Gallium
Die Mikrogramm-Falle

Wer heute das exotische Metall Gallium in den Händen hält, birgt einen Schatz. Ein Kilogramm kostet etwa 400 US-Dollar. Gallium ist ein wertvoller und begehrter Rohstoff der Elektronikindustrie geworden. Seltene Metalle sind Schlüsselelemente für die IT-Branche.

BERLIN. Jährlich werden 150 bis 190 Tonnen Gallium produziert, die fast ausschließlich zu Halbleitern verarbeitet werden. Ohne das Material könnten viele Solarzellen keine Energie liefern. Kein Handy würde läuten und keine Leuchtdiode strahlen.

Der kometenhafte Aufstieg des Galliums ist kein Einzelfall. Auch die seltenen Elemente Indium, Germanium, Selen und Tellur finden sich inzwischen in Computern, Telefonen und Fernsehern. Jedes Gerät braucht zwar nur wenige Mikrogramm der kostbaren Stoffe. Aber der Bedarf an seltenen Metallen summiert sich auf mehrere Dutzend bis Hundert Tonnen jährlich. „Die Nachfrage nach den seltenen Metallen wird steigen, weil der Trend zur Miniaturisierung anhält“, erwartet Markus Wagner, Rohstoffexperte bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover.

Doch die Elektronikindustrie steuert geradewegs auf einen Engpass bei den seltenen Metallen zu. Das Angebot der Materialien kann schon heute nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten. Ein aktuelles Beispiel ist Indium: Zwei Drittel des weltweit benötigten Indiums werden zu Indium-Zinnoxid verarbeitet. Auf Glas aufgedampft, bildet es die durchsichtigen Zuleitungen für Flachbildschirme und Fernsehmonitore. Diese sind gefragt wie nie zuvor. Deshalb schoss der Preis für Indium von 60 Dollar je Kilogramm innerhalb von drei Jahren auf rund 1 000 Dollar. Der US Geological Survey errechnete, dass der Rohstoff bis zum Jahr 2011, maximal bis 2013, reichen wird.

Bei elektronischen Metallen öffnet sich eine Schere zwischen Verfügbarkeit und Bedarf, schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Köln. Die Ursachen dafür liegen in der Gewinnung: Bis heute werden die seltenen Metalle nicht eigens abgebaut. So wird Gallium bei der Herstellung von Aluminium abgezweigt. Indium und Germanium sind wiederum den Zink-Produzenten ein Dorn im Auge, weil sie dieses Metall verunreinigen. „Die elektronischen Metalle segeln im Windschatten der großen Hauptprodukte, deshalb reagieren die Anbieter gar nicht oder nur äußerst zögernd auf die steigende Nachfrage“, so Wagner. Bedarf und Angebot der elektronischen Metalle sind weitgehend entkoppelt. Diese Konstellation entpuppt sich als die Achillesferse der Elektronikindustrie.

„Die Rohstoffe könnten künftig auch aus gänzlich anderen Lagerstätten gewonnen werden“, mutmaßt Wagner. So sind die Kupfer-vorräte meist viel reicher an Indium als die derzeit genutzten Zink-Lagerstätten. Doch beide Rohstoffe lassen sich nur mit komplizierten und kostspieligen Verfahren trennen. In der einzigen europäischen Kupfermine Neves Corvo in Portugal will man den Indium-Schatz nun dennoch heben. Nachdem die einstigen Grubenbesitzer jahrelang nur Kupfer und Zinn im Blick hatten, hat der neue Eigentümer jetzt angekündigt, Indium und Zink aus dem Erdreich zu schürfen.

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