Förderinvestitionen sinken
Energieagentur fürchtet neue Ölpreisexplosion

Was Rohstoff-Investoren beruhigen dürfte, wird Autofahrer wohl enttäuschen: Der rasante Preissturz bei Rohöl kommt nach Einschätzung von Analysten schon bald zum Stillstand. Die Internationale Energieagentur IAE befürchtet angesichts sinkender Investitionen in die Förderung sogar eine neue Preisexplosion.

HB FRANKFURT. Die Internationale Energieagentur IAE befürchtet angesichts sinkender Investitionen in die Ölförderungen schon bald eine neue Ölpreisexplosion. "Wir beobachten mit erheblicher Unruhe, dass im Mittleren Osten, Nordamerika und anderswo gebremst wird. Wir brauchen jährlich um die 380 Milliarden Dollar Investitionen, um auf dem jetzigen Produktionsniveau zu bleiben", sagte Fatih Birol, Chefökonom der IAE, den "VDI Nachrichten".

Würden die Investitionen wegen des wirtschaftlichen Abschwungs gesenkt, "stehen wir vor unzureichenden Kapazitäten, wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt." Die IAE erwartet daher einen baldigen Wiederanstieg des Ölpreises. "Wir halten in 2010 Ölpreise für möglich, die das deutlich überschreiten, was wir in diesem Jahr gesehen haben", sagte Birol und nannte als Preis deutlich über 150 Dollar pro Barrel. Wie rasch der Preis anziehe, hänge auch davon ab, wie gut die USA und China die aktuelle Wirtschaftskrise bewältigten.

Für Europa sieht Birol kurzfristig eine deutlich steigende Abhängigkeit von Öl und Gas. "Keine Region wird in den kommenden Jahren eine derartige Zunahme dieser Abhängigkeit sehen wie die Europäer", sagte Birol voraus. Die eigenen Ressourcen gingen zur Neige und eine Reihe von Kernkraftwerken von Großbritannien bis hin zu Deutschland würden nicht mehr betrieben werden.

Auch kurzfristig orientiertere Analysten glauben, dass der rasante Preissturz bei Rohöl bald zum Stillstand kommt. "Wir haben den Boden erreicht, deshalb sehe ich den Ölpreis bis zum Jahresende in einer Spanne von 50 bis 60 Dollar", sagte Analystin Ingrid Angermann von der Dresdner Bank.

Und bald schon könnte es nach Einschätzung von Analysten wieder in Richtung von 80 Dollar pro Fass nach oben gehen. Trotz der weltweiten Wirtschaftsflaute deuten Prognosen auf einen leicht steigenden Ölverbrauch hin - bei sinkendem Angebot.

Im Juli erreichte der Preis für ein Fass der in den USA richtungsweisenden Sorte WTI ein Allzeithoch von 147 Dollar. Seither ist die Notierung um rund 60 Prozent auf Notierungen um 57 Dollar abgerutscht. Für Experten ist inzwischen ausgemachte Sache, dass der Ölpreis von Spekulanten in die Höhe getrieben worden war. "Die mehr als 140 Dollar pro Fass waren eine Übertreibung. Am Rohstoffmarkt gab es eine der letzten Blasen", sagte Angermann. Diese sei mit der Verschärfung der Finanzkrise im Spätsommer geplatzt. "Nach einer Übertreibung nach oben gibt es nun ein Unterschießen des Marktes", heißt es in einem Marktkommentar der Commerzbank. Analyst Kevin Norrish von Barclays Capital hält deshalb einen kurzfristigen Rutsch bis auf 40 oder gar 35 Dollar je Fass für möglich. "Je tiefer der Preis fällt, desto mehr wird der Markt aus dem Gleichgewicht gebracht", erklärte der Experte.

Doch die Freude der Konsumenten und der Industrie über fallende Ölpreise dürfte nicht lange anhalten. "Fundamental spricht alles für wieder steigende Preise. Die Schere von Angebot und Nachfrage geht weiter auf, und die Nachfrage in China steigt weiter", sagte LBBW-Rohstoffanalyst Frank Schallenberger.

Im Moment werden jeden Tag 80 bis 85 Millionen Barrel gefördert, doch das Angebot könnte sich zusätzlich verknappen, wenn die Opec ihre Produktion weiter drosselt. Zudem seien viele neue Förderprojekte etwa in der Tiefsee vor Brasilien beim derzeitigen Preisniveau nicht rentabel, argumentiert Schallenberger. Vor diesem Hintergrund sieht er den Ölpreis schon bald wieder in den Bereich von 75 bis 85 Dollar steigen. Die Barclays-Experten erwarten noch im vierten Quartal einen Preis von knapp 78 Dollar. Für das kommende Jahr gehen sie von mehr als 105 Dollar je Fass aus.

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