Finanzplatz Moskau
Rubel-Abwertung treibt russische Aktien in den Keller

Hohe Kapitalabflüsse aus russischen Anlagen und der Verfall des Ölpreises stürzen Russland in Turbulenzen. Um dem Druck auf die Währung zu mindern, musste die russische Notenbank den Rubel abwerten. Die Flucht der Anleger an der Börse in Moskau verstärkte das allerdings nur. Und eine Entspannung erwarten Experten vorerst nicht.

HB MOSKAU. Berichte über eine Abwertung des Rubels haben die russische Währung auf Talfahrt geschickt. Gegenüber einem von der russischen Notenbank berechneten Währungskorb aus Euro und Dollar gab der Rubel so stark nach wie seit einem Monat nicht mehr. Er verlor ein Prozent auf gut 30,70 Rubel und zog den russischen Aktienmarkt mit in die Tiefe.

Auslöser des starken Rückschlags waren zunächst Aussagen des russischen Notenbank-Gouverneurs Sergej Ignatiew. Bereits am Montag hatte Ignatiev eine Abwertung des Rubel in Aussicht gestellt und gesagt, "der Rubel habe eine Tendenz zur Schwäche". Er hatte angekündigt, dass die Zentralbank künftig stärkere Schwankungen des Rubels zulassen wird und eine Abwertung des Wechselkurses möglich sei. Später wurde die Notenbank konkreter und erklärte, dass sie den Rubel um rund ein Prozent habe abwerten lassen.

Die russische Währung steht zurzeit gleich doppelt unter Druck. Zum einen lasten hohe Kapitalabflüsse ausländischer Investoren auf der Währung. Diese hatten bereits mit dem Einmarsch Russlands in Georgien Ende August eingesetzt. Durch die Finanzkrise verschärfte sich die Situation, weil viele Investoren gezwungen waren, Mittel aus riskanteren Anlagen abzuziehen. Dies traf Russland ebenso wie viele andere Schwellenländer.

Seit Februar 2005 fixiert die russische Notenbank den Rubel gegenüber einem Währungskorb, in dem der Dollar mit 55 Prozent, der Euro mit 45 Prozent gewichtet ist. Seit Mitte Mai erlauben die Währungshüter, dass sich die Valuta in einem Band bewegt. Seitdem wertete die Devise gemessen am Währungskorb um 2,1 Prozent auf 30,4 ab.

Hinzu kommt der in den vergangenen Monaten drastisch gefallene Ölpreis. Die dadurch bedingte Erosion der Exporterlöse Russlands lasten mächtig auf der Leistungsbilanz des Landes. Der Ölpreis ist von seinem Hoch bei rund 140 Dollar auf weniger als 60 Dollar gefallen. Wie stark Russland hiervon in Mitleidenschaft gezogen wird, zeigen die jüngsten Äußerungen von Regierungschef Wladimir Putin. Er kündigte im russischen Fernsehen an, dass Russland künftig bei der Gestaltung des Ölpreises mitreden wolle. „Russland, einer der größten Förderer und Exporteure von Öl, darf nicht ausgeschlossen sein von der Bildung der Preise“, sagte Putin. Deshalb werde seine Regierung eine Reihe von Maßnahmen entwickeln, „um aktiv auf den Markt einzuwirken“.

Dass das den Ölpreis stark beeinflussen wird ist kurzfristig aber ebenso unwahrscheinlich wie dass die Abwertung des Rubels der Währung helfen wird. „Es war vermutlich eine geplante Entscheidung. Aber ich habe Zweifel, dass die Kommentare von Ignatiew den Druck auf den Rubel reduzieren werden“', sagte Stanislaw Ponomarenko, Leiter Finanzmarktanalyse bei der ING Bank NV in Moskau, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Dafür, dass die Investoren Russland weiter mit Vorsicht behandeln werden, sprechen vor allem die jüngsten Reaktionen von Ratingagenturen. Wie zuvor schon Standard & Poor's hatte am Montag auch Fitch den Ausblick für da Kreditrating Russlands auf negativ gesenkt. Zur Begründung verwies Fitch auf die Kapitalflucht, welche auf den Devisenreserven laste. Russlands Devisenreserven, weltweit die drittgrößten, haben seit dem 8. August 19 Prozent nachgegeben.

Am russischen Aktienmarkt sorgten die Turbulenzen am Devisenmarkt für hektische Verkäufe. Der in Rubel notierte Leitindex Micex und der in Dollar gerechnete RTS-Index verloren jeweils mehr als zehn Prozent an Wert. Zwischendurch wurden beide Aktienbarometer wie bereits mehrfach in den vergangenen Wochen vom Handel ausgesetzt. Belastet wurden die Indizes vor allem von hohen Verlusten bei Energie- und Rohstoffaktien. So gaben die Titel des Energieriesen Gazsprom 15 Prozent nach. Aber auch Finanzkonzerne standen unter Druck: Die Aktien der Sberbank verloren fast 16 Prozent.

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