„Förderung“ für Minengesellschaften wieder rentabel
Abwrackprämie hilft dem Platinpreis

Spektakuläre Preissprünge sind ausgeblieben, doch der Preis für Platin bewegt sich langsam, aber sicher immer weiter nach oben. Mit gut 1 200 Dollar je Feinunze notiert das Edelmetall inzwischen auf einem Niveau, wo zumindest die großen Platinförderer wie Angloplat, Impala Platinum und Lonmin wieder aufatmen.

KAPSTADT/DÜSSELDORF. "Die meisten Platinfirmen arbeiten auf diesem Niveau wieder profitabel", sagt Heye Daun, Edelmetallspezialist beim südafrikanischen Investmenthaus Bright Resources.

Die Platinpreise waren im Zuge der weltweiten wirtschaftlichen Abschwächung eingebrochen. Ein Grund dafür: Mehr als die Hälfte der Platinnachfrage entfällt auf die Automobilindustrie. Das Edelmetall wird für Auto-Katalysatoren benötigt und gilt daher inzwischen in erster Linie als Industriemetall. Der Niedergang der Automobilkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte habe den Preis ganz wesentlich beeinflusst, begründet Thorsten Proettel, Edelmetallspezialist der Landesbank Baden-Württemberg, den Preisabsturz. Im Tief kostete eine Feinunze Platin (31,1 Gramm) Ende Oktober 2008 nur noch 771 Dollar. Noch vier Monate davor lag der Preis bei 2 200 Dollar.

Die große Bedeutung der Automobilindustrie für den Platinsektor spiegelt sich aber auch in der Preiserholung wider. "Die Anreize für den Kauf neuer Autos in Deutschland und Frankreich stützen den Preis", sagte gestern Cynthia Carroll, die Vorstandsvorsitzende des Bergbaukonzerns Anglo American, auf dem Aktionärstreffen in London. Mit anderen Worten: Die Abwrackprämie schiebt nicht nur den Automobilabsatz, sondern auch den Platinpreis an. Zusätzlich habe Platin von einer stärkeren Investmentnachfrage nach ETFs profitiert, sagte Carroll. ETFs sind börsennotierte Fonds, die mit Edelmetall hinterlegt sind.

Unterstützt wird Carrolls Einschätzung von Merrill Lynch. Obwohl Platin größtenteils für industrielle Zwecke verwendet wird, könnte es laut einer Studie der US-Investmentbank von seiner Parallel-Einstufung als Edelmetall künftig profitieren. Merrill Lynch prognostiziert angesichts der allgemein erwarteten Nachfrage nach harten Vermögenswerten für die nächsten drei Jahre einen Anstieg des Preises um fast 25 Prozent.

Als Reaktion auf die Entspannung am Markt haben vor allem die größeren Platinwerte wie Impala Platinum und Anglo Platinum ab Mitte März fast 40 Prozent an Wert gewonnen. Auch die in London hauptnotierten Titel von Lonmin, dem weltweit drittgrößten Platinförderer, sind wieder so teuer wie zuletzt vor sechs Monaten. Aber auch viele der kleineren, schlecht kapitalisierten Platintitel in Südafrika, die in den vergangenen Monaten zu den größten Verlierern der Wirtschaftskrise zählten und bis zu 95 Prozent an Wert einbüßten, konnten zuletzt kräftig zulegen.

Darüber hinaus haben die Platinproduzenten selbst durch Kapazitätsbeschränkungen zur Erholung des Preises beigetragen. Anglo American, deren Tochtergesellschaft Angloplat weltweit der größte Platinförderer ist, hatte bereits im Dezember eine Verringerung der Investitionen für das Jahr 2009 um mehr als die Hälfte auf 4,5 Mrd. Dollar angekündigt. Dies betrifft auch Angloplat. Noch in der ersten Hälfte 2008 hatte Anglo American angesichts der rekordhohen Preise seinen Anteil an Angloplat von 75 auf 77,8 Prozent erhöht und dafür 1,4 Mrd. Rand bezahlt. Gleichzeitig hatte die Aufstockung der Beteiligung erneut Gerüchte geschürt, dass Anglo den Minderheitsaktionären von Angloplat bald eine Auskaufofferte machen werde, was das Minenhaus allerdings wiederholt dementiert hat.

Anders als Anglo American zahlt Impala Platinum zumindest eine kleine Dividende von 1,20 Rand (0,10 Euro) pro Aktie. Doch steht auch hier die Kapitalsicherung klar im Vordergrund. Das Unternehmen hat seine langfristigen Investitionen um ein Drittel auf 20 Mrd. Rand (rund 1,6 Mrd. Euro) reduziert. Zudem hatte es die geplante Übernahme des mittelgroßen Platinförderers Northam Platinum und von dessen Mehrheitsaktionär Mvelaphanda Resources vor ein paar Wochen endgültig abgeblasen. Impala, der weltweit zweitgrößte Platinproduzent hätte inzwischen die Aktien im freien Handel billiger erwerben können als ursprünglich angeboten.

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