EZB-Report
Euro verliert Status als sicherer Hafen

Der Euro verliert an Bedeutung als Reservewährung. Dies legt ein Report der Europäischen Zentralbank nahe. Für die Einbußen machen die Währungshüter vor allem zwei Gründe verantwortlich.

FrankfurtEin „sicherer Hafen” für krisengeschüttelte Regierungen und Investoren ist der Euro offenbar nicht mehr. Das legt zumindest ein am Mittwoch veröffentlichte Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Lage der Gemeinschaftswährung nahe. Demnach zögern immer mehr Länder, ihre Reserven in Euro anzulegen.

Der Anteil des Euros an den weltweiten Devisenreserven hat im vergangenen Jahr den tiefsten Stand seit der Jahrtausendwende erreicht. Nur 19,9 Prozent der globalen Devisenreserven war Ende 2015 in Euro notiert – 0,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2002 lag der Anteil bei rund 24,4 Prozent. Devisenreserven werden von Notenbanken gebildet. Mit ihnen kann die Zentralbank – falls notwendig – den Kurs der eigenen Währung stützen.

Bei einzelnen Ländern – darunter auch EU-Staaten – fällt die Euro-Abkehr noch drastischer aus. Schweden zum Beispiel hat seine Euro-Reserven besonders stark reduziert. Hielt das skandinavische Land 2010 noch gut die Hälfte seiner Devisenbestände in Euro, betrug deren Anteil fünf Jahre später nur 34,1 Prozent. Dänemark reduzierte seine Euro-Rücklagen im gleichen Zeitraum von 72,4 auf 59,7 Prozent. Und auch der britische Euro-Devisenpuffer schrumpft: Rund 50,7 Prozent der Landesreserven waren 2015 in der europäischen Gemeinschaftswährung notiert, fünf Jahre zuvor waren es noch 59,9. Allein zwischen 2014 und 2015 hat das Land die Reserven um 4,5 Prozentpunkte verringert.

Auch Entwicklungsländer verlassen sich nicht mehr auf Europas Währung. Peru beispielsweise hat den Euro-Anteil an seinen Devisenreserven innerhalb eines Jahres fast gedrittelt – der Anteil sank von 27,1 auf nur 9,5 Prozent.

Der Euro steht mit seinem Bedeutungsverlust nicht alleine da. Auch der Dollar hat in den vergangenen Jahren als Reservewährung an Bedeutung eingebüßt. Der Anteil des Greenback an den globalen Devisenreserven liegt bei 64,1 Prozent – ein Rückgang von 0,9 Prozent im Jahresvergleich und der niedrigste Stand seit 1999. Allein seit Beginn der Finanzkrise 2007 sei der Dollar-Reserveanteil weltweit um gut fünf Prozentpunkte zurückgegangen, schreiben die Währungshüter. Dennoch blieben sowohl der Euro als auch der Dollar nach wie vor die beiden wichtigsten Reservewährungen.

Den Bedeutungsverlust der Währungen der Industrienationen für die globalen Devisenreserven erklären sich die Währungshüter aber nicht nur durch Krisen allein. Auch ein statistischer Effekt spielt wohl eine Rolle: „Zum Teil könnte der Rückgang darauf zurückzuführen sein, dass China erst seit kurzem über den Stand seiner Devisenreserven an den Internationalen Währungsfonds berichtet”, heißt es in dem Report. Damit verändert sich die statistische Basis - und damit auch die Anteile, die auf die einzelnen Währungen entfallen.

Doch auch abgesehen von der neuen Datenlage haben sich am Devisenmarkt Veränderungen ergeben. Es gebe einen Trend zu mehr Vielfalt im internationalen Währungssystem, schreiben die EZB-Experten. In den Nachkrisenjahren 2008-2015 ist der Anteil alternativer Reservewährungen um vier Prozentpunkte auf 6,8 Prozent gestiegen. Dazu zählen beispielsweise der australische und der kanadische Dollar.

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Nicht jeder will die Alternativwährung sein

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