategie bei Threadneedle, bei einer Pressekonferenz in London.

Griechenland werde bereits im kommenden Jahr die Euro-Zone verlassen. Mehr Staaten dürften folgen, weil die von Deutschland „diktierten“ Sparhaushalte sich als zu rigoros in der Umsetzung erweisen würden.

„Griechenland hat zwei Alternativen. Die eine ist furchtbar und läuft darauf hinaus, die Vorgaben aus Deutschland zu befolgen. Oder: Es ist furchtbar und wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand“, sagte Burgess. „Ich glaube, sie werden sich für Letzteres entscheiden“

Das Ausscheiden Griechenlands sei zwar noch nicht das Ende der Gemeinschaftswährung. Sollten aber Italien oder Spanien austreten, dann wäre der Euro zum Scheitern verurteilt, führte Burgess aus.

So weit wird es nach Meinung von El-Erian nicht kommen. Staaten wie Italien und Spanien hätten kein ernstes Solvenzproblem wie etwa das kleinere Griechenland. Allerdings räumt der Pimco-Chef ein, dass beide Staaten ein Wachstumsproblem hätten, das sie in den Griff bekommen müssen.

Zweifel an der Standhaftigkeit Frankreichs teilt Pimco nicht. „Wir glauben nicht, dass Frankreich ins Zentrum der Euro-Krise rutscht“, sagte El-Erian. Länder wie Frankreich hätten keine akuten Probleme, sollten über die Zeit aber Strukturreformen angehen, die Länder wie Deutschland bereits hinter sich hätten. „Dafür haben sie aber noch Zeit.“

Spielt El-Erian die Krise herunter? Malt Burgess zu schwarz? Welcher der beiden Experten die besseren Argumenten hat, wird sich erst im Nachhinein sagen lassen. In einem Punkt sind die Experten allerdings einig: Die Euro-Zone steht am Scheideweg – und die Zukunft wird sich in Spanien und Italien entscheiden.

  • Bloomberg
  • rtr
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14 Kommentare zu "Experten-Streit: Was aus dem Euro wird"

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  • Ist doch absolut logisch, noch nie haben sich Volkswirtschaften mit Schulden endlos finanzieren lassen, also in absehbarer Zeit, muss der Euro auseinander brechen, damit kommt es zur Zereissprobe der Demokratie

  • Ok, bleiben wir optimistisch und gehen alle gestärkt aus der Euro Krise hervor.

    Nur, wie viele Jahrzehnte dauert es noch?

  • Verlust von Realeinkommen bei immer höheren beruflichen Anforderung und Abgaben.
    Rentenverluste von fast 30% nach 45 Jahren Beitragszahlung, dicht an der Armutsgrenze. Die durchschnittliche Rente liegt bei 937 €. Tendenz - fallend.
    Aufgabe der Souveränität weil die PIGS sich idiotischer Weise bis Oberkante Unterlippe verschuldet haben.
    So gut wie keine Präsenz in der EZB.
    Aufgabe der Atomkraft, weil in Japan es zu einem A - Unfall kam.
    El-Erian hat Recht als er in einem Interview antwortete, dass Deutschland wieder einmal um den Lohn seiner Mühen betrogen worden ist. (Spiegel 18.03)
    Ja, das muss uns erst einmal nachmachen.

  • Das halb Europa durch die Gegend zieht um einen Job zu kriegen und sich in Kauderwelsch verständigt?
    Wie lange soll das gehen?
    Von den vielen menschlichen Schicksalen mal abgesehen.
    Dagegen ist Amerika ein schwäbisches Dorf!
    Gegen das was sich in Europa abspielt wenn das so weitergeht.

  • @nobum
    Entwicklung der Reallöhne von 2000 bis 2008 in Prozent* Rumänien 331,7
    Lettland 188,5
    Estland 132,5
    Litauen 104,4
    Ungarn 66,7
    Bulgarien 51,9
    Tschechien 49,1
    Slowakei 48,1
    Slowenien 40,3
    Griechenland 39,6
    Irland 30,3
    Großbritannien 26,1
    Dänemark 19,0
    Polen 19,0
    Finnland 18,9
    Schweden 17,9
    Zypern 12,8
    Niederlande 12,4
    Frankreich 9,6
    Luxemburg 8,1
    Malta 7,9
    Italien 7,5
    Belgien 7,2
    Spanien 4,6
    Portugal 3,3
    Österreich 2,9
    Deutschland -0,8

    * Realeinkommen pro Kopf aus unselbstständiger Arbeit einschließlich Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung; Werte für 2008 aus der Frühjahrsprognose der EU-Kommission


    "...Die Zahl der Geringverdiener dürfte vor allem wegen der sprunghaften Zunahme von Leiharbeit weiter steigen. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, ging der Beschäftigungszuwachs 2010 zu 75 Prozent auf das Konto der so genannten atypischen Beschäftigung. Dazu werden Mini-Jobber, befristete Stellen, Teilzeit- und Leiharbeit gezählt."
    Ganz klarer Fall, Deutschland profitiert am meisten. Die von Ihnen gepriesene Niederlassungsfreiheit sollte man dazu nutzen sich schnellstens aus Europa abzusetzen, solange das noch geht.

  • Alle Währungsfragen werden mit Nullen gelöst !

  • Alles Quatsch, kein Mensch braucht den Euro.
    Fangen wir endlich an die wirklichen Probleme des Planeten zu lösen: Nahrungsmittel- und Wasserversorgung.

  • Keiner der Beiden wird richtig liegen, denn wenn Frankreich Deutschland einholen würde, dann hätten wir zwei Systeme die Lohndumping einsetzen um Exportüberschüsse zu erzielen. Das würde Europas Süden nicht verkraften. Ein Solidaritätsausgleich wird es nicht geben, da Europa zwar institutionell eine Einheit bildet, jedoch nicht unter demokratischer Betrachtung eine Einheit bildet. Solidarität ist nur unter Freunden möglich die nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen fusionieren. England hat dies eingesehen und hat deshalb keinen Euro. Wenn der Euro nun scheitert, dann scheitert auch der US$, also bricht aus meiner Sicht bald global das IWF System zusammen. Währungsreform mit Breton Woods III

  • @Rolf
    und das alles bei:
    niedrigster Arbeitslosigkeit, niedrigsten Zinsen, hohem Einkommen, 5-6 Parteien in den Parlamenten, unabhängiger Legislative, Jurikative und Exekutive, Reise-, Presse- und Niederlassungsfreiheit in der EU etc. Das muß uns mal einer nachmachen.

  • Nur durch massive Eingriffe/Korrekturen in den Markt kann der euro überleben. Mit genug Geld kann jedes Projekt eine Zeitlang am Leben erhalten bleiben. Die one size fits all Geldpolitik der EZB und andere Konstruktionssschwächen des Euro können nur durch riesige Transferzahlungen, direkt oder indirekt via Inflation, Rettungsschirme usw kompensiert werden. Am Ende steht ein insgesamt ärmeres Europa, dass nicht nur weniger innovativ ist als manch andere Regionen der Welt, sondern dass auch Demokratie abbaut. Ginge es demokratisch nach den Bürgern, gäbe es weder Euro noch Rettungsschirme.Der Euro ist ein Projekt der Konzerne und Hochfinaz. Ein Fehler, der viel Wohlstand, Freiheit und Demokratie kostet.

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