Forschungsinstitut HWWI prognostiziert dauerhaft höhere Energiepreise – Volkswirte: Weltwirtschaft kann damit leben
Studie: Öl kostet 2030 rund 120 Dollar

Die Weltwirtschaft muss sich langfristig auf deutlich höhere Ölpreise einstellen. Das prognostizieren die Rohstoffexperten des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI in einer gestern vorgelegten Studie. Bis zum Jahr 2030 steige der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl nominal auf 120 Dollar. Inflationsbereinigt, also in heutigen Preisen gerechnet, dürfte sich Rohöl im Vergleich zum Jahr 2004 um 60 Prozent verteuern.

ost/rp/tom DÜSSELDORF.Das europäische Brentöl erreichte Mitte August seinen bisherigen Spitzenwert mit gut 68 Dollar je Barrel; gestern lag es bei 62,30 Dollar. Der Preis für die US-Richtmarke WTI übersprang nach dem Hurrikan „Katrina“ sogar die 70-Dollar-Marke. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch die wachsende Sorge der Märkte um eine ausreichende Versorgung mit Öl. Die Versorgungsängste sind geopolitisch begründet in der Furcht vor Ausfällen irakischer oder iranischer Lieferungen, aber auch durch die hohe Nachfrage Indiens und Chinas, die völlig unterschätzt worden war. Die Situation verschärft, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ihre Förderung kaum noch ausweiten kann.

Analysten haben ihre Preisschätzungen daher stetig nach oben korrigiert. Gestern erhöhte die Schweizer Bank UBS ihre Ölpreisprognose für WTI von 54 auf 58 Dollar in diesem und von 48 auf 64 Dollar im nächsten Jahr. Einige Experten führen den steilen Preisanstieg in erster Linie auf Sondereffekte wie den Hurrikan zurück. Das HWWI prognostiziert dagegen, dass die Preisentwicklung wegen fundamentaler Trends langfristig aufwärts gerichtet sein wird.

„Die Preisanstiege sind aber nicht so schlimm, wie sie auf den ersten Blick aussehen“, relativiert HWWI-Rohstoffexperte Klaus Matthies. „Im historischen Vergleich ist eine reale Verteurung um 60 Prozent über 30 Jahre eher harmlos.“ In den zurückliegenden 30 Jahren hätten sich die Ölpreise real verachtfacht. Andererseits pendelte der Ölpreis in den neunziger Jahren real um die 20 Dollar. Das HWWI rechnet dennoch nicht damit, dass in den kommenden Jahrzehnten das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern nachhaltig unter der Entwicklung leidet. „Die Preisanstiege sind zwar kräftig, aber sie erstrecken sich über einen so langen Zeitraum, dass sich die Volkswirtschaften daran anpassen können“, sagt Konjunkturchef Eckhardt Wohlers. Außerdem würde die Entwicklung auch zu neuen Wachstumsimpulsen führen. „Die Investitionen in energiesparende Technologien werden auf jeden Fall zunehmen“, meint Wohlers. „Eine gravierende Beeinträchtigung für die Weltwirtschaft wird es daher nicht geben.“

Ähnlich gelassen gibt sich Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank. „Auch wir gehen davon aus, dass die Ölpreise trendmäßig weiter steigen werden – aber die Wirtschaft kann sich daran anpassen und wird damit leben können.“

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