Geldanlage
Das Endspiel am Goldmarkt hat begonnen

Milliardenschwere Hedgefonds investieren in Gold und Goldminenaktien, Notenbanken aus Schwellenländern stocken ihre Staatsreserven weiter auf. Beide bereiten sie sich vor auf eine beschleunigte Abwertung von Euro und Dollar. Warum eine eiserne Edelmetallreserve für Anleger Sinn macht und warum Minenaktien haussieren werden.
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DÜSSELDORF. Wer 80 Prozent eines Vermögens von zwölf Milliarden Dollar in Goldanlagen investiert, liebt konzentrierte Wetten. Und er ist davon überzeugt zu wissen, wie sich die Währungen weiter entwickeln. Starinvestor John Paulson ist so ein Mann. Der Hedgefondsmanager, der mit Wetten auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes Milliarden machte, gab in diesem Herbst im feinen New Yorker University Club preis, mit welchem Szenario er rechnet. Die Inflation werde schon 2012 zweistellig werden, und der Anleihemarkt deshalb crashen, während Aktien und Gold profitieren. Die Feinunze Gold - aktuell bei gut 1400 Dollar - werde auf 2400 Dollar steigen. Sollte der Goldpreis überschießen, so wie in der letzten Goldhausse 1980, wären auch 4000 Dollar denkbar, so Paulson.

In der Regel lassen sich Hedgefonds nicht in die Karten schauen. Die Manager reden nicht über ihre Positionen. Doch nicht jeder Deal lässt sich im Dunkeln durchziehen. Denn Hedgefonds müssen ihren Bestand an US-Aktien jedes Quartal in einem sogenannten 13-F-Report der US-Aufsicht SEC melden - auch ihre Positionen in börsennotierten Goldfonds.

Paulson fährt die höchste Goldquote im Hedgefondsuniversum: Mit 31,5 Millionen Anteilen ist er der größte Investor des SPDR Gold Trust. Die Anteile an dem weltweit größten börsengehandelten Goldfonds (ETF) verbriefen den Anspruch auf 3,15 Millionen Unzen Gold im Wert von 4,2 Milliarden Dollar. Zusammen haben Paulson und die Super-Spekulanten Eric Mindich, George Soros, Eric Sprott und David Einhorn 13,4 Milliarden Dollar in Gold und Minenaktien angelegt.

Wichtig für deutsche Anleger: Der nächste Preisauftrieb für Gold in Euro könnte bevorstehen. Drei der vier Aufwärtsschübe in Euro fielen seit 2005 zusammen mit einer Schwächephase des Euro gegenüber dem Dollar.

"Günstiger" Inflationsausblick

Die Hedgefondsmanager wissen: Nicht Gold gewinnt - 1 000 Gramm bleiben stets ein Kilo -, die Papierwährungen, in denen Gold gemessen wird, verlieren. Das ist der Blickwinkel, auf den es bei der Betrachtung von Gold ankommt. Seit Jahrtausenden ist es konstanter Wertspeicher und stabiles Wertmaß. Es hat jede Papierwährung, jeden Staatsbankrott und jeden Krieg überlebt. Gold ist an kein Schuldversprechen einer Regierung oder gar eines Rettungsfonds gebunden. Notenbanken haben in der Finanzkrise demonstriert, dass sie beliebig Geld und Kredit schaffen können.

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), wird nicht müde zu betonen, der Inflationsausblick der Euro-Zone sei "günstig". Doch das Risiko, dass sich der Kaufkraftverlust von Papierwährungen beschleunigen wird, wird größer. EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark sieht zwar "mittelfristig keine inflationären Gefahren", sagt aber auch, die EZB beobachte "global eine üppige Liquiditätsentwicklung" und einen Anstieg der Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel in den Schwellenländern, der sich "derzeit" in Europa noch nicht zeige.

Während die US-Notenbank den Schuldenkollaps durch Kauf von Staatsanleihen hinauszögert, frisst sich die Banken- und Schuldenkrise immer weiter vor in den Kern der Euro-Zone. Der Markt gönnt Regierungen keine langen Pausen. Nach Griechenland und Irland könnte die Euro-Tour weiterziehen - in Richtung Spanien und Italien. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) muss sich die spanische Regierung 2011 an den Märkten 245 Milliarden Dollar besorgen, die italienische 462 Milliarden.

Spätestens wenn eines der beiden großen Südländer an den Tropf muss, steht auch Deutschland als letzter Hort von Stabilität auf der Kippe - und muss sich fragen lassen, wie lange es noch zahlungsfähig bleibt. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble reden hart, dürften aber neuen Hilfszahlungen und weiterer Schuldenaufnahme zustimmen. Zu stark ist der Druck der Euro-Länder - und der deutschen Banken, die Banken, Unternehmen und öffentlicher Hand in Spanien und Italien laut Bundesbank 280 Milliarden Euro geliehen haben.

Knickt Deutschland ein, wird die EZB mehr Staatsanleihen kaufen und die Notenpresse schneller laufen lassen. Ziehen die Preise an - was bei Aktien und Rohstoffen schon begonnen hat und sich mit Verzögerung in der Realwirtschaft fortsetzen wird -, werden sich Inflationserwartungen verstärken. Dann steigt die Umlaufgeschwindigkeit des Papiergelds, weil Menschen sich rasch von ihm trennen wollen. Spätestens dann wird die Goldnachfrage dramatisch steigen. Anleger sollten darauf vorbereitet sein. Die Hedgefondsmanager sind es bereits.

Auf der Fensterbank in seinem Büro im 24. Stock in Midtown Manhattan drängelt sich ein Dutzend putziger Stoffbären gleich neben den Familienfotos mit Frau und drei Kindern. Der 42-jährige David Einhorn, Präsident von Greenlight Capital, der im strahlend weißen Hemd und mit hellblauer Krawatte davorsitzt, wirkt jünger, mit seinem bubenhaften Gesicht und seiner sanften, fast schüchternen Stimme. Doch der Hedgefondsmanager liebt es alles andere als kuschelig: In der Finanzkrise wettete er gegen die Investmentbanken Bear Stearns und Lehman Brothers - und gewann. Einhorn hortet seit gut einem Jahr physisches Gold. Wie viel er genau bunkert, lässt sich nur schätzen: Ursprünglich hielt der begnadete Pokerspieler 4,2 Millionen Anteile am SPDR Gold Trust. Doch die tauschte Einhorn 2009 um, in 420 000 Unzen Gold.

Gold für die Altersvorsorge

Offizielle Begründung: Die Lagerkosten seien niedriger als die Gebühren für den Gold-ETF. Doch womöglich wollte Einhorn lieber direkten Zugriff auf das Gold haben, so wie der Kanadier Eric Sprott. Der hat einen eigenen Goldfonds aufgelegt, weil er anderen Anbietern nicht so ganz glaubt, dass diese das Geld der Anleger tatsächlich komplett in Goldbarren investieren.

Während Paulson, Einhorn und Sprott ihre Goldpositionen konsequent durchhalten - bis zum großen Finale im Gold-Bullenmarkt, nehmen andere Hedgefondsgrößen starke Aufwärtsschübe beim Goldpreis auch schon mal zum Anlass, um Gewinne mitzunehmen. Ganz trennen vom Gold will sich aber auch von ihnen niemand mehr. So verkaufte der Hedgefonds von Investor-Legende George Soros im dritten Quartal zwar über eine halbe Million Anteile SPDR Gold Trust, besitzt aber weiter Goldansprüche im Wert von fast 690 Millionen Dollar. Auch Eton Park Capital, ein vom ehemaligen Goldman-Sachs-Händler Eric Mindich gesteuerter Hedgefonds, verringerte den Bestand um zwei Millionen auf 4,6 Millionen Anteile. Chris Shumway, ebenfalls ein ehemaliger Goldman-Händler, schreckte der Goldpreisanstieg dagegen nicht. Er stieg ein in den Goldpoker und kaufte zwischen Juli und Ende September 2,1 Millionen Anteile.

Deutsche Anleger, immerhin, stehen in den Startlöchern. Aus einer im Auftrag der Postbank erstellten Allensbach-Studie geht hervor, dass immer mehr Bürger eine Investition in Gold für sicherer halten als traditionelle Anlagen wie Lebensversicherungen oder Sparbriefe. 30 Prozent der Berufstätigen sehen im Gold eine "besonders sichere Altersvorsorge". Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 26 Prozent. Unter allen Berufstätigen, die ihre Altersvorsorge verstärken wollen, planen acht Prozent, Goldbarren und-münzen zu kaufen. Nur ist Planen noch nicht Handeln. Es wird mehr über Gold geredet und geschrieben, als es tatsächlich als Vermögensbaustein und Versicherung eingesetzt wird. Eine Versicherung benötigt man aber, bevor der Schadensfall eintritt. Nachher ist es zu spät und wird zu teuer.

Einer der Ersten, der sich hierzulande mit hohen Goldkurs-Prognosen aus dem Fenster lehnte, war der Fondsmanager Bert Flossbach. Schon vor fünf Jahren sagte er Kurse um 2 000 Dollar je Unze voraus. Ab zwei Millionen Euro Vermögen können Anleger die Dienste des ehemaligen Investmentbankers von Goldman Sachs in Anspruch nehmen. Wenn sie ihm dann nicht vehement widersprechen, steckt Flossbach bis zu 20 Prozent ihres Vermögens in Gold. Damit ist er einer der größten Goldkäufer Europas. Durchschnittlich 16 Prozent der Kundengelder, insgesamt 560 Millionen Euro, hat Flossbach derzeit in Gold investiert - über 18 Tonnen. Er hat mehr Gold gekauft als etwa die japanische Notenbank seit 1991.

Unter Profi-Anlegern ist Flossbach noch die große Ausnahme. Kein anderer deutscher Vermögensverwalter und keine Bank investiert auch nur annähernd so hohe Depotanteile in Gold. "Die meisten Banken empfehlen ihren Kunden drei oder vier Prozent Gold", weiß Flossbach, "am liebsten würden sie das Thema ganz umschiffen, aber die Kunden fragen es mittlerweile natürlich nach. In homöopathischen Dosen kann Gold aber nicht seine Funktion als Versicherung gegen große Verluste bei Nominalwerten, wie Anleihen, erfüllen", meint er, "10, besser 15 Prozent sollten es schon sein." Wie viel genau, hängt vom Aktienanteil im Depot ab: "Wer viele Aktien hat, braucht weniger Gold als jemand, der nur An-leihen, Tagesgeld und Lebensversicherungen besitzt", meint Flossbach. Er begründet das so: Früher wurde Gold primär als Versicherung gegen Wirtschaftskrisen und damit gegen fallende Aktienkurse gekauft. "In den vergangenen Jahren haben Gold und Aktien aber immer stärker korreliert", sagt Flossbach. Steigen die Aktien, steigt also auch Gold und umgekehrt.

Nie mehr unter 1 000 Dollar

Flossbach führt das auf die Geldpolitik zurück: "Das viele billige Geld fließt in alle Anlageklassen, Gold und Aktien werden außerdem zunehmend als Schutz vor Inflation wahrgenommen." Gold kauft er heute nicht, um Kursgewinne einzustreichen. Er sieht es als Versicherung gegen mögliche Unbilden, die einem Vermögen widerfahren können, vor allem gegen "den schleichenden Wertverlust des Geldes". Dazu brauche es gar keine Hyperinflation, sagt er, der Dollar hat auch ohne eine solche seit 1900 fast 99 Prozent Kaufkraft eingebüßt. Gold nicht. "Gold ist die Konstante", sagt er. Wird mehr Papiergeld erzeugt, muss man eben mehr davon einsetzen, um eine Unze Gold zu kaufen.

Für die bekomme man hingegen immer ungefähr gleich viel an realem Gegenwert. Im Römischen Reich genügte eine Unze für eine Tunika, zu Kaisers Zeiten für einen Maßanzug, heute kostet die Unze wieder rund 1000 Euro - oder eben den Maßanzug. Es dauere eine Weile, bis alle Kunden diese Logik begriffen, sagt Flossbach, "inzwischen muss man einige sogar bremsen, die würden sonst einen Großteil ihres Geldes nur in Gold anlegen".

Global wandert Gold immer in jene Regionen, in denen der Wohlstand wächst. Seit 1999 hat der Westen vor allem an Asiaten verkauft. Nur mit Gold können sich die Zentralbanken dort schützen gegen die Abwertung ihrer hohen Währungsreserven in Dollar, Euro und Yen. China kauft sich zusätzlich bei ausländischen Goldminen ein.

Goldminenaktien sind eine attraktive, wenn auch riskantere Ergänzung zum physischen Gold. Das fünf Milliarden Dollar schwere Minenfeld von John Paulson besteht vor allem aus Unternehmen mit umfangreichen Goldreserven. David Einhorn setzt auf Streuung und begnügt sich mit einer Investition in einen Goldminen-ETF. Eric Sprott vertraut auf die eigene Expertise. Sein Portfolio ist gespickt mit vielen hierzulande noch kaum bekannten Minenaktien. Eher auf Standardwerte setzt Eric Mindich, der Positionen in Barrick, Newmont und Gold Fields aufstockte. Viele der Hedgefondsfavoriten wurden schon früh von der WirtschaftsWoche empfohlen.

Steigende Gesamtkosten

Privatanleger, denen die Einzelwerte zu riskant sind, können Fonds kaufen. Einer der besten deutschen Goldminenfonds ist der Stabilitas Pacific Gold + Metals, in dem rund 26 Millionen Euro stecken. Evy Hambro vom Vermögensverwalter Blackrock aber managt gut 200-mal so viel.

Evy Hambro ist es gewohnt, dass Besucher ihn erst mal ungläubig mustern; so als fragten sie sich, ob der junge Mann, der ihnen da die Hand entgegenstreckt, wirklich Hambro ist, einer der mächtigsten Männer der Bergbauindustrie. Mit 38 ist er zwar noch etwas arm an Jahren, nicht aber an Erfahrung. Mit 25, frisch von der Uni, vertraute ihm Merrill Lynch 1997 den Managerposten für einen Goldminen-Aktienfonds an. Der Fonds war damals ein Nischenprodukt. "1997 war das Interesse an der Anlageklasse Gold auf nahe null gesunken", erinnert sich Hambro.

Die Wende kam unerwartet: "Anfang 2002 zogen an der Londoner Metallbörse plötzlich die Preise an; anfangs hielten wir das für normale Schwankungen, doch die Kurse stiegen weiter." Der Boom kam in Gang. "Plötzlich gaben sich hier die Manager von Versicherungen und Hedgefonds die Klinke in die Hand", erinnert sich Hambro. Heute ist er so einflussreich, dass Kritiker meinen, er bestimme viele Aktienkurse in der Goldbranche fast alleine. Gut acht Milliarden Dollar sind viel Geld in der überschaubaren Branche. Weltweit gibt es keine 100 Aktien, mit denen der Börsenhandel flüssig genug ist für einen Fonds dieser Größe. "Wir hörten oft, dass die Chefs der Minen uns als Kaufargument für ihre Aktien nutzen, wenn sie bei anderen Investoren anklingeln", berichtet Hambros ehemaliger Co-Manager Graham Birch. "Spätestens auf Folie fünf der Präsentation kam meist der Hinweis, dass auch Hambro gekauft habe."

Für Manager kann es ein Problem werden, wenn ihr Fonds zu groß wird. "Wenn Hambro mit seinen acht Milliarden im Kreuz größere Umschichtungen vornehmen würde, könnte es an den Märkten rappeln", sagt der New Yorker Fondsmanager Michael Keppler, "er ist bei einigen Aktien so dick drin, dass er sie gar nicht mehr alle abstoßen könnte." Aber große Pakete abstoßen dürfte Hambro vorerst kaum.

Gemessen an historischen Bewertungsniveaus, werden die Minen derzeit bewertet, als stünde der Goldpreis bei unter 1 000 Dollar und nicht bei fast 1 400 Dollar pro Unze", sagt Goldanalyst Ronald Stöferle von der Erste Bank Group in Wien. Untermauert wird diese Einschätzung durch die Gold/XAU-Ratio. Diese Kennzahl lässt sich einfach ermitteln, indem der aktuelle Goldpreis in Dollar durch den Indexstand des Philadelphia Gold & Silver Miners Index (XAU) geteilt wird. Hohe Gold/XAU-Raten signalisieren, dass Goldminen relativ preiswert sind im Verhältnis zum Edelmetall selbst - und umgekehrt.

Stieg die Gold/XAU-Rate in den vergangenen Jahrzehnten über fünf, stellte sich dies in der Rückschau oft als guter Kaufzeitpunkt für Goldminenaktien heraus. Denn anschließend schnitt der XAU nicht nur relativ besser ab als der Goldpreis, er stieg auch absolut kräftig an. Werte unter vier dagegen fielen meist zusammen mit Hochpunkten des XAU - dann empfahl es sich, Gewinne bei Goldaktien mitzunehmen. Aktuell liegt die Gold/XAU-Ratio bei 6,5. Damit sind Goldaktien nach wie vor preiswert. Diese Anomalie des Goldmarkts eröffnet Anlagern Chancen, ihren Goldanteil über Minenaktien aufzustocken.

Etwa zwei Drittel des jährlich angebotenen Goldes kommen neu aus dem Boden. Die Produktion aber geht zurück. Aaron Regent, Chef des weltgrößten Goldkonzerns Barrick Gold, spricht von "Peak Gold" - wie beim Öl könnte der Gipfel der Produktion überschritten sein. Neue Vorkommen haben meist nur einen sehr geringem Goldgehalt im Gestein. In den Minen in Australien, Kanada und den USA verringerte sich der Goldanteil seit 1950 von durchschnittlich zwölf Gramm auf heute knapp drei Gramm pro Tonne.

Verantwortlich für den Goldpreisanstieg seien vor allem die enorm steigenden Kosten der Goldminen, sagt Fondsberater Joachim Berlenbach von der Earth Resource Investment Group. Der promovierte Bergbaugeologe hat die Bilanzen der fünf größten Goldproduzenten analysiert und Minen vor Ort besucht. Er entdeckte einen dramatischen Anstieg der Gesamtkosten pro geförderter Unze Gold. Binnen zehn Jahren sind diese jährlich um 18 Prozent auf aktuell 923 Dollar gestiegen. Für viele Goldminen liegt die Gewinnschwelle bei über 1 000 Dollar.

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Gold in der dritten Phase

Die Renditeschwelle bilde eine Untergrenze für den Goldpreis. Sinkt der unter die Gesamtproduktionskosten, können Minen nicht mehr rentabel arbeiten und müssen schließen - das Goldangebot verknappt sich. Deshalb werde der Goldpreis nicht mehr unter 1000 Dollar fallen, sagt Berlenbach. Steigt der Goldpreis aber über die Renditeschwelle, klettert der Gewinn der Mine überproportional stark. Die Börse hat das noch nicht richtig erkannt. Unter den Förderern besonders vielversprechend sind jetzt die südafrikanischen Werte Gold Fields und Harmony Gold, wegen ihrer hohen Gesamtkosten und ihrer tiefen Substanzbewertung.

Wie jede größere Hausse läuft die von Gold in drei Phasen: In der erste Phase, die 2000 begann, setzten nur Überzeugungstäter auf Gold. Von etwa 2005 an stiegen dann weitsichtige Profianleger wie Paulson ein. Jetzt steht Gold in der dritten Phase. Diese könnte irgendwann stark von Spekulation getrieben sein, weil auch die Masse der Anleger auf den Zug springt. Den Startschuss für den Eintritt in diese Phase gab die nachhaltige Überwindung der 1 000-Dollar-Marke Ende 2009. Flossbach sieht noch kein Ende der Hausse. "Hätten wir eine Goldblase, gäbe es mehr Leute, die Gold kaufen, um es schnell mit Gewinn wieder loszuschlagen; aber das ist nicht so. Gold wandert in den Tresor oder in das Bankschließfach."

Bullenmarkt historischer Dimension

Im letzten großen Goldrausch, der im Januar 1980 bei einem Goldpreis von 850 Dollar pro Unze endete, erreichte der Anteil von Gold und Goldminenaktien am weltweiten Finanzvermögen 26 Prozent. Aktuell liegt die Goldquote bei 0,8 Prozent.

Die letzte Hausse endete außerdem mit einem finalen Sprung: Binnen sechs Wochen verdoppelte sich der Goldpreis, in den letzten zehn Tagen vor dem Hoch stieg er um 35 Prozent. "Dem Gold-Bullenmarkt fehlt immer noch der krönende Abschluss in Form extremer Kursanstiege", sagt Markus Mezger vom Vermögensverwalter Tiberius. Erst nach einem Anstieg von mehreren Hundert Dollar in wenigen Tagen, begleitet von einer Kaufpanik, sei es Zeit, sich von Gold zu verabschieden. Mezger: "Für eine Unze Gold bekommt man immer einen guten Anzug, auf Dauer aber nicht zwei." Noch aber gilt: Dabei sein ist alles - in einem der größten Bullenmärkte aller Zeiten.

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  • 37 auenland - sehr richtig analysiert - großen Teils besser als der Artikel!
    ich glaube, man wird 50 Maßanzüge kaufen können, für eine Unze Gold - und die noch greifbaren Verantwortlichen für die Zinseszins-Misere samt ihrer Lohnschreiber werden - mit viel Glück - gesiebte Luft atmen...

  • Ausgezeichneter Artikel!
    Vieles spricht dafür, daß Gold noch LANGE nicht in einer blase ist:

    1. Überschuldung. im Gegensatz zu den 80ern, befindet sich heute die GESAMTE WESTLiCHE WELT in einem Zustand der ÜbERSCHULDUNG.

    2. Keine Wachstumsaussichten. im Gegensatz zu den 90ern, als die Computertechnik und anschließend die informationstechnik enorme Wachstumsschübe auslöste, welche über das Wachstum die bedienung der Zinsen ermöglichten, haben wir heute wesentlich höhere Zinslasten, bei vollständig gestättigten Märkten.

    3. Expontentielles Wachstum kennt nur der Krebs. Es ist ein WirtschaftsWACHSTUM jährlich etwa 2,5% notwendig, damit die Arbeitslosigkeit nicht STEiGT.
    Diese 2,5% bedeuten einen exponentiell steigenden Energieverbrauch, Rohstoffverbrauch, Ressourcenverbrauch.
    Aufgrund dieses zutiefst kranken, verbrecherischen Schuldgeldsystems der "Demokratien", wird der gesamte technologische Fortschritt von der Zinssklaverei mehr als aufgefressen und wir verbrauchen nicht weniger, sondern immer mehr Energie und Ressourcen.
    Das ganze Umweltschutzgetue ist bei einem kurzen blick auf das Geldsystem sofort als Heuchelei zu erkennen. Wer Umwelt und Planeten schützen will, muß die ZiNSKNECHTSCHAFT bESEiTiGEN.

    4. Realzinsen bestimmen den Goldpreis. Das Ende des Goldbooms in den 80ern wurde durch steigende Realzinsen bewirkt. Paul Volcker, Chef der US-Notenbank hob die Zinsen für US-Staatsanleihen auf mehr als 15% an.
    Das ging beim damaligen Schuldenstand der USA noch.
    Heute, bei gesättigten Märkten, überschuldeten Verbrauchern und Staaten ist dieser Weg schwer vorstellbar, ohne sofortige Zahlungsunfähigkeit auszulösen.

    5. Euro als Fehlkonstruktion. Aktuell erleben wir, wie die marxistische Fehlkonstruktion des Euro dazu führt, daß die Staaten, die etwas weniger pleite sind als andere, jetzt auch nach unten gezogen werden und höhere Zinsen zahlen werden.
    Um ein sofortiges Zerbrechen dieser Fehlkonstruktion zu verhindern, wird geklammert und das Problem nach hinten geschoben: man vergrößert "Rettungsschirme" und später, weil auch das nicht das Problem der Unterschiedlichkeit der Produktivität der Völker lösen kann, werden die Euro-Anleihen kommen!
    Das kann sich so noch ein paar Jahre hinziehen.

    Deshalb läßt sich die jetzige Entwicklung m.E. überhaupt nicht mit der 80er-Goldblase vergleichen. in den 80ern war nicht das Ende eines Kondratieffzyklus. Jetzt aber kommt er!

    im übrigen bin ich der Überzeugung, daß nach 60 Jahren noch nie erreichter Wohlstandsvertrottelung es auch höchste Zeit ist, daß Mutter Natur die Kreatur Mensch wieder auf den boden der Tatsachen herunterholt. inzwischen scheinen zu viele gar nicht mehr erkennen zu können, daß sie alleine überhaupt nichts sind und können und daß sie ihren hohen Zivilisationsgrad keineswegs einer fortschrittlichen Entwicklung zu verdanken haben, sondern einzig und allein den billigem fossilen Energieträgern.
    Es wäre nicht das Schelchteste, wenn die Millionenstädte wieder verschwinden würden und das Raubtier der Spezies Mensch um 90% reduziert werden würde.

  • @33
    Es darf ja jeder seine Meinung habe und vertreten!

    ich habe nicht geschrieben, daß ich alles reglementiert haben möchte. Darüberhinaus glaube ich sind wir uns doch wohl alle einig, daß das was hier geschrieben wird Stammtischgeplauder ist...
    Weil die Dinge oft nicht so einfach zu regeln sind.

    Zu dem Thema Regulieren: Geld ist wie Wasser - es sucht sich (noch extremer als Wasser) den Weg des geringsten Widerstands.
    ich bin sehr wohl der Meinung Angebot und Nachfrage treffen auf dem Markt zusammen und regeln den Markt.
    Aber in den Modellen wird immer ein homogener Markt vorausgesetzt!!! Diesen gibt es nicht und einen freien Markt gibt es schon allein wg. der Handelsbeschränkungen schon nicht (ob direkte H. wie Zölle, oder Einfuhrbeschränkungen, oder indirekte wie Zulassungsverfahren im Pharmabereich etwa).
    Ein beispiel: Mir ist klar, daß Kontrakte (Futers, Optionen...) in der Realwirtschaft dazu dienen, daß Preise (bsp. Wechselkurse bei Währungen, oder Einkaufspreise bei Rohstoffen...) auf eine bestimmte Zeit kalkulierbar bleiben, aber ich kann nicht verstehen, wofür wir ungedeckte Leerverkäufe brauchen (= ich verkaufen ein Gut, daß ich nicht besitze auf Termin), viele Spekulanten hebeln diese Leerverkäufe dann um den Gewinn auszureitzen. Hier wird eine künstliche Nachfrage erzeugt, die mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun hat. Kann sich noch jemand an die Kursexplosion bei VW erinnern? Dies ist entstanden weil Hedgefonds die Aktie leerverkauft haben (weil sie von geringeren Autoverkäufen ausgegangen sind, ergo fallende Kurse bei der Aktie), Porsche dann veröffentlicht hat, daß über Optionen usw. bereits etwa 75% der Aktien in ihrem besitz hatte, die Hedgefondsmanager festgestellt haben, daß nur noch 25% im freien Handel verfügbare Aktien waren und nun wurde gekauft weil man ja irgendwann die Position schließen mußte!!! Nun ging es nicht mehr um die Autoverkäufe, sondern um eine Wette die nicht aufgegangen ist!!! Das hat mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun.

    Aber eines muß ich natürlich zugeben: für mich gilt natürlich auch, daß dies nur ein Teil des Problems ist und ich mir nicht anmaßen möchte DiE Lösung parat zu haben. Denn wenn man bspw. Leerverkäufe verbietet muß man das Weltweit tun und die Amerikaner werden dabei nie mitmachen. Das liegt schon an deren Regierungsbildung: Der größte Spekulant weltweit ist Goldman Sachs --> die Hälfte der im US-Finanzministerium beschäftigten Mitarbeiter war bei GS und dies setzt sich bei der FED fort!!!

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