Gefahr einer Ölkrise
BP warnt vor Engpässen beim Öl

Hohe Steuern und teure Lagerstätten verringern derzeit die Ölfördermenge, sagt BP-Chef Tony Heyward. Auch die Internationale Energieagentur warnt: Das Angebot könne derzeit nicht mit der Nachfrage mithalten. Wenn die Opec die Fördermenge nicht erhöhe, könne das Öl bald knapp werden.

LONDON. Politische Einflussnahme ist nach Überzeugung von BP-Chef Tony Hayward der Hauptgrund für Engpässe auf dem Weltölmarkt und steigende Preise. Staaten, die ihre Lagerstätten nationalisierten, zu hohe Steuern auf die Produktion verlangten und Regionen für die Exploration sperrten, seien dafür verantwortlich, dass die globale Ölförderung zu langsam steige.

Auf der Nachfrageseite wiederum unterbinde die weit verbreitete Subventionierung der Treibstoffpreise in Schwellenländern die normale Marktreaktion auf stark steigende Preise, sagte Hayward gestern in London bei der Vorstellung von BPs Statistischem Jahrbuch zum Weltenergiemarkt.

Das Jahrbuch, eine der meistbeachteten Datensammlungen der Energiebranche, zeigt, dass die globale Ölproduktion 2007 trotz kräftig steigender Preise zum ersten Mal seit fünf Jahren geschrumpft ist. Sie sank um 0,2 Prozent oder 130 000 Barrel (je 159 Liter) am Tag auf 81,5 Mill. Barrel am Tag. Der Ölverbrauch stieg hingegen um 1,1 Prozent oder eine Million Barrel auf 85,2 Mill. Barrel täglich. "Manche Leute führen technische Faktoren wie die Spekulation oder den schwachen Dollar als Gründe für die jüngsten Ölpreissteigerungen an", sagte Hayward. Das sei falsch: "In Wirklichkeit geht es hier aber um die Fundamentaldaten, um die Balance zwischen Angebot und Nachfrage."

Ähnlich argumentierte gestern der Direktor der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Nobuo Tanaka, der die Lage in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg in Tokio mit dem Wort "Ölkrise" beschrieb. "Wir haben ein kritisches, strukturelles Problem auf dem Ölmarkt, denn das Angebot hält nicht mit der Nachfrage Schritt."

Der Generalsekretär der Vereinigung der Ölexporteure Opec, Abdalla el-Badri, wiederholte jedoch sein Credo, wonach genug Öl auf dem Markt ist. Der Preis sei allein von Spekulanten auf den Ölterminmärkten getrieben. Die Opec bleibe dabei, nicht vor Anfang September über eine Erhöhung ihrer Förderquoten zu reden. Am 22. Juni wollen sich die Opec-Staaten jedoch auf einem Gipfel mit wichtigen Kundenländern über die Lage auf dem Ölmarkt beraten.

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