Freispruch
Weiter kein Schuldiger im Gold-Skandal

Fehlinformationen, Millardenverluste, mysteriöse Todesfälle: Es war der größte Schwindel in der Geschichte des Bergbaus. Zehn Jahre nach dem Bre-X-Skandal gibt es immer noch keinen Schuldigen, der zur Rechenschaft gezogen werden kann. Der bisher einzige Prozess um vorgegaukelte Edelmetall-Vorkommen in Indonesien endete ohne Schuldspruch.

gbr OTTAWA. Wie kanadische Medien melden, sprach ein Richter am Gerichtshof der Provinz Ontario am Dienstag John Felderhof, den früheren Chef-Geologen des kanadischen Unternehmens Bre-X, vom Vorwurf des illegalen Insiderhandels und der bewussten Fehlinformation von Investoren frei. Bre-X saß, so meinten die Investoren damals, in Borneo auf einem der größten Goldlager der Welt – bis sich herausstellte, dass die Gesteinsproben offenbar verfälscht und die Proben fast wertlos waren.

Die Bre-X-Geschichte ist wie ein Krimi: Der Traum vom weltweit größten Golddepot; Aktienpreise in astronomischer Höhe; dann der Verdacht des Schwindels und der Zusammenbruch der Aktien, der Verlust von Milliardenwerten; ein Geologe, der – unter nach wie vor ungeklärten Umständen – über dem Dschungel von Borneo aus einem Hubschrauber fällt, angeblich, um seinem Leben ein Ende zu setzen; ein CEO, der einem Hirnschlag erliegt, bevor er zur Rechenschaft gezogen werden kann. Der Bre-X-Skandal von 1997 erschütterte die Glaubwürdigkeit der kanadischen Bergbauindustrie.

Der 67-jährige John Felderhof, der frühere Chef-Geologe von Bre-X, ist der einzige Verantwortliche aus der Führung von Bre-X, der überhaupt angeklagt wurde – allerdings nicht wegen strafrechtlicher Verfehlungen nach dem Strafgesetzbuch, sondern wegen illegalen Insider-Handels mit Bre-X-Aktien und falscher Informationen, die in Bre-X-Presseerklärungen enthalten waren und unter denen Felderhofs Name stand.

Überraschenderweise hatte die kanadische Bundespolizei RCMP Ende der 90-er Jahre befunden, dass es keine ausreichenden Beweise für eine Anklage gebe. Felderhofs aktueller Aufenthaltsort ist unbekannt. Er war zwar zeitweise den Verhandlungen vor dem Gerichtshof der Provinz Ontario gefolgt, aber selbst nicht ausgesagt. Zur Urteilsverkündung war er nicht nach Toronto gereist. Ob er sich in Kanada aufhält oder in Indonesien oder in der Karibik war nicht zu erfahren.

Mitte der 90-er Jahre war Bre-X, das kleine, in Calgary ansässige Berbauunternehmen, der Liebling der Anleger an der Börse in Toronto. John Felderhof und David Walsh, Chief Executive Officer von Bre-X, gehörten zu den begehrtesten Partnern in der kanadischen Bergbauindustrie. Walsh hatte Bre-X Minerals Ltd. 1989 gegründet. Vier Jahre später schloss sich der in den Niederlanden geborene, aber in Kanada aufgewachsene Felderhof dem Unternehmen an. Er überzeugte Walsh, im Gebiet des Busang-Flusses auf der zu Indonesien gehörenden Insel Borneo zu investieren, weil er an große Goldvorkommen in diesem Gebiet glaubte.

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