Geldfälscher zu „Morgen hör ich auf“
„Was da gezeigt wird, ist aus mancher Sicht Quatsch“

Hans-Jürgen Kuhl gilt als einer der bekanntesten Geldfälscher der Welt. Für das Handelsblatt hat er sich die neue ZDF-Geldfälscher-Serie „Morgen hör ich auf“ mit Bastian Pastewka angeschaut. Kuhl ist nicht begeistert.

Hans-Jürgen Kuhl gilt als einer der besten Geldfälscher der Welt, Experten stuften seine Blüten einst als „erschreckend perfekt“ ein. Wegen finanzieller Probleme begann der Künstler 2007 mit dem Fälschen von 6,5 Millionen Dollar für eine – wie sich später herausstellte – verdeckte Ermittlerin des Bundeskriminalamts. Es war damals der drittgrößte Dollar-Falschgeldfund auf der Welt. Kuhl wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, davon verbrachte er dreieinhalb im offenen Strafvollzug. Wir erreichen den 74 Jahre alten Kölner während des Neujahrsurlaubs auf Gran Canaria und fragen ihn zum ZDF-Quotenerfolg „Morgen hör ich auf“.

Herr Kuhl, Sie haben sich für uns die neue Geldfälscher-Serie „Morgen hör ich auf“ mit Bastian Pastewka angeschaut. Was halten Sie davon?
Ich tue mich mit dem Pastewka etwas schwer, er ist einfach für mich der Komiker. Er hat das nicht schlecht gemacht, aber ich weiß nicht, ob er der richtige Typ dafür ist.

Von der Besetzung mal abgesehen. Halten Sie denn die Geschichte für realistisch? Pastewka spielt den Besitzer einer Druckerei, der in finanzielle Nöte gerät und deshalb anfängt Falschgeld zu drucken.
Ich sag ja immer, das ist Quatsch mit Mafia. Viele Geldfälscher sind nicht so organisiert, von daher ist die Grundidee schon realistisch. Allerdings geraten wahrscheinlich eher die kleinen Druckereien in finanzielle Schieflage. Die von Pastewka hat schon einen sehr großen Maschinenpark, der Millionen kostet. Sowas ist dann auch weg, wenn man erwischt wird, deshalb dürften Drucker in dieser Größe schon sehr genau abwägen, ob sie mit dem Druck von Falschgeld anfangen. Generell kann man mit einer solchen Ausstattung aber schon gut Geld fälschen.

Jochen Lehmann, wie Pastewka in der Serie heißt, hat die ersten Fälschungen schon nach wenigen Stunden. Geht das?
Die Fälschungen in der Serie sind ja gut, mit allem Pipapo. Für sowas braucht man Monate, zumindest für die Vorlage. Die Scheine dann am Ende zu drucken, geht natürlich sehr schnell. Insgesamt bräuchte ich dafür 4 bis 5 Monate. Was da gezeigt wird, ist zumindest aus dieser Sicht Quatsch. Das Schlimme daran ist: Jetzt melden sich wieder die ganze Idioten bei mir ...

... damit meinen Sie jetzt aber nicht mich ...
... nein, sondern die, die glauben, sie könnten mit mir jetzt schnell das ganz große Ding durchziehen. Die denken dann, wir könnten in vier Tagen eine Million drucken. Ich frage sie dann erstmal, ob sie eine Druckerei haben, ansonsten müssten sie 300.000 Euro für die Maschinen mitbringen. Dann sind 99 Prozent wieder weg. Und mit 74 Jahren werde ich natürlich auch nicht noch einmal mit dem Fälschen anfangen.

Warum ist es denn so schwierig eine gute Vorlage zu erstellen?
Das fängt schon damit an, dass man die Scheine mittlerweile nicht mal mehr einscannen kann. Kopieren geht schon seit zehn Jahren nicht mehr. Auf meinem Scanner hat es überraschenderweise vor einem Jahr noch geklappt, vor einem halben Jahr dann nicht mehr. Man bräuchte also schon für den ersten Schritt einen einen Computerexperten, der die Sperre knackt. Ich habe irgendwann mal versucht, ein stark verfremdetes Poster eines Dollarscheins zu kopieren, schon das ging nicht mehr, die Sperren sind also wirklich weitreichend. Aber irgendwelche Wege findet man natürlich immer.

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Materialkosten pro gefälschten Schein von fünf Euro

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