George Soros „Der Bitcoin ist keine Währung“

Der US-Großinvestor reiht sich ein in die Gruppe der Bitcoin-Kritiker und spricht von einer „typischen Blase“. Einen dramatischen Einbruch der Währung erwartet Soros jedoch nicht, eher einen langsamen Wertverfall.
Update: 26.01.2018 - 00:45 Uhr Kommentieren
„Eine Währung, die 25 Prozent am Tag schwankt, kann nicht genutzt werden, um etwa Löhne zu zahlen.“ Quelle: AP
George Soros über den Bitcoin

„Eine Währung, die 25 Prozent am Tag schwankt, kann nicht genutzt werden, um etwa Löhne zu zahlen.“

(Foto: AP)

DavosMit dem milliardenschweren US-Investor George Soros hat der Bitcoin einen weiteren Kritiker gefunden. „Das ist eine typische Blase“, sagte Soros am Donnerstag am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. „Der Bitcoin ist keine Währung“, so der 87-Jährige. „Es ist Spekulation.“

Für eine Währung fehle die Stabilität, erklärte der legendäre Finanzspekulant. „Eine Währung, die 25 Prozent am Tag schwankt, kann nicht genutzt werden, um etwa Löhne zu zahlen.“ Es handele sich um ein „Missverständnis wie die Tulpenmanie“, griff er einen viel benutzten Vergleich auf: Im 17. Jahrhundert war eine Blumen-Liebhaberei reicher Niederländer in einen irrationalen Kaufrausch umgeschlagen – bis die Blase platzte und die Preise ins Bodenlose fielen.

Soros erwartet nach eigenen Worten aber keinen solchen Einbruch. Stattdessen rechnet er damit, dass der Bitcoin langsam an Wert verliert. Seine Begründung: Diktatoren nutzten den Bitcoin, um Gelder zu verschieben. Die zugrundeliegende Blockchain-Technologie sei aber innovativ und könne auch zum Guten benutzt werden.

Der Bitcoin ist die bekannteste Digitalwährung und steht seit einiger Zeit verstärkt in der Schusslinie von Finanzaufsehern sowie Politikern. Kryptowährungen könnten von Kriminellen genutzt werden, sagte die britische Premierministerin Theresa May in Davos und erklärte, dies beobachten zu wollen. Auch US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte, „gesetzeswidrige Aktivitäten“ bei Kryptowährungen müssten unterbunden werden.

Andere Beobachter fürchten Risiken fürs Finanzsystem durch eine Kettenreaktion im Falle eines rapiden Wertverfalls. Der Bitcoin war im vergangenen Jahr von 1000 auf fast 20.000 Dollar gestiegen, nur um dann wieder etwa die Hälfte an Wert zu verlieren.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret äußerte Bedenken, dass das Spekulationsfieber um Bitcoin und andere Kryptowährungen mittelfristig die Stabilität der Finanzmärkte gefährden könnte. Kurzfristig sei er zwar nicht beunruhigt, sagte Dombret dem Magazin „Focus“. Jedoch: „Auf mittlere und längere Sicht können derartige Blasen die Finanzstabilität durchaus gefährden.“ Dies gelte zumal dann, „wenn am Finanzmarkt Derivate auf Kryptowährungen eine immer größere Rolle spielen sollten.“ Diese wirkten wie Hebel, die die heftigen Auf- und Abwärtsbewegungen noch exponentiell steigern könnten.

Dombret erwartet, dass die Bedeutung elektronischer Zahlungssysteme in Zukunft deutlich wachsen wird. „Die sehr spekulative Situation darf nicht den Blick darauf verstellen, dass wir es in Zukunft sehr viel mehr mit digitalen Produkten im Zahlungsverkehr zu tun haben werden.“

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  • dpa
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