Förderpolitik der OPEC
Der König und der Revoluzzer

Gastgeber Saudi-Arabien inszenierte eine grandiose Gipfel-Show: Am Wochenende lud König Abdullah, der Ölscheich schlechthin, Emire, Präsidenten und Staatschefs nach Riad ein, um über die zukünftige Förderpolitik des Kartells zu entscheiden. Während Venezuelas Präsident Hugo Chavez die Revolution beschwört, versucht Abdullah die Märkte zu beruhigen.

RIAD. Die 400 Kellner tragen die reich beladenen Platten so gekonnt in den riesigen Saal, als wären sie Teil eines surrealen Gastroballets. In Einerreihen stürmen sie herein und steuern zielbewusst jenen Tisch an, den sie gemäß Choreographie zu bedienen haben. Dabei überschwemmen sie wie eine professionelle, bestens trainierte und eingespielte Tänzergruppe den Raum. Sklavisch genau folgen sie den Anweisungen der vier befrackten Kapellmeister, die sich an strategischen Punkten aufgestellt haben und mit diskreten Handbewegungen die Truppe kommandieren.

Der saudiarabische Herrscher, der Ölscheich schlechthin, hat bei der Bewirtung seiner Gäste am Wochenende weder Mühen noch Kosten gescheut. Die Könige, Emire, Präsidenten und Staatschefs, die zusammen 40 Prozent der weltweiten Ölförderung kontrollieren, waren nach Riad geflogen, um über die künftige Förderpolitik des Kartells zu entscheiden. Es steht viel auf dem Spiel. Produktionsquoten und Petrodollar. König Abdullah empfängt jeden einzelnen Gast persönlich am Flughafen.

Festlicher könnte der Ort kaum gewählt sein: Das King Abdulazziz International Center for Conferences ist ein Palast am Stadtrand von Riad. Der Bau erinnert an Versailles, ist aber wohl noch grandioser angelegt und ausgestattet. Die hohen Hallen haben feine Stuckdecken, die Türen sind aus teurem Eichenholz, riesige Kristalllüster glänzen, die Polstergruppen sind vom Besten. Der Prunk geht bis ins letzte Detail. So sind die Installationen in den Toiletten vergoldet, die Wände mit exklusivem Marmor ausgelegt, und Diener sorgen diskret für Dauerglanz.

Marmor, Gold, Diener: Man fühlt sich im Palast wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Geladen sind Adlige, Staatschefs, Minister, Berater, saudiarabische Öl- und Politprominenz – fast ausnahmslos Männer – sowie Journalisten. Es dominieren festliche Dischdasch, braune und schwarze Überhänge, rot-weiße Kefijas (Kopftücher). Besucherinnen aus dem Westen haben zuvor eine traditionelle, bis zum Boden reichende Robe erhalten, die sie über ihre eigenen Kleider anziehen sollen.

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