Frankreichs Nein zur EU-Verfassung belastet
Euro weiter unter Druck

Auch am Dienstag wurde der Euro noch vom Nein der Franzosen zur EU-Verfassung belastet. Schwächere US-Konjunkturdaten stützen am Nachmittag die Gemeinschaftswährung allerdings etwas.

HB FRANKFURT. Der Euro fiel zeitweise um mehr als 1-1/2 US-Cent auf 1,2310 Dollar und damit das niedrigste Niveau seit Mitte Oktober vorigen Jahres. Nach dem überraschenden Einbruch des Konjunkturindex der Chicagoer Einkaufsmanager erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder auf 1,2360 Dollar. Die Enttäuschung der Investoren über den Chicagoer Index wurde allerdings durch den überraschenden Anstieg des US-Verbrauchervertrauens teils wieder ausgeglichen.

Schon am Vortag hatte der Euro an Wert verloren, nachdem die Franzosen am Sonntag mehrheitlich gegen die EU-Verfassung gestimmt hatten. Wegen der Feiertage in Großbritannien und den USA am Montag konnten aber viele internationale Anleger erst am Dienstag auf das Ergebnis des Referendums reagieren. Händler sagten, die Entscheidung habe die Unsicherheit über die weitere innenpolitische Entwicklung in Frankreich in den Vordergrund gerückt. Mit Enttäuschung nahmen einige die Ernennung von Innenminister Dominique de Villepin zum neuen Ministerpräsidenten auf. „Mit Chiracs Rivalem Nicolas Sarkozy hätte die Reformpolitik eine bessere Chance“, sagte ein Händler in Frankfurt. Villepin stehe dagegen für die Fortsetzung der bisherigen Politik. David Brown von Bear Stearns in London verglich die Entscheidung mit einem „Stühlerücken auf dem Oberdeck der Titanic“.

Unterstützung bekam der Euro teils von den neuesten US-Konjunkturdaten, die gemischt ausfielen. So ging der Chicagoer Einkaufsmanagerindex im Mai auf 54,1 (April: 65,6) Punkte zurück. Befragte Volkswirte hatten nur einen Rückgang auf 62,0 Punkte erwartet. Dagegen stieg der vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Index zum Verbrauchervertrauen auf 102,2 (97,5) Punkte. Analysten hatten mit einem leichten Rückgang auf 96,5 Punkte gerechnet. Folker Hellmeyer, Volkswirt bei der Bremer Landesbank, vermutet, dass die US-Verbraucher sich in ihrer Stimmung von steigenden Aktien- und Rentenkursen leiten lassen. „Die Verbraucher sind etwas oberflächlicher als die Manager, die sich die Ökonomie anschauen“, spielte Hellmeyer auf den Einkaufsmanagerindex aus Chicago an.

Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone belasteten den Euro zusätzlich. So sank das Verbrauchervertrauen in Frankreich stärker als erwartet. Auch die deutschen Arbeitsmarktdaten signalisierten keine konjunkturelle Belebung. Wegen der schwachen Konjunkturentwicklung in der Euro-Zone nimmt seit Tagen der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) zu, den Leitzins von derzeit zwei Prozent zu senken. In den USA hat die Notenbank dagegen ihren Leitzins seit Sommer vergangenen Jahres um zwei Prozentpunkte auf drei Prozent erhöht. Weitere Zinserhöhungen gelten als sicher, so dass der Zinsvorteil des Dollar sich weiter ausweiten dürfte.

Die EZB legte den Referenzwert des Euro mit 1,2331 (Vortag 1,2472) Dollar fest. Im Referenzkursverfahren der Banken (EuroFX) fiel der Euro auf 1,2323 (1,2501) Dollar.

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