Finanzwelt muss sich stärker nach alternativen Investments umschauen
„Rohstoffe stehen vor einem Comeback“

Immer mehr Banken entdecken Rohstoffe als Kapitalanlage. Nachdem große Finanzhäuser wie Goldman Sachs und UBS ihren Kunden bereits vor einigen Monaten zum Einstieg in Rohstoffe geraten gaben, sieht jetzt auch die Deutsche Bank beachtliches Potenzial in dieser Anlageklasse.

FRANKFURT/M. „Wir stellen uns auf eine Zeit ein, in der Aktien und Anleihen dauerhaft niedrige Erträge abwerfen“, sagt Klaus Martini, der das weltweite Anlagegeschäft des Instituts leitet, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

„Rohstoffe stehen vor einem Comeback“, sagt Martini weiter. Die Finanzwelt müsse sich stärker nach alternativen Investments umschauen. Dazu gehörten Rohstoffe. Rund ein Viertel des Welthandels entfalle auf Primärrohstoffe wie Öl. „Die hohe Nachfrage nach Rohstoffen durch die Schwellenländer wirkt sich preissteigernd aus“, sagt Martini. So werde allein der Aufbau der Infrastruktur in China zumindest noch zehn Jahre zu einer hohen Nachfrage nach Rohstoffen führen. Auf der anderen Seite sei das Rohstoffangebot begrenzt. In einigen Bereichen gebe es bereits Engpässe, etwa bei US-Erdgas.

So könne nicht überraschen, dass immer mehr Finanzinvestoren diese vergessene Anlageklasse neu entdeckten. Als interessant bezeichnet Martini die Diversifikationseigenschaften von Rohstoffen; diese würden nur wenig mit Aktien und Anleihen korrelieren und somit das Risiko der Kapitalanlage reduzieren. Bisher sei vergleichsweise wenig Anlagekapital in Rohstoffe geflossen. So belaufe sich das in Gold investierte Kapital auf etwa 30 Mrd. Dollar. Die Marktkapitalisierung aller Rohstoffaktien betrage rund 200 Mrd. Dollar. Vergleiche man dies allein mit der circa 300 Mrd. Dollar betragenden Marktkapitalisierung des Software-Riesen Microsoft, so ergebe sich ein krasses Missverhältnis.

Konkret auf Anlagechancen an den Edelmetallmärkten angesprochen, äußert sich Martini positiv zu den Preisaussichten am Goldmarkt. „Für das Jahr 2004 erwarten wir einen durchschnittlichen Goldpreis von 405 US-Dollar pro Feinunze“, gibt sich der Experte jedoch vergleichsweise konservativ. Derzeit kostet die Feinunze Gold gut 380 Dollar. Hier sei zu berücksichtigen, dass es neben den traditionellen Faktoren wie Angebot und Nachfrage noch andere Effekte gebe, die den Goldpreis beeinflussten. Martini weist darauf hin, dass das Deflationsszenario – also die Gefahr eines allgemeinen Preisverfalls –, das an den Märkten lange für Unsicherheit gesorgt hatte, nicht mehr länger bestehe; vielmehr müssten die USA wegen des schwächeren Dollars sowie der stark ausgeweiteten Geldmenge mit stärkerer Inflation rechnen. Die Finanzierung des Außenhandelsdefizits erfordere zudem, dass die USA ausländischen Investoren attraktive Renditen böten. All dies spricht für Substanzwerte wie Gold. Daher sieht Martini einen starken Anlagebedarf in Edelmetallen. Gold sollte seiner Ansicht nach zwischen fünf und zehn Prozent eines Portefeuilles ausmachen.

Die Kehrtwende der Deutschen Bank kommt zu einer Zeit, in der die Analysten von UBS ihre kurzfristige Einschätzung der Rohstoffmärkte bereits wieder von „übergewichten“ auf „neutral“ zurückgenommen haben. Grund: Die Preise zahlreicher Rohstoffaktien hätten das von der Bank gesetzte Preisziel inzwischen erreicht. Langfristig bleibe das große Potenzial der Rohstoffe aber bestehen, sagt UBS-Analyst Peter Hickson.

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