EZB-Chef mahnt Reformen an
Euro-Kurs pausiert bei 1,15 Dollar

Verkäufe europäischer Staatsanleihen am Rentenmarkt haben den Euro am Donnerstag nach Einschätzung von Händlern zum Dollar nach unten gezogen. Jüngste US-Daten ließen den Euro jedoch einen großen Teil seiner Verluste im Handelsverlauf wett machen.

rtr FRANKFURT. „Der Ausverkauf bei den Bonds trifft auch den Euro“, sagte Devisenstratege Bilal Hafeez von der Deutschen Bank in London. Nach Einschätzung von Händlern richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger wieder stärker auf die Konjunktur und weniger auf die Renditen. In den vergangenen Monaten hatten der Euro und die Staatsanleihen des Währungsgebiets von höheren Renditen als in den USA profitiert, die sich aus den Leitzinsen ableiten. Der Schlüsselzins in den USA liegt bei 1,00 %, der Euro-Leitzins bei 2,00 %. Ende Mai war der Euro auf ein Allzeithoch von 1,1932 Dollar geklettert, nachdem er zu Jahresbeginn weniger als 1,04 Dollar gekostet hatte.

Mit der Fokussierung der Anleger auf Konjunkturentwicklungen machte der Euro nach US-Daten zur Arbeitsmarktentwicklung im Juni einen großen Teil seiner Verluste zum Dollar wieder wett. Am Nachmittag notierte die europäische Währung mit 1,1507 Dollar nach 1,1527 Dollar am Vorabend in New York. Zwischenzeitlich war der Euro bis auf 1,1435 Dollar gefallen. Im Referenzkursverfahren EuroFX wurde der Kurs des Euro mit 1,1456 (Mittwoch 1,1536) Dollar festgelegt. Die EZB ermittelte den Referenzkurs mit 1,1457 (1,1535) Dollar.

Die Aussicht auf ein zumindest vorübergehendes Ende der Leitzinssenkungen in der Euro-Zone sorgte im Rentenhandel für Kursabschläge bei den europäischen Staatsanleihen. Nach Einschätzung von Rentenhändlern war es Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), der die Hoffnungen auf eine weitere baldige Zinssenkung dämpfte. „Die Bonds geben nach, weil Duisenberg gesagt hat, dass die Zinsen auf Rekordtief liegen und es nicht mehr viel gibt, was die Geldpolitik tun kann“, sagte ein Rentenhändler.

Bei seinem voraussichtlich letzten Auftritt vor dem Europäischen Parlament sagte EZB-Chef Duisenberg, die Geldpolitik an sich könne nicht mehr Wachstum und Beschäftigung schaffen. Die EZB habe mit ihren Zinssenkungen einen Beitrag zu mehr Wachstum und Beschäftigung geleistet, sagte der scheidende Zentralbank-Chef. „Jetzt können sich die Regierungen nicht mehr hinter der EZB verstecken und so versuchen, ihr Versagen bei der Umsetzung der so dringend benötigten Strukturreformen zu vertuschen. Im Anschluss an die Worte Duisenbergs erreichte der für den Euro-Rentenmarkt richtungweisende Bund-Future seinen tiefsten Stand seit sieben Wochen. Nach US-Daten am Nachmittag drehte der Anleihen-Indikator aber zeitweise wieder ins Plus.

Die US-Daten ließen auch den Euro einen großen Teil seiner Verluste im Handelsverlauf wett machen. Die Zahl der US-Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft sank im Juni im Vergleich zum Vormonat um 30 000, die Arbeitslosenquote stieg stärker als erwartet auf 6,4 % und damit den höchsten Stand seit April 1994. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 6,2 % und einer unveränderten Stellenzahl gerechnet.

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