Folgen des Preisverfalls Venezuela bezahlt Medikamente mit Ölkonzern-Anleihen

Venezuala ist extrem vom Öl-Export abhängig und leidet unter den fallenden Preisen. Jetzt hat das Land sogar Anleihen seines Staatskonzerns verkauft, um seine Schulden bei Pharmakonzernen zu begleichen.
Ölförderung in Puerto La Cruz: Abhängig vom Export. Quelle: dpa
PDVSA-Ölraffinerie in Venezuela

Ölförderung in Puerto La Cruz: Abhängig vom Export.

(Foto: dpa)

CaracasDas von der Staatspleite bedrohte Venezuela hat zur Schuldentilgung zu unkonventionellen Mitteln gegriffen. Mindestens drei internationale Pharmakonzerne erhielten zur Begleichung von Außenständen Anleihen, die sie nur mit hohen Verlusten wieder loswurden, wie eine Auswertung von Dokumenten für die Aufsichtsbehörden und Angaben von Insidern mit Kenntnis der Sache durch Reuters ergab. Der deutsche Bayer-Konzern sowie die Rivalen Novartis aus der Schweiz und Sanofi aus Frankreich wurden mit Dollar-Anleihen des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns PDVSA bezahlt. Der Schritt gilt als ein weiteres Zeichen für eine Verschärfung der Finanzkrise in dem von Erdölexporten abhängigen Land.

Mit der Transaktion fuhren die Unternehmen happige Verluste ein: Zum Teil wurden die Titel für nur ein Drittel des Nennwerts wieder veräußert. Novartis bestätigte, PDVSA-Anleihen als Bezahlung akzeptiert und die Titel später mit schätzungsweise zwei Drittel Abschlag wieder verkauft zu haben. Bayer und Sanofi wollten keine Stellung zu den Bond-Transaktionen nehmen. Mit der Sache vertrauten Personen zufolge haben die beiden Firmen aber ähnlich hohe Einbußen hingenommen. Insgesamt verbuchten die drei Konzerne im vergangenen Jahr in dem lateinamerikanischen Land etwa 500 Millionen Dollar Verlust.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Saudi-Arabien: Aramco
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Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schließlich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart...

Aramco-Chef Khalid Al-Falih
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Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge droht dem Land ein massives Defizit. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi-Arabien und Aramco aber in die Position, an ihrer Politik festzuhalten und weiter große Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Aramco-Chef Khalid Al-Falih ließ zuletzt wissen, der Konzern werde seine Investitionen nicht kürzen. Dies gilt als Ablehnung, die Fördermenge zu reduzieren.

Russland: Rosneft
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Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung...

Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin
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Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

China: Sinopec
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Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation. Im vergangenen Jahr stand der größte chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der „Forbes“-Liste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der größte Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschließt und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika...

China: Sinopec
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Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas –mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.

Venezuela: PDVSA
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Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150.000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel...

Nach Ansicht von Investoren, die Venezuela verfolgen, machen die Transaktionen für die Firmen trotz des hohen Verlusts Sinn. Mit dem Erwerb der PDSVA-Anleihen bot sich ihnen die Möglichkeit, an Dollarvermögen zu kommen. Denn für Unternehmen in Venezuela ist es wegen der vor 13 Jahren eingeführten Devisenkontrollen schwierig, in der Landeswährung Bolivar erzielte Umsätze in harte Währungen umzutauschen. Seit einer Lockerung des Währungsregimes im Februar bekommt man für lebenswichtige Güter wie Nahrungsmittel und Medikamente offiziell einen Dollar für zehn Bolivar. Am Schwarzmarkt ist die US-Devise hingegen nur für mehr als 1000 Bolivar zu haben. Venezuela hat bereits 2013 mit PDVSA-Anleihen Schulden bei Ölfeldausrüstern wie etwa dem US-Konzern Weatherford beglichen.

Die Wirtschaft des Landes steckt in einer tiefen Krise, die Staatseinnahmen sind wegen des Ölpreisverfalls dramatisch zurückgegangen. 2015 war die Wirtschaft des Landes um fünf Prozent geschrumpft. Zahlreiche Weltkonzerne wie etwa Procter & Gamble, PepsiCo und Colgate Palmolive haben für ihre Venezuela-Geschäfte Milliarden abgeschrieben. Die Pharmariesen Merck und GlaxoSmithKline verbuchten im letzten Jahr zum Teil hohe dreistellige Währungsverluste für ihre Venezuela-Operationen.

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