Finanzmärkte
Der Euro schüttelt die Krise ab

Die Anleger an den Kapitalmärkten schauen zurzeit vor allem auf den Devisenhandel: Während die Aktienmärkte in einer engen Spanne handeln und sich auch das Geschehen bei Anleihen beruhigt hat, sind die Ausschläge am Währungsmarkt außergewöhnlich. Vor allem der Euro zeigt eine beeindruckende Stärke. In der kommenden Woche könnte sich der Anstieg Experten zufolge fortsetzen.
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FRANKFURT. Der Euro beeindruckt mit Stärke: Am Freitag stieg der Kurs der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar deutlich um rund einen Cent auf 1,377 Dollar auf den höchsten Stand seit März. Der Euro kletterte in den vergangenen drei Wochen um gut acht Prozent - so stark wie seit knapp zwei Jahren nicht. Die lange geschmähte Währung legte auch gegenüber anderen wichtigen Devisen wie Pfund Sterling, Yen und Schweizer Franken zu. Experten werten den Höhenflug allerdings vorrangig als Dollar-Schwäche. Der Greenback leidet unter einer wegen der geschwächten US-Wirtschaft erwarteten, weitereren Lockerung der US-Geldpolitik.

Am Freitag wurden diese Spekulationen konkreter, als der Chef der Federal Reserve Bank von New York, William Dudley, sich für weitere Konjunkturstützungsmaßnahmen der US-Notenbank Fed aussprach, wenn sich die Lage am US-Arbeitsmarkt nicht bessere. Den Euro stützen zudem asiatische Zentralbanken, die aktuell US-Dollar abstießen, sagen Händler. Der Euro-Kurs könne daher weiter zulegen, allerdings mit abnehmender Dynamik, meinen Strategen der DZ Bank.

Die europäische Gemeinschaftswährung schafft es offenbar, die anhaltenden Sorgen um hochverschuldete Länder wie Irland ein Stück weit hinter sich zu lassen. Die Angst um Irland und Griechenland hatte den Euro im Sommer noch bis auf rund 1,20 Dollar gedrückt.

Spannend werden in dieser Woche der US-Arbeitsmarktbericht für September am Freitag, aber auch Notenbank-Sitzungen. Den Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte die nachlassende Nachfrage nach EZB-Krediten zuversichtlich stimmen, dass die Probleme in der Eurozone gemeistert würden, meinen Strategen. Ihren expansiven Kurs dürfte die EZB aber mit Blick auf die US-Fed fortsetzen. Auch die Bank of England tagt und die japanische Notenbank tagen.

An den Aktienmärkten stehen neue Konjunkturdaten wie der Auftragseingang der deutschen Industrie an, außerdem beginnt die Berichtssaison für das dritte Quartal. In den USA legt etwa Aluminiumriese Alcoa Zahlen vor. Analysten erwarten etwa für S&P-Firmen ein Gewinnplus von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Allerdings dürfte die jüngste Eintrübung der US-Konjunktur dazu geführt haben, dass weniger Firmen besser als erwartet berichten, meinen DZ-Banker. Strategen erwarten an den Börsen ein Anhalten des jüngsten Kurs-Auf-und-Abs. Den Kursanstieg begrenzen dürften Konjunkturunsicherheit und Verschuldungskrise. Stützen könnten dagegen unter anderem die Menge liquider Mittel am Markt und moderate Bewertungen.

An den Anleihemärkten stabilisierten sich die Kurse verschuldeter Staaten wie Griechenland und Irland. Sorgen, die EU könnte zu einer Rettungsaktion gezwungen sein, flauten ab. Interessant ist, dass China Griechenland-Bonds gekauft hat und weiter kaufen will.

Kommentare zu " Finanzmärkte: Der Euro schüttelt die Krise ab"

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  • Von Abschütteln kann gar keine Rede sein. China stützt den Euro im Handelskonflikt mit den USA. Daher die vermeintliche Stärke. Lieber mit CHF oder NK oder Gold vergleichen. Da sieht der Euro nicht mehr so stabil aus.

  • Aufträge, die im Endeffekt nicht bezahlt werden, mag man getrost den Chinesen überlassen !!!!

  • @bodo, vielleicht hätte man doch keine Statue mit Mittelfinger abbilden sollen. Dann wären die Aufträge auch nach Deutschland gegangen?
    Naja wie auch immer, griechische Reeder haben 453 Schiffe in Korea gekauft und 325 in China. Das will China ändern.
    in Deutschland werden hauptsächlich Pasagierschiffe für Griechenland hergestellt.
    ich würd gerne Licht ins dunkle bringen, es ist unklug die Staatsschulden Griechenlands auf Privatunternehmen in Griechenland zu reflektieren.
    Laut iHS Global ist Griechenland mit 3.150 Schiffen und 186,09 mio. dwt Marktführer in der Handelsmarine.

    @Zeitzeuge, ja China möchte an Einfluss gewinnen. Es setzt Strategiepunkte für den Handel mit Europa und das Mittelmeer. Stärkt den Euro um mehr Waren nach Europa zu verkaufen.

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