Export japanischen Geldes könnte zum Stillstand kommen
Yen-Hausse bedroht globale Liquidität

Der Yen hat am Freitag Jahreshöchststände erreicht, die weit über den Erwartungen einer Mehrheit Analysten lagen. Noch vor einigen Tagen sahen die Experten den Boden bei 115 Yen pro Dollar und 154 Yen pro Euro. Die japanischen Währung hatte zwischenzeitlich 111,60 Yen pro Dollar und 149 Yen pro Euro erreicht.

TOKIO. Der Wechselkurs könnte sich angesicht der dramatischen Entwicklung nun auf höherem Niveau stabilisieren. Damit droht nicht nur ein nachhaltiger Durchhänger am japanischen Aktienmarkt, sondern weltweit auch eine Verschärfung der Liquiditätskrise.

Auf dem Niveau von Freiag bewegte sich der Yen zuletzt im Frühsommer 2006. Das nächstliegende Opfer eines solchen Hochstands sind Japans Exportwerte wie Honda, Canon oder Sony. Paradebeispiel bleibt Toyota: Der erfolgreiche Autobauer verkauft jedes dritte Auto in den USA. Ein Kursanstieg von einem Yen pro Dollar kostet den Konzern aufs Jahr gerechnet rund 35 Mrd. Yen. In seinem Jahresausblick unterstellt Toyota-Finanzvorstand Takeshi Suzuki derzeit einen Wechselkurs von 115 Yen. Der Gewinn würde daher rund 120 Mrd. Yen schwächer ausfallen, wenn der Stand vom Wochenende anhalten würde. Bei einem prognostizierten Gewinn von 2,3 Bill. Yen sind das nur fünf Prozent - was aber Grund genug ist, die Aktie zu verkaufen.

Doch eine anhaltende Yen-Schwäche hätte noch tiefer gehende Auswirkungen auf die weltweiten Finanzen. „Verkäufe beschleunigen weitere Verkäufe“, sagt Devisenhändler Ryohei Maramatsu von der Commerzbank Tokio. Denn je weiter der Yen steigt, desto riskanter werden so genannte Carry Trades, bei denen Anleger Yen zinsgünstig borgen und beispielsweise in Australien renditestark anlegen. Diese Positionen verlieren ihren Wert, wenn der Yen steigt, und können im Gegenteil hochgefährlich werden.

Die Investoren lösen solche Positionen daher derzeit auf, zumal sie Geld brauchen. Da sie die ursprünglichen Kredite in Yen zurückzahlen, müssen sie die japanische Währung kaufen und treiben sie in die Höhe – ein Teufelskreis (siehe Grafik). „Die neue Gefahr liegt darin, dass der Export japanischer Mittel bisher das weltweite Wachstum gestützt hat. Diese Geldquelle hat die globale Zirkulation von Kapital und so das bislang hohe Niveau an Liquidität, Risikobereitschaft und Wachstum gestützt“, sagt Analyst Jonathan Wilmot von der Credit Suisse. Dieser Kreislauf könne sich nun umkehren.

Die japanische Regierung erwägt daher, erstmals seit 2004 wieder am Devisenmarkt zu intervenieren, um die Entwicklung zu dämpfen und ihr Zeit zur Umkehr zu geben. „Ich werde die Bewegungen an den Devisenmärkten genau überwachen“, sagte der für Wechelkurse zuständige Finanzstaatssekretär Naoyuki Shinohara. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass Japans Bürokraten bisher in deutlicheren Worten gewarnt haben, bevor sie intervenierten. „Eine entfernte Möglichkeit“, nannte Devisen-Veteran Koji Fukaya von der Deutschen Securities Tokio die Option eines internationalen Eingreifens.

Denn die Grundlage für Yen-Verkäufe in den Carry Trades ist der niedrige Zins in Japan – und der bleibt voraussichtlich unten, so dass sich die Arbitragegeschäfte wieder erholen können. Die japanische Notenbank hatte ursprünglich ihre Absicht angedeutet, kommende Woche den Leitzins zu erhöhen. Jetzt, mitten in einem Liquiditätsengpass, glaubt jedoch kaum noch jemand an einen Zinsschritt. Aus Swap-Geschäften zur Absicherung gegen Zinsänderungen ergibt sich eine Marktwahrscheinlichkeit von Null für den Zinsschritt. Daher könnte Japans Währung nach dem Ende der Finanzmarktturbulenzen wieder zur alten Schwäche zurückkehren.

Wenn allerdings ein langfristiger Schaden für die Wirtschaft oder das Finanzsystem zurückbleibt, wird die nötige Risikofreude für die unabgesicherten Yen-Geschäfte nicht zurückkehren. Das wäre das Szenario, bei dem Japans Währung auf höherem Niveau verharren könnte. Was sich wiederum über schwächere Aktienkurse und weniger Carry Trades selbst stabilisieren würde.

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