Genauer Zeitpunkt der Erholung noch nicht absehbar
Analysten sagen starken Euro voraus

Devisenexperten erwarten zum Jahresende im Schnitt einen Kurs von 1,19 Dollar. Wie sich die US-Konjunkturlage auf den Eurokurs auswirken wird, ist allerdings noch unklar.

DÜSSELDORF. Kaum legt der Euro etwas zu, macht der Dollar schon wieder Boden gut – und umgekehrt. Die Wechselkurse der beiden wichtigsten Währungen schwanken derzeit heftig in relativ engen Bandbreiten. Der Grund: Die Konjunkturdaten aus den USA ergeben noch kein zuverlässiges Bild, ob die größte Volkswirtschaft der Welt dauerhaft auf Erholungskurs eingeschwenkt ist. Der Seitwärtstrend von Euro- und Dollarkurs dürfte Experten zufolge noch vier bis sechs Wochen anhalten. Doch auf längere Sicht erwartet die Mehrheit der Analysten, dass der Euro wieder zulegen wird. Nicht ganz einig sind sich die Fachleute darüber, wie stark und wie schnell die Gemeinschaftswährung sich wieder erholt.

Zurzeit zeichne sich eine Bandbreite für den Kurs des Euros ab, sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Diese Bandbreite werde nach unten bei 1,10 bis 1,12 $ begrenzt, nach oben finde der Euro bei 1,14 bis 1,16 $ Widerstand. Nach seiner Beobachtung haben „die Zentralbanken (der G7- Staaten) ein Interesse daran, den Euro beziehungsweise den Dollar relativ stabil zu halten“. Auf dem aktuellen Niveau habe der Euro jedenfalls einen Boden gefunden. Hellmeyer erinnert zudem an das vergangene Jahr, als der im Spätsommer lange in einer Handelsspanne von 0,95 bis 0,99 $ verharrte. Danach legte der Euro kräftig zu.

Etwas enger sieht Michael Klawitter die Bandbreite mit 1,1130 bis 1,1450 $ je Euro. Der Londoner Devisenexperte der WestLB rechnet für die nächsten vier bis sechs Wochen nicht damit, dass „die Dollar-negativen Faktoren wieder in den Vordergrund rücken“. Nach seiner Beobachtung neigt der Markt aber dazu, im Zweifelsfall eher positiv für den Dollar gestimmt zu sein. Das Erholungspotenzial des Euros bleibe so auf rund 1,16 $ begrenzt.

Marktbestimmend ist in der Regel der Dollar-Raum. Und laut Klawitter ist das Szenario einer wirtschaftlichen Erholung in den USA an den Märkten unverändert intakt. Gleichwohl schließe dies „leichte Enttäuschungen in den Daten“ in den nächsten sechs Monaten nicht aus. Auch „die Zahlen für Juli in den USA werden enttäuschen“, warnt der WestLB-Experte. Zurzeit überdenke der Markt noch, „ob der Optimismus bezogen auf das US-Wachstum gerechtfertigt ist“; kurzfristig könne der Euro daher bei relativ dünnen Umsätzen erst einmal steigen. Dies zeigte sich auch gestern, als der Euro erneut zügig über die Marke von 1,13 $ anzog. Auf Sicht von zwölf Monaten sieht Klawitter für den Euro aber nur einen Kurs von 1,05 $. Ein Risiko für den Dollar bleibe dabei das hohe US-Leistungsbilanzdefizit. Doch dies werde den Dollar erst später erneut belasten.

Sein Kollege Hellmeyer ist mit Blick auf die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA skeptisch: „Der Markt preist sehr viel Optimismus für die US- Konjunktur ein.“ Doch aus den jüngsten Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lasse sich ein nachhaltiges Wachstum noch nicht herauslesen. „Die Zahlen sind nicht stichhaltig“, sagt der Bremer Devisenexperte. Die Reaktion der Finanzmärkte sei zwar verständlich, aber sehr oberflächlich und werde sich auf Dauer so nicht fortsetzen. Für das zweite Halbjahr geht er – entgegen vielen Erwartungen – von einem unterdurchschnittlichen US- Wachstum aus. Nach der gegenwärtigen Phase der „relativen Stabilität“ prognostiziert Hellmeyer daher einen Kursanstieg des Euros. Denn der Dollar sei derzeit tendenziell schwach. Sein Ziel für den Euro-Kurs Ende diesen Jahres liege unverändert bei 1,25 $.

Auch der Großteil der von dem Finanzdienstleister bfinance befragten Analysten geht davon aus, dass der aktuelle Anstieg des amerikanischen Dollars im Vergleich zum Euro lediglich vorübergehender Natur sein wird (s. Tabelle). Der Umfrage zufolge gehen die meisten Experten davon aus, dass der Kurs des Greenbacks mittelfristig wieder stärker unter Druck geraten wird. Die Analysten der Société Générale, die bis Ende des Jahres einen Euro-Kurs von 1,20 $ erwarten, kommentieren daher die aktuelle Dollar- Stärke so: „Es handelt sich hier nicht um eine wirkliche Umkehr der Entwicklung, sondern eher um eine Pause in einer grundlegenden Stärkephase des Euro.“

Quelle: Handelsblatt

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