Fremdwährungen
Wenn das Geldparken Geld kostet

Zwei der weltgrößten Depotbanken werden ihre Kunden künftig zur Kasse bitten, wenn sie Schweizer Franken oder dänische Kronen parken wollen. Weil der Euro schwächelt, flüchten viele in vermeintlich sichere Währungen.
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Schon ab dem 1. November will State Street einen negativen Jahreszins von 0,75 Prozent auf Kronen-Einlagen berechnen, wie aus einer Mitteilung an Kunden hervorgeht. Auch beim Franken solle es eine Extra-Gebühr von 0,25 Prozent jährlich geben. BNY Mellon hat bereits im vergangenen Monat damit begonnen, für Kronen-Einlagen gesonderte Gebühren zu verlangen. Das erfuhr Bloomberg aus informierten Kreisen. Eine Gebühr für Franken gebe es hier aber noch nicht, wie es hieß.

Das bedeutet nichts anderes, als dass Vermögensverwalter, Versicherer, Pensionsfonds und auch andere Kunden die Banken für das Halten ihrer Bar-Einlagen in dänischen Kronen oder Franken jetzt bezahlen müssen.

Dänemark und die Schweiz hatten ihre Leitzinsen auf nahe oder sogar unter die Null-Marke gesenkt, um die jeweiligen Währungen vor einer zu starken Aufwertung zu bewahren. Zuvor waren viele Investoren in die beiden Währungen geflüchtet, weil sie ein Auseinanderbrechen des Euro befürchteten.

Für die Banken besteht die Gefahr, dass sie mit negativen Zinsen einige Kunden verscheuchen. Auf der anderen Seite wollen sie ihre Gewinnmargen schützen - die Differenz zwischen dem, was sie für die Einlagen von Kunden bezahlen, und dem, was sie mit Investments verdienen können.

“Es sieht kundenunfreundlich aus. Aber weil State Street hauptsächlich mit institutionellen Investoren zu tun hat, glaube ich, dass die Leute mehr Verständnis haben”, sagt Richard Herring, Professor für International Banking an der University von Pennsylvania in den Vereinigten Staaten.

Negativ-Zinsen sind ein Symptom der europäischen Schuldenkrise. Sie hatte die die üblichen Verhaltensmuster beim Sparen und bei der Kreditvergabe in der Welt durcheinander gebracht. Einleger und Banken versuchten sich abzusichern, für den Fall, dass ein Land oder sogar mehrere die Eurozone verlassen. Letztes Jahr mussten Banken, die griechische Staatsanleihen besaßen, hohe Wertabschläge hinnehmen, weil das Land kurz vor dem Zahlungsausfall stand.

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  • Das ist genau der richtige Weg.
    Das Lagern von Geld muß Geld kosten, vor allem, um Geld in den materiellen Wirtschaftskreislauf zu schleusen. Wir müssen weltweit die reine Spekulation zu Gunsten der produzierenden Realwirtschaft eindämmen. Geld arbeitet nicht - Menschen und Unternehmne arbeiten!

    Aber so lange unsere Finanzpolitik von Goldman Sachs und Konsorten dominiert wird, werden wir wohl keine Änderungen am herrschenden System vornehmen können.

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