Geldanlage
Das Endspiel am Goldmarkt hat begonnen

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Spätestens wenn eines der beiden großen Südländer an den Tropf muss, steht auch Deutschland als letzter Hort von Stabilität auf der Kippe - und muss sich fragen lassen, wie lange es noch zahlungsfähig bleibt. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble reden hart, dürften aber neuen Hilfszahlungen und weiterer Schuldenaufnahme zustimmen. Zu stark ist der Druck der Euro-Länder - und der deutschen Banken, die Banken, Unternehmen und öffentlicher Hand in Spanien und Italien laut Bundesbank 280 Milliarden Euro geliehen haben.

Knickt Deutschland ein, wird die EZB mehr Staatsanleihen kaufen und die Notenpresse schneller laufen lassen. Ziehen die Preise an - was bei Aktien und Rohstoffen schon begonnen hat und sich mit Verzögerung in der Realwirtschaft fortsetzen wird -, werden sich Inflationserwartungen verstärken. Dann steigt die Umlaufgeschwindigkeit des Papiergelds, weil Menschen sich rasch von ihm trennen wollen. Spätestens dann wird die Goldnachfrage dramatisch steigen. Anleger sollten darauf vorbereitet sein. Die Hedgefondsmanager sind es bereits.

Auf der Fensterbank in seinem Büro im 24. Stock in Midtown Manhattan drängelt sich ein Dutzend putziger Stoffbären gleich neben den Familienfotos mit Frau und drei Kindern. Der 42-jährige David Einhorn, Präsident von Greenlight Capital, der im strahlend weißen Hemd und mit hellblauer Krawatte davorsitzt, wirkt jünger, mit seinem bubenhaften Gesicht und seiner sanften, fast schüchternen Stimme. Doch der Hedgefondsmanager liebt es alles andere als kuschelig: In der Finanzkrise wettete er gegen die Investmentbanken Bear Stearns und Lehman Brothers - und gewann. Einhorn hortet seit gut einem Jahr physisches Gold. Wie viel er genau bunkert, lässt sich nur schätzen: Ursprünglich hielt der begnadete Pokerspieler 4,2 Millionen Anteile am SPDR Gold Trust. Doch die tauschte Einhorn 2009 um, in 420 000 Unzen Gold.

Gold für die Altersvorsorge

Offizielle Begründung: Die Lagerkosten seien niedriger als die Gebühren für den Gold-ETF. Doch womöglich wollte Einhorn lieber direkten Zugriff auf das Gold haben, so wie der Kanadier Eric Sprott. Der hat einen eigenen Goldfonds aufgelegt, weil er anderen Anbietern nicht so ganz glaubt, dass diese das Geld der Anleger tatsächlich komplett in Goldbarren investieren.

Während Paulson, Einhorn und Sprott ihre Goldpositionen konsequent durchhalten - bis zum großen Finale im Gold-Bullenmarkt, nehmen andere Hedgefondsgrößen starke Aufwärtsschübe beim Goldpreis auch schon mal zum Anlass, um Gewinne mitzunehmen. Ganz trennen vom Gold will sich aber auch von ihnen niemand mehr. So verkaufte der Hedgefonds von Investor-Legende George Soros im dritten Quartal zwar über eine halbe Million Anteile SPDR Gold Trust, besitzt aber weiter Goldansprüche im Wert von fast 690 Millionen Dollar. Auch Eton Park Capital, ein vom ehemaligen Goldman-Sachs-Händler Eric Mindich gesteuerter Hedgefonds, verringerte den Bestand um zwei Millionen auf 4,6 Millionen Anteile. Chris Shumway, ebenfalls ein ehemaliger Goldman-Händler, schreckte der Goldpreisanstieg dagegen nicht. Er stieg ein in den Goldpoker und kaufte zwischen Juli und Ende September 2,1 Millionen Anteile.

Kommentare zu " Geldanlage: Das Endspiel am Goldmarkt hat begonnen"

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  • 37 auenland - sehr richtig analysiert - großen Teils besser als der Artikel!
    ich glaube, man wird 50 Maßanzüge kaufen können, für eine Unze Gold - und die noch greifbaren Verantwortlichen für die Zinseszins-Misere samt ihrer Lohnschreiber werden - mit viel Glück - gesiebte Luft atmen...

  • Ausgezeichneter Artikel!
    Vieles spricht dafür, daß Gold noch LANGE nicht in einer blase ist:

    1. Überschuldung. im Gegensatz zu den 80ern, befindet sich heute die GESAMTE WESTLiCHE WELT in einem Zustand der ÜbERSCHULDUNG.

    2. Keine Wachstumsaussichten. im Gegensatz zu den 90ern, als die Computertechnik und anschließend die informationstechnik enorme Wachstumsschübe auslöste, welche über das Wachstum die bedienung der Zinsen ermöglichten, haben wir heute wesentlich höhere Zinslasten, bei vollständig gestättigten Märkten.

    3. Expontentielles Wachstum kennt nur der Krebs. Es ist ein WirtschaftsWACHSTUM jährlich etwa 2,5% notwendig, damit die Arbeitslosigkeit nicht STEiGT.
    Diese 2,5% bedeuten einen exponentiell steigenden Energieverbrauch, Rohstoffverbrauch, Ressourcenverbrauch.
    Aufgrund dieses zutiefst kranken, verbrecherischen Schuldgeldsystems der "Demokratien", wird der gesamte technologische Fortschritt von der Zinssklaverei mehr als aufgefressen und wir verbrauchen nicht weniger, sondern immer mehr Energie und Ressourcen.
    Das ganze Umweltschutzgetue ist bei einem kurzen blick auf das Geldsystem sofort als Heuchelei zu erkennen. Wer Umwelt und Planeten schützen will, muß die ZiNSKNECHTSCHAFT bESEiTiGEN.

    4. Realzinsen bestimmen den Goldpreis. Das Ende des Goldbooms in den 80ern wurde durch steigende Realzinsen bewirkt. Paul Volcker, Chef der US-Notenbank hob die Zinsen für US-Staatsanleihen auf mehr als 15% an.
    Das ging beim damaligen Schuldenstand der USA noch.
    Heute, bei gesättigten Märkten, überschuldeten Verbrauchern und Staaten ist dieser Weg schwer vorstellbar, ohne sofortige Zahlungsunfähigkeit auszulösen.

    5. Euro als Fehlkonstruktion. Aktuell erleben wir, wie die marxistische Fehlkonstruktion des Euro dazu führt, daß die Staaten, die etwas weniger pleite sind als andere, jetzt auch nach unten gezogen werden und höhere Zinsen zahlen werden.
    Um ein sofortiges Zerbrechen dieser Fehlkonstruktion zu verhindern, wird geklammert und das Problem nach hinten geschoben: man vergrößert "Rettungsschirme" und später, weil auch das nicht das Problem der Unterschiedlichkeit der Produktivität der Völker lösen kann, werden die Euro-Anleihen kommen!
    Das kann sich so noch ein paar Jahre hinziehen.

    Deshalb läßt sich die jetzige Entwicklung m.E. überhaupt nicht mit der 80er-Goldblase vergleichen. in den 80ern war nicht das Ende eines Kondratieffzyklus. Jetzt aber kommt er!

    im übrigen bin ich der Überzeugung, daß nach 60 Jahren noch nie erreichter Wohlstandsvertrottelung es auch höchste Zeit ist, daß Mutter Natur die Kreatur Mensch wieder auf den boden der Tatsachen herunterholt. inzwischen scheinen zu viele gar nicht mehr erkennen zu können, daß sie alleine überhaupt nichts sind und können und daß sie ihren hohen Zivilisationsgrad keineswegs einer fortschrittlichen Entwicklung zu verdanken haben, sondern einzig und allein den billigem fossilen Energieträgern.
    Es wäre nicht das Schelchteste, wenn die Millionenstädte wieder verschwinden würden und das Raubtier der Spezies Mensch um 90% reduziert werden würde.

  • @33
    Es darf ja jeder seine Meinung habe und vertreten!

    ich habe nicht geschrieben, daß ich alles reglementiert haben möchte. Darüberhinaus glaube ich sind wir uns doch wohl alle einig, daß das was hier geschrieben wird Stammtischgeplauder ist...
    Weil die Dinge oft nicht so einfach zu regeln sind.

    Zu dem Thema Regulieren: Geld ist wie Wasser - es sucht sich (noch extremer als Wasser) den Weg des geringsten Widerstands.
    ich bin sehr wohl der Meinung Angebot und Nachfrage treffen auf dem Markt zusammen und regeln den Markt.
    Aber in den Modellen wird immer ein homogener Markt vorausgesetzt!!! Diesen gibt es nicht und einen freien Markt gibt es schon allein wg. der Handelsbeschränkungen schon nicht (ob direkte H. wie Zölle, oder Einfuhrbeschränkungen, oder indirekte wie Zulassungsverfahren im Pharmabereich etwa).
    Ein beispiel: Mir ist klar, daß Kontrakte (Futers, Optionen...) in der Realwirtschaft dazu dienen, daß Preise (bsp. Wechselkurse bei Währungen, oder Einkaufspreise bei Rohstoffen...) auf eine bestimmte Zeit kalkulierbar bleiben, aber ich kann nicht verstehen, wofür wir ungedeckte Leerverkäufe brauchen (= ich verkaufen ein Gut, daß ich nicht besitze auf Termin), viele Spekulanten hebeln diese Leerverkäufe dann um den Gewinn auszureitzen. Hier wird eine künstliche Nachfrage erzeugt, die mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun hat. Kann sich noch jemand an die Kursexplosion bei VW erinnern? Dies ist entstanden weil Hedgefonds die Aktie leerverkauft haben (weil sie von geringeren Autoverkäufen ausgegangen sind, ergo fallende Kurse bei der Aktie), Porsche dann veröffentlicht hat, daß über Optionen usw. bereits etwa 75% der Aktien in ihrem besitz hatte, die Hedgefondsmanager festgestellt haben, daß nur noch 25% im freien Handel verfügbare Aktien waren und nun wurde gekauft weil man ja irgendwann die Position schließen mußte!!! Nun ging es nicht mehr um die Autoverkäufe, sondern um eine Wette die nicht aufgegangen ist!!! Das hat mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun.

    Aber eines muß ich natürlich zugeben: für mich gilt natürlich auch, daß dies nur ein Teil des Problems ist und ich mir nicht anmaßen möchte DiE Lösung parat zu haben. Denn wenn man bspw. Leerverkäufe verbietet muß man das Weltweit tun und die Amerikaner werden dabei nie mitmachen. Das liegt schon an deren Regierungsbildung: Der größte Spekulant weltweit ist Goldman Sachs --> die Hälfte der im US-Finanzministerium beschäftigten Mitarbeiter war bei GS und dies setzt sich bei der FED fort!!!

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