Geldflut Japans gefährliches Spiel

Japan hat sich auf ein heikles Experiment eingelassen. Mit Geld aus der Notenpresse will es einen Aufschwung erzwingen. Nun werden die Risiken offenbar. Die Börse stürzt ab. Und das ist nicht einmal das größte Problem.
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Der Nikkei ist am Donnerstag an der Börse in Tokio um mehr als sechs Prozent gefallen. Quelle: Reuters

Der Nikkei ist am Donnerstag an der Börse in Tokio um mehr als sechs Prozent gefallen.

(Foto: Reuters)

An der Börse in Tokio wird der Ausnahmezustand zum Alltag. Die Kurse befinden sich seit zwei Wochen im freien Fall. Der Leitindex Nikkei ist um mehr als 3.000 unter 13.000 Yen gefallen. Am Donnerstag ging es erneut um sechs Prozent abwärts.

Nach der rasanten Rally in den Monaten zuvor erscheint das noch verkraftbar. Doch es geht um mehr als nur ein paar Aktienkurse an der japanische Börse: Sollte das Vertrauen in das neue japanische Wirtschaftswunder schwinden, droht ein viel größerer Crash. Die Erschütterung wäre weltweit zu spüren.

Anfangs sah alles so gut aus: Die Japaner wählten einen Mann, der ihnen versprach, das Land zu alter Größe zurückzuführen: Shinzo Abe. Im Dezember übernahm er das Amt des Ministerpräsidenten. Er machte sich sofort ans Werk, kündigte an, dass er die Wirtschaft um jeden Preis anschieben will. Koste es, was es wolle. Die Menschen, die lange nichts anderes als Krise und Rezession zu hören bekommen hatten, waren begeistert. Kein anderes Industrieland hatte in den vergangenen zwei Jahrzehnten so hohe Schulden aufgetürmt, in keinem anderen blieb das Wachstum so schwach, keines erlebte Deflation über so lange Zeit.

In dieser Situation waren die Japaner bereit, sich auf eine gefährliches Wagnis einzulassen – das größte geldpolitische Experiment unserer Zeit. Abe lässt so viel Geld drucken, dass es selbst den Währungshütern der US-Notenbank schwindelig wird, insgesamt umgerechnet eine Billion Euro in den nächsten zwei Jahren. Er macht mehr Schulden, um mehr Geld für milliardenschwere Konjunkturpakete ausgeben zu können. Schulden gegen Schulden. Feuer gegen Feuer.

Man könnte auch sagen: Abe verhält sich wie jemand, der bei voller Fahrt auf ein Hindernis zurast, und, statt zu bremsen, voll auf das Gaspedal tritt. Entweder ist er schnell genug, um gerade so davonzukommen. Oder der Zusammenprall wird umso heftiger. Der Rest der Welt schaut zu, staunend und entsetzt zugleich.

Wirtschaftswunder oder Strohfeuer?
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27 Kommentare zu "Geldflut: Japans gefährliches Spiel"

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  • die Frage ist nicht, ob es funktionieren wird.

    Die Frage ist: wie lange funktioniert es.

    Nichts ist unendlich nur die Dummheit der Menschen ;)

  • Wer mit Geld drucken die Wirtschaft ankurbeln will leidet massiv an Realitätsverlust. Warum sollte das funktionieren? Es hat weder in den USA funktioniert und es funktioniert auch nicht in Europa. Das Geld fließt in die Aktienmärkte, die Kurse explodieren und bauen Blasen auf weil den Kursen kein realer Wert gegenüber steht. Jeder Erstklässler weiß, dass es nicht funktionieren wird. Aber die angeblichen Eliten meinen es besser zu wissen oder sie sind die Büttel der Finanzindustrie. Die Notenbanken weltweit agieren inzwischen wie die Banken sie zocken nur noch, eine Kasinometalität ist eingekehrt und es wird fürchterlich enden.

  • Die Japaner betreiben mir ihrer Notenpresse Kamikaze-Politik. Aber die Japaner sind ein sehr selbstbewusstes Volk. Ich kenne einige Japaner und die alle schwoeren auf ihre Regierung(en). Jede kritische Diskussion endet da an einer undurchdringbaren Mauer. Vielleicht und hoffentlich gibt es Ausnahmen, aber ICH habe noch keine getroffen.

  • @Bmehrens

    "An HBO: Die "Milliarde" ist eine rein deutsche Erfindung"

    Falsch, das kommt aus dem Französischen:

    "Das Wort geht auf französisch milliard zurück und stammt wie auch Million letztlich von lat. mille „tausend” ab. Sein Gebrauch im Sinne von tausend Millionen wird im Deutschen erst seit den Kriegsentschädigungszahlungen Frankreichs an das Deutsche Kaiserreich 1870/1871 geläufig." (https://de.wikipedia.org/wiki/Milliarde)

    Und selbst die Briten haben es ursprünglich verwendet:

    "Das im britischen Englisch verwendete milliard wurde von dem amerikanischen billion weitgehend verdrängt."


  • 'Hanta: sorry, ist korrekt, ich korrigiere 1925ff. nicht 1929ff. Im Ergebnis jedoch bleibt es dabei, die Bubble aus den frühen/Mitte 1920´er musste irgendwann implodieren ...'

    Der Witz besteht doch eigentlich darin, dass erst die Bindung an den Goldstandard und die in der Angst vor Inflation begründete strikte Forderung, die Geldmenge 1929 nicht auszuweiten zur Deflation und Arbeitslosigkeit geführt hat. Hätte man genau das Gegenteil gemacht, nämlich Geldpolitik betrieben, wäre die Krise milder verlaufen. Noch 1931 meinte ein Vertreter der Zentrumspartei:'Legen Sie uns die härtesten Maßnahmen auf, aber lassen Sie das [Inflation] nicht zu.'

    http://www.zeit.de/2013/19/finanzmarkt-finanzpolitik-inflation

  • Hanta: sorry, ist korrekt, ich korrigiere 1925ff. nicht 1929ff. Im Ergebnis jedoch bleibt es dabei, die Bubble aus den frühen/Mitte 1920´er musste irgendwann implodieren ... ähnlich wie die Geldmengen-Bubble der 2000´er Jahre, eine Verlängerung der Bubble macht es am Ende nur noch schlimmer. Das künstliche Wachstum der 00´er Jahre wird so oder so zurückschlagen, da nicht nachhaltig. Die wirkliche Frage ist doch, wohin ist das ganze Geld gewandert, wer hat profitiert? Nur eine Umverteilung zurück zur Mittelschicht/den Leistungsträgern weg von den Arbitrage-Profiteuren und ihren leistungsfreien Vermögenseinkommen der 00´Jahre kann wirklich etwas zum Guten ändern.

  • 'Sie stemmen sich eben nicht gegen die Krise sie laufen mit dem Kopf gegen eine Wand, weil sie nicht bereit sind ihre Art zu wirtschaften und die Prämissen worauf diese beruht (z.B. unendliches quantitatives Wachstum/Sättigung von Wirtschaftbereichen gibt es nicht), in Frage zu stellen.'

    Die Ursachen der japanischen Krise liegen doch gar nicht im Fehlen der Annahme unendlichen Wachstums begründet.

  • Sie stemmen sich eben nicht gegen die Krise sie laufen mit dem Kopf gegen eine Wand, weil sie nicht bereit sind ihre Art zu wirtschaften und die Prämissen worauf diese beruht (z.B. unendliches quantitatives Wachstum/Sättigung von Wirtschaftbereichen gibt es nicht), in Frage zu stellen.

    Wachstum entsteht, wenn Menschen etwas unternehmen, weil sie sich einen Gewinn erhoffen. Das Problem unseres Wirtschaftesn ist, das die Konditionierung uns die falschen Dinge als Gewinn erscheinen lässt. Und die Zenralbanken fördern diese überholte Konditionierung noch, indem sie den Menschen gefälschte bunte Lappen unter die Nase halten, in der Hoffnung sie könnten einen Gewinn darin finden, nach einem mehr davon zu streben. Die (be-)trügerischen Hoffnungen, die damit genährt werden, müssen zwangsläufig enttäuscht werden und werden dann in Wut umschlagen.

  • ...Tja, dann ziehe ich eben noch Mauern und Stacheldraht rundherum und rüste meine Mitbewohner mit Waffen aus, getreu der "Wild, Wild West -Methode" der Cowboys....Fakt ist, der "global Change" wir kommen und er wird alles andere als pazifistisch verlaufen. Ich bin zwar Pazifist, doch bevor es mir an den Kragen geht, verteidige ich mich liever selber. Ich bin froh , dass wir auf unserem Bauernhof quasi als gleicgegsinnte Kommune leben, in der Akademiker jeden Grades vorhanden sind.

  • 'Da können wir schon mal sehen, was hier auf uns zukommt. Gelddrucken hat die echten Probleme noch nie gelöst, 1929ff nicht'

    Wikipedia sagt dazu:

    "Weltwirtschaftskrise (Great Depression) 1929 bis in die späten 1930er-Jahre: Als Weltwirtschaftskrise bezeichnet man einen 1929 einsetzenden schweren volkswirtschaftlichen Einbruch, der in allen wichtigen Industrienationen massive negative Folgen hatte (u. a. Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit und Deflation), da Goldstandard und Stabilitätspolitik Austerität[10] verlangten."

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