Finanzskandal: Bafin will Devisenhandel neu ordnen

Finanzskandal
Bafin will Devisenhandel neu ordnen

„Wer seine Hoffnung allein in die Selbstregulierung setzt, wurde eines Besseren belehrt.” Die deutsche Bankenaufsicht-Präsidentin Elke König verlangt neue Regeln für den Devisenhandel.
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FrankfurtUm eine Manipulation von Referenzsätzen besser aufdecken zu können, regt die Präsidentin der Bankenaufsicht (Bafin) Elke König eine grundlegende Neuorganisation des Devisen- und Rohstoffhandels an. Ähnlich wie beim Wertpapierhandel könnte der Handel von Devisen und Edelmetallen über beaufsichtigte Börsen erfolgen.

„Eine zugegeben sehr weitgehende Überlegung könnte sein, den Handel in Devisen- und Rohstoffmärkten so weit wie möglich auf transparente und staatlich überwachte Handelsplätze zu verlagern, wie dies bei Wertpapieren der Fall ist”, sagte König im Gespräch mit Bloomberg News. „Das würde es deutlich erleichtern, Handelsmuster zu erkennen, die den Wert manipulativ beeinflussen”. Die Änderung könnte in Etappen erfolgen.

Devisen und Edelmetalle werden über Spotmärkte gehandelt, die bislang schwer zu kontrollieren sind. Im Börsenhandel können auffällige Handelsmuster dagegen durch die Handelsüberwachungsstellen der Börsen aufgespürt werden. Die Bafin-Präsidentin ist eine der ersten Regulatoren in Europa, die sich für eine radikale Neuorganisation des Devisen- und des Edelmetall-Handels ausspricht. Bereits im Dezember hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine weitere Regulierung der Finanzbranche ins Gespräch gebracht und einen Streit mit Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen provoziert.

Hintergrund des Vorstoßes sind die Manipulationsskandale der Interbankenzinssätze Libor und Euribor und neue Vorwürfe, wonach auch die Referenzwerte für die Devisen- und Edelmetallmärkte manipuliert wurden. Internationale Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass Banken die Referenzkurse bewusst in die eine oder andere Richtung bewegt haben, um Gewinne zu erzielen. Allein am Devisenmarkt beträgt das tägliche Handelsvolumen 5,3 Billionen Dollar.

Möglich waren die Tricksereien beim Libor und Euribor, weil die Daten, auf denen die Sätze beruhen, kaum nachprüfbar sind und eine unabhängige Überwachung fehlte. Die EU-Kommission hat im Libor- und Euribor-Skandal im Dezember Rekordstrafen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro gegen sechs Institute verhängt, darunter die Royal Bank of Scotland Plc und die Société Générale SA. Die Deutsche Bank AG wurde mit der höchsten Buße von 725 Mio. Euro belegt. Seit rund einem Jahr geht die EU-Kommission auch Vorwürfen nach, wonach Banken die Referenzsätze im Handel mit verschiedenen Währungen zu ihren Gunsten manipuliert haben.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte im September Vorschläge zur Regulierung der Referenzsätze für Libor, Devisen und Rohstoffe vorgelegt, wonach die Sätze soweit wie möglich auf tatsächlichen Transaktionen beruhen sollen, das Verfahren transparent sein müsse und von nationalen Aufsichtsbehörden in Zusammenarbeit mit der Europäischen Wertpapieraufsicht ESMA kontrolliert werden solle.

„Wer seine Hoffnung allein in die Selbstregulierung setzt, wurde eines Besseren belehrt”, schrieb König am 19. Dezember in einem Namensbeitrag der Börsen-Zeitung. Die Vorschläge der EU- Kommission zur Regulierung von Referenzwerten gingen zwar in die richtige Richtung. Da die EU-Kommission jedoch weitgehend auf Selbstregulierung setze, regt König weitere Reformschritte an. Schon jetzt würden internationale Regulatoren eine “intensive” Diskussion über die Kontrolle von Benchmarksätzen führen, erklärte König gegenüber Bloomberg. Das Thema stehe auch auf der Tagesordnung des Financial Stability Boards der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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