Fünf Fragen an: Dennis Meadows
„Wir zerstören die Basis für Arbeitsplätze“

Dennis Meadows ist Zukunftsforscher beim Club of Rome. Dem Handelsblatt beantwortet er vier Fragen über die globale Entwicklung und wie sich diese positiv gestalten lässt.

Ihr 30-Jahre-Rückblick klingt viel pessimistischer als 1972. Warum?

Weil die physischen Probleme doppelt so groß sind: Weltbevölkerung und Industrieproduktion haben sich verdoppelt, der Konsum hat viele Ressourcen zerstört, die Tragfähigkeit der Erde ist überschritten und der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen, selbst beim Wechsel auf vorindustriellen Energieverbrauch. Wir können aber – wenn wir schnell reagieren – Lösungen finden, um Nahrungsmittelknappheit, Umweltvergiftungen und Wirtschaftskrisen zu vermeiden.

Kritiker sagen, Ihre Prognosen seien nicht eingetreten und nicht realistisch.

Mich erstaunt, dass die Leute immer noch denken, wir hätten einen Kollaps prognostiziert. Das ist falsch. Wir haben nichts prognostiziert, sondern viele mögliche Szenarien aufgezeigt. In allen dauert das Wachstum bis ins 21. Jahrhundert an. Bei unveränderter Wirtschaftsweise und materiellem Wachstum droht dann ein Zusammenbruch. Die Welt kann nicht sechs Milliarden Menschen ernähren, geschweige denn bei westlichem Konsumstandard.

Was ist zu tun? Wer hat die wichtigste Rolle: Regierungen, Unternehmen, Verbraucher?

Alle müssen einen viel längeren Zeithorizont haben und Kosten und Nutzen auf zehn, 15, 100 Jahre kalkulieren. Sie müssen entscheiden, dass es unakzeptabel ist, wenige Reiche und viele Arme zu haben – materielles Wachstum verursacht das aber. Die Zukunft bringt nicht Katastrophe oder Utopie, sondern man kann versuchen, es besser zu machen als es sonst wäre. Dafür müssen wir qualitatives Wachstum, so bei Bildung und Dienstleistungen, fördern, die Nutzung fossiler Energien drastisch reduzieren und ebenso Chemie in Lebensmitteln. Wenn wir die natürlichen Ressourcen zerstören, zerstören wir die Basis der Wirtschaft und vernichten Arbeitsplätze.

Sind die vielen internationalen Initiativen keine positiven Signale?

Ja, aber das Wachstum ist so schnell, dass die Lage insgesamt schlimmer wird. Bei exponentiellem Wachstum sieht es lange Zeit so aus, als ob nichts passiert – da stehen wir noch – bis sich plötzlich die Lage drastisch wandelt. Anders als die Ölknappheit wird der Klimawandel plötzlich, binnen weniger Jahre eintreten, wie geologische Studien zeigen. Kyoto kann ihn nicht stoppen, aber ist wichtig, um die Leute dazu zu bringen, nach Lösungen zu suchen.

Was bedeuten Klimawandel und Erdölknappheit für Deutschland?

Die Konsequenzen sind enorm. Die globale Erdölproduktion wird in diesem oder kommenden Jahrzehnt ihr Maximum erreichen. Der Ölpreis wird teurer, und Energiegewinnung bindet zunehmend Kapital – zulasten anderer Aktivitäten. Das setzt die deutsche Auto-orientierte Kultur unter Druck: Öl wird vor 2020 rationiert werden, denn es wäre politisch unkorrekt, wenn sich nur noch die Reichen Auto fahren leisten könnten. Andererseits steigen die Transportkosten so stark, dass es künftig wieder attraktiver sein kann, in Deutschland zu produzieren statt in China.

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