Fracking in den USA: „Die Pioniere sind kleinere und mittlere Firmen“

Fracking in den USA
„Die Pioniere sind kleinere und mittlere Firmen“

Die Erfolge der Schieferstein-Ölförderung in den Vereinigten Staaten lässt die Branche euphorisch in die Zukunft blicken. Lane Sloan erklärt, wie die USA Stück für Stück ihre Abhängigkeit vom Nahen Osten steigern.
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Die Erschließung neuer Ölvorkommen in den USA hat gewaltige Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt, sagt Lane Sloan. Mit dem Ökonomen, der einst die Chemiesparte von Shell leitete und heute als Wirtschaftsberater in Houston arbeitet, sprach Thomas Jahn.

Handelsblatt: In den USA boomt die Ölförderung aus Schieferstein. Was bedeutet das für Amerika?

Lane Sloan: Man kann die Bedeutung gar nicht hoch genug einschätzen. Aller Voraussicht nach werden wir 2016 oder 2017 wieder so viel Öl fördern wie zu den besten Zeiten Anfang der siebziger Jahre. Das hat enormen Einfluss auf die US-Handelsbilanz und den globalen Energiemarkt.

Wie meinen Sie das?

Wir importieren viel weniger Öl aus politisch instabilen Regionen wie dem Mittleren Osten oder Afrika. Die Ölförderländer aus der Opec konnten seit den achtziger Jahren ihren Marktanteil ständig ausbauen. Das ändert sich zum ersten Mal und hält den Ölpreis in Schach.

Fällt der Ölpreis?

Sicherlich hilft das zusätzliche Angebot, den Preis zu drücken. Mit den hohen Benzinpreisen halten sich die Amerikaner zudem im Verbrauch zurück. Aber die Nachfrage aus den Schwellenländern wie China oder Indien bestimmt mittel- bis langfristig den Preis. Nach konservativen Schätzungen wächst die Energienachfrage in den kommenden 20 bis 30 Jahren um 30 bis 40 Prozent.

Wie kommt es zum Ölboom in den USA?

Die Pioniere sind vor allem kleinere und mittlere Firmen, die mit neuen Fördertechniken das Öl aus dem dichten Schieferstein holen. Das sogenannte Fracking wurde zuerst bei der Erdgasförderung eingesetzt – mit so viel Erfolg, dass der Erdgaspreis in den USA auf ein Rekordtief gesunken ist. Deshalb fördern die Unternehmen verstärkt Öl, das am Weltmarkt einen hohen Preis erzielt.

Haben alternative Energien angesichts des spottbilligen Erdgaspreises noch eine Chance in den USA?

In den nächsten Jahren sieht es für Solar oder Wind nicht gut aus. Aber langfristig brauchen wir sie. Nicht nur wächst die Energienachfrage enorm, auch müssen wir uns aus umweltpolitischen Gründen für sie einsetzen. Derzeit aber setzt sich in den USA die Einsicht durch, dass Erdgas nur halb so viel Kohlendioxid ausstößt wie Kohle.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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