Geldanlage: Das Endspiel am Goldmarkt hat begonnen

Geldanlage
Das Endspiel am Goldmarkt hat begonnen

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Deutsche Anleger, immerhin, stehen in den Startlöchern. Aus einer im Auftrag der Postbank erstellten Allensbach-Studie geht hervor, dass immer mehr Bürger eine Investition in Gold für sicherer halten als traditionelle Anlagen wie Lebensversicherungen oder Sparbriefe. 30 Prozent der Berufstätigen sehen im Gold eine "besonders sichere Altersvorsorge". Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 26 Prozent. Unter allen Berufstätigen, die ihre Altersvorsorge verstärken wollen, planen acht Prozent, Goldbarren und-münzen zu kaufen. Nur ist Planen noch nicht Handeln. Es wird mehr über Gold geredet und geschrieben, als es tatsächlich als Vermögensbaustein und Versicherung eingesetzt wird. Eine Versicherung benötigt man aber, bevor der Schadensfall eintritt. Nachher ist es zu spät und wird zu teuer.

Einer der Ersten, der sich hierzulande mit hohen Goldkurs-Prognosen aus dem Fenster lehnte, war der Fondsmanager Bert Flossbach. Schon vor fünf Jahren sagte er Kurse um 2 000 Dollar je Unze voraus. Ab zwei Millionen Euro Vermögen können Anleger die Dienste des ehemaligen Investmentbankers von Goldman Sachs in Anspruch nehmen. Wenn sie ihm dann nicht vehement widersprechen, steckt Flossbach bis zu 20 Prozent ihres Vermögens in Gold. Damit ist er einer der größten Goldkäufer Europas. Durchschnittlich 16 Prozent der Kundengelder, insgesamt 560 Millionen Euro, hat Flossbach derzeit in Gold investiert - über 18 Tonnen. Er hat mehr Gold gekauft als etwa die japanische Notenbank seit 1991.

Unter Profi-Anlegern ist Flossbach noch die große Ausnahme. Kein anderer deutscher Vermögensverwalter und keine Bank investiert auch nur annähernd so hohe Depotanteile in Gold. "Die meisten Banken empfehlen ihren Kunden drei oder vier Prozent Gold", weiß Flossbach, "am liebsten würden sie das Thema ganz umschiffen, aber die Kunden fragen es mittlerweile natürlich nach. In homöopathischen Dosen kann Gold aber nicht seine Funktion als Versicherung gegen große Verluste bei Nominalwerten, wie Anleihen, erfüllen", meint er, "10, besser 15 Prozent sollten es schon sein." Wie viel genau, hängt vom Aktienanteil im Depot ab: "Wer viele Aktien hat, braucht weniger Gold als jemand, der nur An-leihen, Tagesgeld und Lebensversicherungen besitzt", meint Flossbach. Er begründet das so: Früher wurde Gold primär als Versicherung gegen Wirtschaftskrisen und damit gegen fallende Aktienkurse gekauft. "In den vergangenen Jahren haben Gold und Aktien aber immer stärker korreliert", sagt Flossbach. Steigen die Aktien, steigt also auch Gold und umgekehrt.

Nie mehr unter 1 000 Dollar

Flossbach führt das auf die Geldpolitik zurück: "Das viele billige Geld fließt in alle Anlageklassen, Gold und Aktien werden außerdem zunehmend als Schutz vor Inflation wahrgenommen." Gold kauft er heute nicht, um Kursgewinne einzustreichen. Er sieht es als Versicherung gegen mögliche Unbilden, die einem Vermögen widerfahren können, vor allem gegen "den schleichenden Wertverlust des Geldes". Dazu brauche es gar keine Hyperinflation, sagt er, der Dollar hat auch ohne eine solche seit 1900 fast 99 Prozent Kaufkraft eingebüßt. Gold nicht. "Gold ist die Konstante", sagt er. Wird mehr Papiergeld erzeugt, muss man eben mehr davon einsetzen, um eine Unze Gold zu kaufen.

Kommentare zu " Geldanlage: Das Endspiel am Goldmarkt hat begonnen"

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  • 37 auenland - sehr richtig analysiert - großen Teils besser als der Artikel!
    ich glaube, man wird 50 Maßanzüge kaufen können, für eine Unze Gold - und die noch greifbaren Verantwortlichen für die Zinseszins-Misere samt ihrer Lohnschreiber werden - mit viel Glück - gesiebte Luft atmen...

  • Ausgezeichneter Artikel!
    Vieles spricht dafür, daß Gold noch LANGE nicht in einer blase ist:

    1. Überschuldung. im Gegensatz zu den 80ern, befindet sich heute die GESAMTE WESTLiCHE WELT in einem Zustand der ÜbERSCHULDUNG.

    2. Keine Wachstumsaussichten. im Gegensatz zu den 90ern, als die Computertechnik und anschließend die informationstechnik enorme Wachstumsschübe auslöste, welche über das Wachstum die bedienung der Zinsen ermöglichten, haben wir heute wesentlich höhere Zinslasten, bei vollständig gestättigten Märkten.

    3. Expontentielles Wachstum kennt nur der Krebs. Es ist ein WirtschaftsWACHSTUM jährlich etwa 2,5% notwendig, damit die Arbeitslosigkeit nicht STEiGT.
    Diese 2,5% bedeuten einen exponentiell steigenden Energieverbrauch, Rohstoffverbrauch, Ressourcenverbrauch.
    Aufgrund dieses zutiefst kranken, verbrecherischen Schuldgeldsystems der "Demokratien", wird der gesamte technologische Fortschritt von der Zinssklaverei mehr als aufgefressen und wir verbrauchen nicht weniger, sondern immer mehr Energie und Ressourcen.
    Das ganze Umweltschutzgetue ist bei einem kurzen blick auf das Geldsystem sofort als Heuchelei zu erkennen. Wer Umwelt und Planeten schützen will, muß die ZiNSKNECHTSCHAFT bESEiTiGEN.

    4. Realzinsen bestimmen den Goldpreis. Das Ende des Goldbooms in den 80ern wurde durch steigende Realzinsen bewirkt. Paul Volcker, Chef der US-Notenbank hob die Zinsen für US-Staatsanleihen auf mehr als 15% an.
    Das ging beim damaligen Schuldenstand der USA noch.
    Heute, bei gesättigten Märkten, überschuldeten Verbrauchern und Staaten ist dieser Weg schwer vorstellbar, ohne sofortige Zahlungsunfähigkeit auszulösen.

    5. Euro als Fehlkonstruktion. Aktuell erleben wir, wie die marxistische Fehlkonstruktion des Euro dazu führt, daß die Staaten, die etwas weniger pleite sind als andere, jetzt auch nach unten gezogen werden und höhere Zinsen zahlen werden.
    Um ein sofortiges Zerbrechen dieser Fehlkonstruktion zu verhindern, wird geklammert und das Problem nach hinten geschoben: man vergrößert "Rettungsschirme" und später, weil auch das nicht das Problem der Unterschiedlichkeit der Produktivität der Völker lösen kann, werden die Euro-Anleihen kommen!
    Das kann sich so noch ein paar Jahre hinziehen.

    Deshalb läßt sich die jetzige Entwicklung m.E. überhaupt nicht mit der 80er-Goldblase vergleichen. in den 80ern war nicht das Ende eines Kondratieffzyklus. Jetzt aber kommt er!

    im übrigen bin ich der Überzeugung, daß nach 60 Jahren noch nie erreichter Wohlstandsvertrottelung es auch höchste Zeit ist, daß Mutter Natur die Kreatur Mensch wieder auf den boden der Tatsachen herunterholt. inzwischen scheinen zu viele gar nicht mehr erkennen zu können, daß sie alleine überhaupt nichts sind und können und daß sie ihren hohen Zivilisationsgrad keineswegs einer fortschrittlichen Entwicklung zu verdanken haben, sondern einzig und allein den billigem fossilen Energieträgern.
    Es wäre nicht das Schelchteste, wenn die Millionenstädte wieder verschwinden würden und das Raubtier der Spezies Mensch um 90% reduziert werden würde.

  • @33
    Es darf ja jeder seine Meinung habe und vertreten!

    ich habe nicht geschrieben, daß ich alles reglementiert haben möchte. Darüberhinaus glaube ich sind wir uns doch wohl alle einig, daß das was hier geschrieben wird Stammtischgeplauder ist...
    Weil die Dinge oft nicht so einfach zu regeln sind.

    Zu dem Thema Regulieren: Geld ist wie Wasser - es sucht sich (noch extremer als Wasser) den Weg des geringsten Widerstands.
    ich bin sehr wohl der Meinung Angebot und Nachfrage treffen auf dem Markt zusammen und regeln den Markt.
    Aber in den Modellen wird immer ein homogener Markt vorausgesetzt!!! Diesen gibt es nicht und einen freien Markt gibt es schon allein wg. der Handelsbeschränkungen schon nicht (ob direkte H. wie Zölle, oder Einfuhrbeschränkungen, oder indirekte wie Zulassungsverfahren im Pharmabereich etwa).
    Ein beispiel: Mir ist klar, daß Kontrakte (Futers, Optionen...) in der Realwirtschaft dazu dienen, daß Preise (bsp. Wechselkurse bei Währungen, oder Einkaufspreise bei Rohstoffen...) auf eine bestimmte Zeit kalkulierbar bleiben, aber ich kann nicht verstehen, wofür wir ungedeckte Leerverkäufe brauchen (= ich verkaufen ein Gut, daß ich nicht besitze auf Termin), viele Spekulanten hebeln diese Leerverkäufe dann um den Gewinn auszureitzen. Hier wird eine künstliche Nachfrage erzeugt, die mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun hat. Kann sich noch jemand an die Kursexplosion bei VW erinnern? Dies ist entstanden weil Hedgefonds die Aktie leerverkauft haben (weil sie von geringeren Autoverkäufen ausgegangen sind, ergo fallende Kurse bei der Aktie), Porsche dann veröffentlicht hat, daß über Optionen usw. bereits etwa 75% der Aktien in ihrem besitz hatte, die Hedgefondsmanager festgestellt haben, daß nur noch 25% im freien Handel verfügbare Aktien waren und nun wurde gekauft weil man ja irgendwann die Position schließen mußte!!! Nun ging es nicht mehr um die Autoverkäufe, sondern um eine Wette die nicht aufgegangen ist!!! Das hat mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun.

    Aber eines muß ich natürlich zugeben: für mich gilt natürlich auch, daß dies nur ein Teil des Problems ist und ich mir nicht anmaßen möchte DiE Lösung parat zu haben. Denn wenn man bspw. Leerverkäufe verbietet muß man das Weltweit tun und die Amerikaner werden dabei nie mitmachen. Das liegt schon an deren Regierungsbildung: Der größte Spekulant weltweit ist Goldman Sachs --> die Hälfte der im US-Finanzministerium beschäftigten Mitarbeiter war bei GS und dies setzt sich bei der FED fort!!!

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