Experten warnen: Privater Verbrauch und auch die Exporte dürften bei dauerhaft hohen Notierungen spürbar leiden
Ölpreis bereitet Volkswirten Sorge

Die seit rund zwei Wochen stark steigenden Ölpreise werfen nach Ansicht von Volkswirten einen immer größeren Schatten auf die Konjunktur-Aussichten in Deutschland und der Euro-Zone.

DÜSSELDORF/KIEL. „Wenn der Ölpreis längere Zeit auf dem derzeitigen Niveau bleibt, verschlechtern sich ganz klar die Perspektiven für das zweite Halbjahr“, so Lorenzo Codogno, Europa- Experte bei der Bank of America. „Dann müssen wir unsere Wachstumsprognose für 2004 senken.“

Auch Udo Ludwig, Konjunkturchef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), hat Bauchschmerzen: „Das Risiko wächst, dass die Erholung schwächer ausfällt als von uns erwartet.“ Allerdings rechnet Ludwig nicht damit, dass der Effekt der steigenden Ölpreise groß genug ist, um die Aufwärtstendenzen ganz zu ersticken: „Ich sehe noch keinen Rückfall in die Stagnation.“

In den vergangenen beiden Wochen sind die Ölpreise in der Spitze auf bis zu 35 US-Dollar pro Barrel geklettert – ein Niveau wie vor einem Jahr, als die Irak-Krise ihren Höhepunkt erreichte. Für die Euro-Zone besonders prekär: Gleichzeitig ist die Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar vorerst zu Ende. Für die Exportwirtschaft bedeutet dies zwar eine Atempause – gleichzeitig schlägt die Ölpreisentwicklung aber stärker als in der Vergangenheit auf die heimische Wirtschaft durch.

„Bislang hat uns die Euro-Aufwertung von den steigenden Ölpreisen abgeschirmt“, sagt Thorsten Polleit, Volkswirt bei Barclays Capital. So hat sich ein Barrel Brent-Öl zwischen Juni 2003 und Januar 2004 in Dollar gerechnet im Monatsdurchschnitt um 11,6 % verteuert. In Euro gerechnet lag das Plus dank der Dollar- Schwäche aber nur bei 3 % (Grafik). Seit Anfang März hat sich der Trend allerdings umgekehrt – gegenüber Februar verteuerte sich das Barrel um 3,22 Euro, aber nur um 3,12 Dollar. Als Hauptgründe für die Verteuerung des schwarzen Goldes gelten die Konjunktur-Erholung in den Industrieländern, der Wirtschaftsboom in China sowie die Ankündigung der Opec, im April die Fördermenge um 1 Mill. Barrel pro Tag zu senken. Nach Spekulationen, das Ölkartell könnte die geplante Drosselung verschieben, gab der Ölpreis am Montag daher leicht nach.

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