Fass ohne Boden
Ölpreis fällt unter 60 Dollar

Der Ölpreis ist der Preis für WTI unter 60 Dollar gerutscht. Das Überangebot sorgt für Druck. Heute kommt eine pessimistische Prognose hinzu. Ein bekannter Investor sieht beste Chancen für Rohstoff-Investments.
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SingapurDie Talfahrt der Ölpreise setzt sich ungebremst fort. Am Freitag kostete US-Rohöl bereits unter 59 Dollar je Barrel (159 Liter), so wenig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Zum Vortag brach der Preis um 1,44 Dollar ein. Auch Nordsee-Öl verbilligte sich deutlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Freitag 62,46 Dollar und damit 1,22 Dollar weniger als am Vortag.

Seit dem Sommer sind die Ölpreise um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Vor allem die Aussicht auf ein starkes Überangebot im kommenden Jahr belastet die Märkte. Die Produktion von US-Schieferöl ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, und die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat sich bisher nicht auf eine Produktionskürzung verständigt. Wichtige Produzenten wie Saudi-Arabien wollen anscheinend mit einer stabilen Produktion ihre Marktanteile verteidigen.

Analyst Phil Flynn von der Price Futures Group in Chicago rechnet mit einem anhaltenden Preiskrieg der Anbieter, die ihre Marktanteile mit allen Mitteln verteidigen wollen. „Nach dem Fall der Marke von 60 Dollar liegt die nächste Unterstützung bei 58 Dollar“, schrieb er in einem Kommentar.

Nach einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die Ölpreise auch im kommenden Jahr unter Druck stehen. Die Nachfrage wachse nicht so stark wie bisher angenommen, erklärte die IEA am Freitag. Dennoch lasse der Förderboom vor allem in den USA nicht nach. Dadurch stiegen weltweit die Lagerbestände, die Ölpreise sackten weiter ab. Vor allem werde mit einem geringeren Eigenbedarf in Öl-Exportländern wie Russland gerechnet. Zugleich sei vorerst kein Ende des Produktionsanstiegs gerade aus Schiefergas-Vorkommen in den USA abzusehen. Es werde einige Zeit dauern, bis Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht seien.

Noch sei es zu früh, dass die niedrigen Ölpreise ernsthaft den Förderboom in den USA ausbremsten, erklärte die IAE weiter. Konkret sagte der Energieberater der westlichen Industrieländer für 2015 ein Nachfragewachstum von 900.000 Barrel pro Tag voraus - 230.000 weniger als bisher erwartet.

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  • Der Ölpreis fällt und fällt
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    Und die Spekulanten jammern.
    Auch einige Erdölproduzierenden Länder jammern.
    Um rund 40 Prozent sind die Rohölpreise seit Sommer eingebrochen.

    Denn klar erkennbar geraten diejenigen Staaten, deren Volkswirtschaft vor allem vom Ölexport abhängt, in erhebliche Turbulenzen. Venezuela schaut wegen seines nahezu unverkäuflichen, weil zu teuer produzierten Öls bereits in den Abgrund. Im Iran prangert Präsident Rohani verzweifelt eine vermeintliche Verschwörung gegen sein Land an. Wirklich gefährlich wird der niedrige Ölpreis durch die massiven Auswirkungen auf Russland. Präsident Putin hat in all den Jahren seiner Macht nicht dafür gesorgt, dass die russische Ökonomie effektiv umgestellt wird: weg vom bloßen Öl- und Gasexport hin zu einer breiter aufgestellten Wirtschaftstätigkeit.

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