EZB-Entscheid drückt Kurs
Euro auf dem Weg zur Dollar-Parität

Die Geldflut der EZB drückt den Euro rasant in den Keller. Die Gemeinschaftswährung fällt am Freitag kurzzeitig unter die Marke von 1,12 Dollar. Und Experten sehen noch kein Ende der Talfahrt.
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Frankfurt/AthenTalfahrt bis zur Dollar-Parität? Die massive Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro am Freitag weiter unter Druck gesetzt. Am Morgen nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), mehr als eine Billion Euro in die Hand zu nehmen, um die Wirtschaft im Euroraum anzuschieben, fiel die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,1159 US-Dollar.

Das neuerliche Kurstief ist der Höhepunkt einer drastischen Abwertung, die mit der Entkopplung des Franken vom Euro begann und mit der Ankündigung des billionenschweren Kaufs von Staatsanleihen gestern seine Fortsetzung fand. Allein am Donnerstag hatte der Euro in der Spitze um drei Cent nachgegeben. Die EZB hatte den Referenzkurs am Donnerstagmittag noch auf 1,1618 Dollar festgesetzt.

Auch die Rendite von Bundesanleihen bricht ein. Zehnjährige Papiere rentieren zeitweise nur noch mit 0,36 Prozent, acht Basispunkte unter Vortag. Bereits gestern ging es acht Basispunkte abwärts. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen fiel um neun Basispunkte auf 1,45 Prozent, entsprechende spanische Bonds rentierten mit 1,29 Prozent zehn Basispunkte niedriger. Die Rendite zehnjähriger griechischer Bonds lag zuletzt mit 8,25 Prozent 32 Basispunkte unter Vortag.

Der Dax notiert knapp zwei Prozent im Plus bei einem Allzeithoch von 10.655 Punkten. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisiert den Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). „Der Ankauf von Staatsanleihen ist in der Währungsunion kein Instrument wie jedes andere. Es birgt Risiken“. Die Währungshüter hatten in einem historischen Schritt beschlossen, ab März in den Großankauf von Staatsanleihen einzusteigen. Die EZB will dazu von März 2015 bis zum September 2016 jeden Monat Staats- und Unternehmensanleihen im Gesamtwert von 60 Milliarden Euro kaufen.

„Nun hat auch die europäische Geldpolitik mit einem großen Anleiheprogramm unerforschtes Gelände betreten“, kommentierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank die Entscheidung. „Ob eine solche Art der Geldpolitik erfolgreich ist bei der Wiederbelebung des Wachstums, ist gänzlich unbekannt.“

Das EZB-Programm entspricht einem Volumen von 1,14 Billionen Euro – in etwa elf Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes der Euro-Zone. Die Euro-Schwäche der vergangenen Wochen dürfte nun erst einmal anhalten, prognostiziert Kazuyuki Takami von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ in Singapur. Auch Notierungen knapp über einem Dollar seien im Laufe des Jahres nicht auszuschließen.

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  • Also, wie schon gestern geschrieben:

    In zwei Jahren und vier Monaten wird Fau Marine Le Pen in F neue Präsidentin werden.
    Mit ihrer Aussage, den Euro verlassen zu wollen, wird dieser wohl erledigt sein.
    Dann können sich die US-Dollar-Haussiers in D warm anziehen. So einfach ist das.

  • Draghi ist der Stadthalter von Goldman-Sachs. Seine Loyalitaeten liegen mit Goldman-Sachs und der Wall Street, nicht mit Italien. Der ist nicht so leicht zu beseitigen wie Sie sich das vorstellen.
    Deutschland hat nur die Moeglichkeit den Euro zu verlassen, an der EZB gibt es nichts zu ruetteln.

  • Langfristig wird mit einem niedrigen Euro Inflation importiert. Der Oelpreis wird auch steigen in 4 Jahren ist er wieder bei $80-100. Soviel kostet es naemlich zu fracken und dabei noch ein wenig Profit zu machen.
    Durch die Niedrigzinsen haben Verbraucher (KLV, Sparer, Riester) weniger Geld und werden deswegen auch weniger konsumieren. Also schlecht fuer den Binnenmarkt. Unternehmen werden also nicht investieren, fuer wen, fuer was? Wie Henry Ford schon bemerkte, Autos kaufen keine Autos.
    QE ist also Gift fuer die Verbraucher und einen Grossteil der Realwirtschaft. Exporteure, Bankster freuen sich und natuerlich alle die, die bis ueber beide Ohren verschuldet sind. Die Fleissigen werden bestraft und die Unfaehigen werden gefoerdert. Somit werden voellig falsche Anreize geschaffen. Anstatt zu investieren wird gezockt. Die Eurozone wird nicht mehr zu retten sein obwohl sich das Siechtum noch jahrelang hinziehen kann, siehe Venezuela oder Argentinien.

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