Gasstreit verschärft Vertrauensverlust: Der Rubel rutscht weiter ab

Gasstreit verschärft Vertrauensverlust
Der Rubel rutscht weiter ab

Auch im neuen Jahr verliert der Rubel stetig an Wert zu Euro und Dollar. Neben dem sinkenden Ölpreis sorgt offenbar auch der Gasstreit mit der Ukraine, der eine bisher ungekannte Schärfe erreicht hat, für Druck auf die Landeswährung.

MOSKAU. Am Montag, dem zweiten Handelstag nach den russischen Neujahrsferien, sackte der Rubel um 1,7 Prozent auf ein Sechsjahrestief zum Dollar, nachdem die Zentralbank zweimal innerhalb von zwei Tagen eine Abwertung erlaubt hatte. Zum Euro gab der Rubel um ein Prozent nach. Seit August 2008 hatte die russische Währung bereits elf Prozent zum Euro verloren.

Noch hält die Zentralbank allerdings an ihrer Strategie einer schrittweisen Abwertung fest - vor allem aus politischen Gründen. So hatte die russische Führung um Präsident Dmitrij Medwedjew und Regierungschef Wladimir Putin ihren Bürgern wiederholt versprochen, dass es keine drastischen Schnitte geben werde, wohl auch aus Angst vor einem Sturm der Sparer auf die Banken. Dennoch haben viele Bankkunden bereits ihr Geld abgezogen oder in Dollar und Euro gewechselt, was den Druck auf die Landeswährung weiter erhöht. Ein weiterer Faktor ist der große Bedarf russischer Unternehmen an ausländischen Währungen zur Refinanzierung ihrer Verbindlichkeiten. Die Firmen wollen sich eindecken, bevor der Rubel weiter fällt.

Die Investmentbank Troika Dialog weist in diesem Zusammenhang auf eine interessante Entwicklung hin: Viele Unternehmen seien inzwischen zu einer Art Barter-Handel (Tausch) zurückgekehrt - wie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Ziel sei es, die freien Mittel in Rubel nicht zur Begleichung von Rechnungen einzusetzen, sondern in Dollar zu tauschen.

Die Finanzkrise hat sich in Russland immer stärker zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise ausgeweitet, die vor allem auch den Konsum schwächt. Das Geschäftsklima hat sich zudem zunehmend eingetrübt. Das Institut für Globalisierung erwartet gar, dass sich die Zahl der Arbeitslosen in 2009 auf zehn Mio. verdoppeln werde.

Präsident Medwedjew will nun die Zinsen senken, um der Wirtschaft einen Impuls zu geben. Die Äußerungen des Kremlchefs deuten nach Ansicht von Wladimir Osakowskij von Unicredit in Moskau darauf hin, dass in der Moskauer Führung die Unruhe über die Lage wächst. Nicht auszuschließen sei daher auch, dass dies zu einer Änderung der strengen Geldpolitik führe, schreibt Osakowskij. Denn: Vor allem die schrittweise Rubelabwertung führe zur wachsenden Kapitalflucht ins Ausland.

Nach Schätzung von BNP Paribas haben Investoren inzwischen 200 Mrd. Dollar aus Russland abgezogen. Der schwelende Gasstreit mit der Ukraine tut ein Übriges, um das Vertrauen in Russland zu erschüttern.

Die aktuelle Geldpolitik kommt zudem teuer: Seit August hat die Zentralbank fast ein Drittel der Währungsreserven des Landes verbraucht, um die Schwankungen des Rubels auszugleichen - rund 160 Mrd. Dollar. Die Analysten von Renaissance Capital erwarten daher, dass die Verantwortlichen die Geschwindigkeit der Abwertung erhöhen werden und rechnen mit einem weiteren Absacken zum Dollar bis Ende des Monats um 16 Prozent. Wenn die Währungshüter weiter bei ihren täglichen kleinen Schritten blieben, würde dies auch nur die Erwartung eines radikalen Schrittes nähren, heißt es bei der russischen Investmentbank.

Zentralbank-Vize Alexej Ulukajew sieht dies genau anders: "Wenn wir den Wechselkurs in einem Schritt hätten fallen lassen, wer garantiert denn, dass die Leute glauben, wir würden das nicht wieder tun?", sagte er der Zeitung Wedomosti.

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