Freigabe des Yuan
China probt die kapitalistische Revolution

In Shanghai sollen die Banken des Landes mit freier Wirtschaft experimentieren können – wie im Sandkasten. Sogar der Yuan wird in der Sonderzone erstmals handelbar. Ein Test, hinter dem ein größerer Plan steckt.
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PekingDie Freigabe der Währung, freier Kapitalmarkt, moderne Finanzprodukte - für China war all das bisher zu kapitalistisch. Doch jetzt richtet die Führung des Landes ein Labor ein, in dem die Wirtschaft des Landes nach Herzenslust herumprobieren kann.

Geplant ist eine Freihandelszone in Shanghai, in der bisherige Regulierungen außer Kraft gesetzt sind. „Die Experimente sollen Finanzreformen inklusive Zinsliberalisierung und voller Konvertibilität für den Yuan umfassen“, sagt Ökonom Qu Hongbing von der Großbank HSBC, der mit den Plänen vertraut ist. „Das wird ein Turbolader für Chinas Finanzreformen.“

Die chinesische Regierung beginnt so ihren nächsten großen Versuch mit angewandtem Kapitalismus. Nachdem Industrie und Handel in China bereits weitgehend marktwirtschaftlich funktionieren, ist nun die Finanzindustrie dran. Und so wie die freie Produktion von Waren einst auf Sonderzonen wie Shenzhen beschränkt war, soll sich auch die Geldwirtschaft zunächst in abgezäunten Bereichen austoben, bevor Peking die Erfahrungen auf das ganze Land ausdehnt.

Mit Segen von ganz oben will Shanghai einen seiner Häfen zusammen mit Teilen des neuen Entwicklungsgebietes Pudong zu der neuen Freihandelszone zusammenbinden. Das Projekt soll am 27. September mit einer feierlichen Zeremonie beginnen, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Der eigentliche Freihandel beginnt frühestens im kommenden Jahr. Neben Finanzreformen ist auch die Einrichtung eines Umschlagplatzes für reale Waren geplant.

Ökonomen zufolge kommt das Projekt genau zur richtigen Zeit. Auch nach 35 Jahren von Öffnung von Reformen sind große Teile der chinesischen Wirtschaft noch streng reguliert. Das gesamte Finanzsystem befindet sich fest in staatlicher Hand: Alle Banken, Wertpapierfirmen und Versicherer gehören der Regierung. Die Spielregeln erlauben keine pfiffigen Finanzprodukte. Deshalb läuft ein Großteil der Finanzierung in China über Bankkredite. Die Zinsen dafür sind staatlich festgesetzt.

Um das Land herum erhebt sich unterdessen die „Chinesische Finanzmauer“. Kapital kommt weder herein noch hinaus, wenn keine Dokumente mit vielen roten Stempeln die Bezahlung einer realen Ware belegen. Die Währung ist daher nicht in das System internationaler Handelsstellen eingebunden - es gibt für sie keinen Marktpreis. Stattdessen legt die Zentralbank den Kurs mehr oder minder willkürlich fest.

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In Shanghai wird alles anders

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Eine langfristige Strategie

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  • Da mögen ja noch so viele Fachleute, Experten, Kenner und sonstige Weisen noch so lange herum diskutieren.

    Allen ist ein Faktor genau so unbekannt, wie das innere des schwarzen Loches, welches sich im Zentrum unserer Galaxie befinden soll: Die Spielsucht der chinesischen Bevölkerung, die es nun einmal vorzieht, durch Glück und nicht durch Arbeit zu Milliardären zu werden.

    Dafür verzockt der Durchschnittsspielsüchtige in China notfalls sogar seine Großmutter und -vater, die ihm ansonsten heilig sind. Und vergessen wir eines doch bitte nicht: Die immensen wirtschaftliche, sozialen und menschlichen Zerstörungen, die den Chinesen mittels der britischen Opiumhandelskriminellen zugefügt wurden, werden das Ausmass der chinesischen Selbstzerstörung durch Finanzzockereien um ein Tausendfaches übersteigen und sogar noch uns hier in Europa Schäden unvorstellbaren Ausmasses zufügen.

    Die Finanzspekulations- und –anlagenbetrugswirtschaft, die Europe und die USA an den Rand des Bankrotts geführt hat, kann etwa auf ein Potential von 1/10 des in der VR China vorhandenen.
    Das ganze wird ein finanznuklearer Sprengsatz mit ca. 10.000.000 Megatonnen.

  • Ich sach mal so... Yuan wird das gleiche Spiel wie Dollar, EURO usw. machen.
    Die Casinos dieser Welt zocken mit Geld ohne Ende.
    Ach ja .... es sind doch die selben Leute, oder glaubt hier ein Mensch etwa an einen Neuanfang ?
    China und die Turbo-Kommunisten/Kapitalisten´... wie auch immer, haben eine Diktatur des Kapitals geschaffen, dass nur für wenige Kader und Familien arbeitet.

  • Die Hardenbergschen Reformen - sic

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